Fotografie

Frauen der Welt: Beeindruckende Fotos einer Epoche

Von Michael Greshko
Ein Mädchen in Lagartera, Spanien, posiert 1914 für Jules Gervais-Courtellemont für ein ungezwungenes Portrait in einer Tracht. Lagartera ist bekannt für seine jahrhundertealte Tradition aufwendiger Stickereien.

1907 entwickelten die Brüder Auguste und Louis Lumière die erste massentaugliche Form der Farbfotografie. Beim sogenannten Autochromverfahren wurden Glasplatten mit Millionen von mikroskopischen Farbfiltern bedeckt, die aus eingefärbten, pulverisierten Kartoffelstärkekörnchen bestanden.

Diese Körnchen verwandelten die Platte in eine Art Buntglasfenster mit roten, grünen und blauen Punkten, die das auf eine lichtempfindliche Emulsion scheinende Licht filterten. Aus der Nähe betrachtet, sahen die entstandenen Fotografien wie Punkte in verschiedenen Rot-, Blau- und Grüntönen aus. Doch aus der Entfernung vermischten die Augen des Betrachters die Farben zu gedämpften, traumhaften Tönen, sodass Autochromaufnahmen wie pointillistische Gemälde wirkten.

„In diesem Punkt unterscheiden sich Autochrome von modernen Fotos: Sie haben eine wunderschöne malerische Optik“, meint Bill Bonner, Archivar der Bildersammlung bei National Geographic.

Zeitgenössische Fotografen schwärmten von den Autochromen. „Mit keinem anderen Medium erhalte ich so wunderbar brillante Farben“, verkündete Edward Steichen 1908.

Kaum jemand setzte Autochrome mit größerer Wirkung ein als National Geographic. Die erste natürliche Farbfotografie, die im National Geographic-Magazin erschien, war ein 1914 veröffentlichtes Autochrom von einem Blumengarten in Belgien. In den Archiven von National Geographic befinden sich fast 15.000 Autochromplatten aus Glas – eine der größten Sammlungen der Welt.

Doch in den späten 1930er Jahren wechselten alle Verlage, auch National Geographic, zu Kodachrome als Standard-Farbfilm, weil dieser einfacher zu handhaben war. Während die Fotografen beim Autochromverfahren schwere hölzerne Koffer voll mit zerbrechlichen Glasplatten mit sich herumschleppen mussten, war der Kodachrome-Film, kombiniert mit einer 35-mm-Kamera, leicht und kompakt.

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Mittlerweile hat die Digitalfotografie längst die Oberhand gewonnen, aber die Autochromplatten in unseren Archiven bieten einen einzigartigen Einblick in die Vergangenheit.

„Wir sind alle so vertraut mit alten Schwarz-Weiß-Bildern, dass viele von uns glauben, Aufnahmen aus den frühen 1900er Jahren waren ausschließlich schwarzweiß“, erklärt Adrian Coakley, Fotoredakteur bei National Geographic.

„Mit Autochrom sieht man diese Bilder auf eine völlig unerwartete Weise. Es ist ein bunter Blick in die Vergangenheit.“ Unter „8 From the Archive“, kuratiert von dem Archivar Bill Bonner und der leitenden Fotoredakteurin Jessie Wender, wird jede Woche eine Auswahl aus dem National Geographic-Archiv veröffentlicht.

Zu diesem Bericht beigetragen hat Becky Little.

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Artikel in englischer Sprache veröffentlicht am 24. Dezember 2015

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