Auf versteckten Pfaden durch das Montréal von gestern und heute

Nur wenige Städte auf der Welt verkörpern eine so dynamische Verschmelzung von Alt und Neu.

Von Susan Nerberg
Blick auf Montréal und das Wandbild „Tower of Songs“, das dem verstorbenen Künstler Leonard Cohen gewidmet ist. Wandbild von El Mac und Gene Pendon, MU.

Montréal bietet unvergessliche Erlebnisse, die die stolze Geschichte der Stadt und ihr kulturelles Erbe zeigen und Besucher auf eine Reise zu den modernsten Attraktionen mitnehmen. Die dynamische Verschmelzung von Alt und Neu zeigen diese zehn besten Erkundungstouren durch das Montréal von gestern und heute.

Eintauchen in die Vergangenheit

Vieux-Montréal, wie die Altstadt genannt wird, entführt Besucher mit der Erlebnistour Cité Mémoire auf einen Spaziergang durch den alten Stadtkern Montréals, den Alten Hafen und bis zum Grand Hotel Fairmont The Queen Elizabeth. Teil dieses immersiven Erlebnisses sind bemerkenswerte künstlerische Projektionen, die an Wänden, am Boden und sogar an Bäumen zu sehen sind. Mit Hilfe einer App können Teilnehmer im Laufe des Rundgangs den Geschichten über faszinierende historische Persönlichkeiten lauschen.

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Auf Geisterjagd

So richtig gruseln können sich Besucher vor den Montréal Ghosts. Die professionelle Truppe aus Schauspielern bereitet die Bühne für ein Erlebnis der besonderen Art und inszeniert auf einem Abendspaziergang nach Einbruch der Dunkelheit die grausigsten Ereignisse, Gruselgeschichten und legendären Verbrechen der Geschichte Vieux-Montréals.

Kaffeepause

Im Jahr 1928, dem Höhepunkt der Goldenen Zwanziger, ließ die Royal Bank of Canada in Vieux-Montréal ein gigantisches Bauwerk errichten, um ihren Reichtum zu demonstrieren. Die Haupthalle des einst größten Gebäudes des Britischen Empires beherbergt heute das Crew Collective & Café. Dort können Gäste köstliche Kaffeesorten der führenden Röstereien der Stadt probieren, während sie die glamouröse Art-déco-Architektur mit den 15 Meter hohen Decken, vergitterten Fenstern und glitzernden Kronleuchtern bestaunen.

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Auf ein Häppchen

In den trendigen Stadtteilen Le Plateau-Mont-Royal und Mile End, wo sich im Laufe der Zeit viele jüdische Einwanderer niedergelassen haben, gibt es die besten Bagels, das beste Räucherfleisch und den besten mit Kartoffeln gefüllten Knish der Stadt. Das Museum of Jewish Montréal veranstaltet eine Tour namens Beyond the Bagel, die Besucher auf eine kulinarische Entdeckungsreise durch die Geschichte mitnimmt. Der Weg führt dabei durch die Viertel Plateau und Mile End sowie über den St. Lawrence Boulevard. Unterwegs wird am Schwartz’s Deli, St-Viateur Bagel und Wilensky’s Light Lunch Halt gemacht. Letzterer ist bekannt für seine sogenannten Egg Cream Sodas (Mischgetränke aus Milch, Mineralwasser und Schokoladensirup) und Bologna-Sandwiches.

Kunst-Festival mal anders

Montréal ist für seine hochkarätigen Kunstinstitutionen berühmt, allen voran das Museum of Fine Arts und das Museum of Contemporary Art, die sich beide im Stadtzentrum befinden. Seit dem Jahr 2013 bringt die Stadt mit ihrem MURAL Festival, das immer im Juni stattfindet, auch Kunst in monumentaler Größe in den öffentlichen Raum – natürlich für alle Betrachter kostenlos. Das Festival fand 2018 im sechsten Jahr in Folge statt und gab fast 100 Werke in Auftrag, die unscheinbaren Fassaden in der ganzen Stadt einen frischen Anstrich und eine neue Perspektive verpassten. Die Werke können nicht nur während des Festivals, sondern das ganze Jahr über bestaunt werden.

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Spitzen-Aussicht

Das größte Riesenrad Kanadas, La Grande Roue de Montréal, ragt 60 Meter hoch über dem Bonsecours Basin in Vieux-Montréal auf. Seine 42 Gondeln sind im Winter beheizt und im Sommer klimatisiert und bieten daher an jedem Tag des Jahres von 10 Uhr bis 23 Uhr ein echtes Erlebnis. Unerschrockene Gondelfahrer können einige der bekanntesten Plätze der Altstadt entdecken, darunter den Place Jacques-Cartier und den Marché Bonsecours, einen Kunsthandwerksmarkt in einem historischen Kuppelgebäude. Weitere adrenalingeladene Abenteuer bietet die 365 Meter lange MTL Zipline, die Besucher im ehemaligen Hafengebiet mit einer Geschwindigkeit von 64 Stundenkilometern entlanggleiten können.

Der Waterfront Park in der Altstadt von Montréal mit Blick auf das Riesenrad La Grande Roue de Montréal.

Hinauf auf den Berg

Der Mont Royal erweckt den Eindruck, als hätte ihn irgendjemand willkürlich mitten in die Stadt geworfen. Er ist bedeckt von einem grünen Park, der 1874 von Frederick Law Olmstead entworfen wurde und seither den grünen Ruf Montréals untermauert. Die kleinen Wunder des Berges lassen sich am besten zu Fuß oder mit dem Fahrrad erleben, das Besucher sich beispielsweise mit Hilfe des Bike-Share-Programms BIXI ausleihen können. Vom George-Étienne-Cartier-Monument aus geht es immer weiter den Kiesweg entlang. Auf dem Weg zum Gipfel lohnt sich ein Zwischenstopp am Chalet du Mont-Royal für einen Panoramablick auf das architektonische Erbe des Stadtkerns: einer Mischung aus Jugendstil-Wahrzeichen, stattlichen Anwesen und Regierungsgebäuden im Stil der Siebziger.

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Spaß im Hafenviertel

Im Sommer hat an den Wochenenden das Village au Pied-du-Courant geöffnet, ein Stadtstrand samt Strandbar, an der gehobene Küche, Cocktails und DJ-Unterhaltung geboten wird. Der Strand ist ein beliebter Treffpunkt, besonders zu den zwei Feuerwerk-Events im Sommer. Außerdem bietet er freie Sicht auf die Jacques-Cartier-Brücke, eines der meistfotografierten Bauwerke der Stadt. Im Jahr 1925 begann die Stadt mit dem Bau der Brücke, die 1930 schließlich eröffnet wurde. Eine interaktive Lichtinstallation, deren Farben mit der Jahreszeit wechseln, hat das Bauwerk direkt ins 21. Jahrhundert transportiert. Für noch mehr Drama am Nachthimmel sorgt die nur zehn Gehminuten in westlicher Richtung entfernte Biosphère. Die geodätische Kuppel, in der sich ein Wasser- und Umweltmuseum befindet, wurde 1967 von Buckminster Full für die Weltausstellung entworfen. Ganz in der Nähe befindet sich außerdem der Clock Tower. Beide Bauwerke erhalten durch bunte Lichtprojektionen einen modernen Anstrich.

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Urban Camping

Montréal und Parks Canada bieten Besuchern die großartige Möglichkeit, der Stadt zu entfliehen – indem sie direkt in ihr campen. Gäste übernachten in sogenannten oTENTiks, einer Kreuzung aus Zelt, Jurte und Hütte inklusive Etagenbetten. Die Übernachtungsmöglichkeiten stehen im alten Hafenviertel, das an die industrielle Vergangenheit der Stadt erinnert. Die Gäste können in aller Früh eine Runde im Park joggen und sich das Silo No. 5 ansehen. An dem alten Getreidespeicher hat der Zahn der Zeit genagt, aber seine charmante Rostschicht hat ihn zu einem beliebten Foto-Objekt gemacht. Jenseits des Lachine Canal können Besucher auf dem Marché des Éclusiers einen Caffè Latte genießen und im Anschluss auf der Veranda ihres oTENTiks die Welt an sich vorbeiziehen lassen.

Königlicher Luxus

Was kommt dabei heraus, wenn einer Grande Dame des Hotel- und Gastgewerbes eine Rundumerneuerung durch eines der führenden Design- und Architekturunternehmen der Stadt gewährt wird? Ein Hotel, das einer Königin gerecht wird. Das Fairmont The Queen Elizabeth wurde in den Sechzigern erbaut und lockt seit über einem halben Jahrhundert die Crème de la Crème in seine Hallen. Nach einer Multi-Millionen-Dollar Renovierung durch Sid Lee Architecture wurde das Hotel zu einem Hotspot für Gäste, Stars und Einheimische, die im hoteleigenen Urban Market einkaufen oder auf der stattlichen Terrasse entspannen wollen.

Die Skyline von Montréal leuchtet dramatisch im Sonnenuntergang. Blick vom Kondiaronk Lookout im Mount Royal Park.

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

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