Ich bin dann mal im Homeoffice

Video-Meeting von den Malediven? Nicht im Büro arbeiten kann man von überall. Was beim Thema Workation zu beachten ist und wie man die Chefin überzeugt.

Von National Geographic
Veröffentlicht am 2. Nov. 2021, 13:00 MEZ, Aktualisiert am 8. Nov. 2021, 11:27 MEZ
Ein Computer auf einem Tisch, dahinter Palmen und ein Sonnenuntergang

Wie wähle ich mein Zielland aus? Wer hilft mir bei der Organisation? Wer vom Urlaubsort aus arbeiten will, muss einiges beachten. 

Foto von Rock and Wasp - stock.adobe.com

Vormittags mit dem Laptop unter Palmen sitzen, nachmittags surfen gehen. Nach einer Sonnenaufgangswanderung an der Videokonferenz im Hotelzimmer teilnehmen. Oder nach Feierabend eine Metropole erkunden. So oder ganz anders kann Workation aussehen. Lange war das (zeitweise) Arbeiten an klassischen Urlaubsorten den digitalen Nomaden vorbehalten, Selbstständigen aus dem Kreativ- und Digitalbereich. Mit der Coronapandemie hat sich das geändert. Zum einen sind Homeoffice und mobiles Arbeiten nun auch für „normale“ Angestellte zur Regel geworden. Zum anderen ist nach Monaten des Lockdowns und des Verzichts auf Reisen bei vielen Menschen die Lust auf einen Ortswechsel gestiegen. Damit sich die Quarantäne bei der Einreise im Urlaubsland und bei der Rückkehr auch lohnt, bleibe ich am besten lang und nehme mir die Arbeit mit, so die Überlegung.

Was ist dran am Trend Workation?

Viele Medien rufen Workation zum neuen Trend der Arbeitswelt aus. Bislang gibt es aber noch keine Zahlen dazu. Arbeitsforscher Professor Werner Eichhorst, der sich am IZA, dem Institut zur Zukunft der Arbeit, mit dem Wandel der Arbeitswelt beschäftigt, spricht lieber von einem Nischenphänomen. „Nur etwa ein Drittel der Arbeitnehmer in Deutschland betrifft das Homeoffice überhaupt, und nur für einen kleinen Teil davon kommt Workation infrage.“ Neben dem finanziellen Aspekt müsse auch das familiäre Umfeld passen. Zudem wisse man aus der Homeoffice-Forschung, dass die meisten Arbeitnehmenden den Kontakt zu ihren Kollegen schätzen. „Das schließt räumliche Distanz über längere Zeit aus.“

Darf ich meinen Arbeitsort einfach ins Ausland verlegen?

Während Selbstständige frei entscheiden können, wo sie arbeiten, sind Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Regel ortsgebunden. Wie die Anwaltskanzlei Küttner auf ihrem Blog (kuettner-rechtsanwaelte.de) schreibt, beziehen sich auch Regelungen zum mobilen Arbeiten „im Zweifel nur auf deutsches Hoheitsgebiet“. Möchten Beschäftigte für eine gewisse Zeit im Ausland arbeiten, bedürfe es einer Zusatzvereinbarung zum Arbeitsvertrag, in der auch Dauer und Arbeitszeiten festgelegt werden sollten. Bei einer Aufenthaltsdauer von über vier Wochen sollte man vertraglich vereinbaren, dass weiterhin deutsches Recht gilt. Weichen die im Zielland geltenden Regelungen allerdings zu Gunsten des Angestellten von den deutschen ab (Mindestlohn, Höchstarbeitszeit, Kündigungsschutz etc.), kann der Arbeitgeber diese nicht wirksam ausschließen. Für Selbstständige wie Arbeitnehmende gilt: Außerhalb der EU benötigen sie möglicherweise ein Visum und eine Arbeitserlaubnis. Einige Länder haben während der touristenarmen Coronazeit spezielle Workation-Visa kreiert – etwa Island, Antigua und Barbuda oder Mauritius.  

Wie sieht es mit Steuern und Sozialversicherung aus?

Normalerweise hat eine kurze Workation keine steuerrechtlichen Auswirkungen. Ab einer Dauer von einem halben Jahr kann es allerdings zur (Lohn-)Steuerpflicht gemäß den jeweiligen Doppelbesteuerungsabkommen zwischen den Ländern kommen. Bei einer Workation müssen sich die Arbeitnehmenden – anders als bei einer Entsendung durch den Arbeitgeber – selbst um die Auslandskrankenversicherung kümmern. Bei einem Aufenthalt über vier Wochen fallen sie womöglich aus dem deutschen Sozialversicherungssystem. Mit Ländern außerhalb der EU gibt es diesbezüglich verschiedene Abkommen. Innerhalb der EU sind unregelmäßige, kurze Auslandsaufenthalte rechtlich noch nicht geklärt. Anders ist das bei regelmäßigen Aufenthalten (maximal 75 Prozent der Arbeitszeit), dann gilt deutsches Sozialversicherungsrecht. Es empfiehlt sich, die Situation vorab mit der Deutschen Verbindungsstelle Krankenversicherung Ausland (dvka.de) bzw. dem Spitzenverband Bund der Krankenkassen (gkv-spitzenverband.de) abzuklären und gegebenenfalls eine Ausnahmegenehmigung zu beantragen. Informieren Sie sich auch unbedingt, welche Leistungen Ihre Krankenkasse bei einer Covid-19-Erkrankung und bei einer Reisewarnung übernimmt.

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    Wie wähle ich mein Zielland aus?

    Bei der Wahl des richtigen Landes für Ihre Workation kommt es zum einen auf Ihre persönlichen Präferenzen bei Urlaubsdestinationen an: Mögen Sie die Tropen? Oder bevorzugen Sie kühlere Gefilde? Wollen Sie möglichst ungestört in einem Resort am Strand oder in einem Hotel in den Bergen arbeiten oder doch lieber in einer lebendigen Stadt mit Cafés und Kneipen? Sie sollten sich aber auch fragen, ob Sie viele Videokonferenzen und Besprechungen haben und Ihnen ein Aufenthalt in derselben oder einer ähnlichen Zeitzone wie Ihr Team den Arbeitsalltag erleichtern wird. Welche Infrastruktur benötigen Sie? Reicht Ihnen schnelles Internet im Hotelzimmer, oder möchten Sie eine Auswahl an Co-Working-Spaces mit Bürobedarf wie Druckern etc. und Austausch mit Gleichgesinnten? In Pandemiezeiten sollten Sie zudem Inzidenzwerte, Hochrisikogebiete, das Gesundheitswesen im Land und Einreisebestimmungen in Ihre Überlegungen einbeziehen.

    Wer hilft mir bei der Organisation?

    Es gibt eine Reihe von Anbietern, die bei der Organisation und Durchführung einer Workation helfen. Nomad Stays beispielsweise vermittelt Hotelzimmer und Ferienwohnungen mit der Möglichkeit, Co-Working-Spaces zu nutzen. Das Angebot umfasst Räume in fast 60 Ländern, von Botswana bis Bulgarien (nomadstays.co). Auf den Portalen workationhub.de und workation.de können Sie Unterkünfte buchen und finden zudem viel Wissenswertes rund um das Thema. Auch Hotelketten sind inzwischen in das Geschäft eingestiegen. Robinson oder Tui blue bieten Hotelzimmer mit Büroausstattung wie Tastatur, Maus und Bürostühlen und die Möglichkeit, Drucker zu nutzen (tui.com/workation/, robinson.com/de/de/workation/). Robinson wirbt zudem mit Kinderbetreuungsangeboten um Eltern, die Urlaub und Arbeit kombinieren möchten. Übrigens: Eine Workation muss nicht im Ausland stattfinden. Coconat etwa ermöglicht Einzelpersonen und Gruppen entspanntes Arbeiten in der Natur auf einem alten Gutshof in Ostdeutschland (coconat-space.com). Ein Anbieter, der sich auf Workation für ganze Teams in der Schweiz spezialisiert hat, ist Workplayz (workplayz.com).

    Wie kann ich im Ausland produktiv arbeiten?

    Die Herausforderungen bei einer Workation sind ähnlich wie im Homeoffice. „Es braucht viel Disziplin, Eigeninitiative und gute Selbstorganisation, denn an einem Urlaubsort ist die Gefahr der Ablenkung groß“, sagt Arbeitsforscher Eichhorst. Der Wissenschaftler rät daher, sich feste Zeiten für die Arbeit einzuplanen, im Idealfall (wenn die Zeitzone es erlaubt) bereits am Morgen, und die Arbeit nicht häppchenweise auf den ganzen Tag zu verteilen. „Die Trennung der beiden Sphären Arbeit und Entspannung ist auch bei einer Workation wichtig. Wenn alles erledigt ist, kann man den Urlaubsteil dann umso mehr genießen.“

    Wie überzeuge ich meine Chefin von einer Workation?

    Umfragen ergeben, dass Menschen während einer Workation ausgeglichener und zufriedener sind und dadurch konzentrierter arbeiten können. Für Entspannung sorgen Urlaubsatmosphäre und Angebote wie Yogakurse oder Sportmöglichkeiten vor Ort, aber auch ein Zugewinn an Freizeit, der dadurch entsteht, dass Fahrtzeiten ins Büro sowie Haushaltstätigkeiten und Kochen wegfallen. Ist Ihr Vorgesetzter immer noch skeptisch, kommen Sie ihm zeitlich und räumlich entgegen: Sie müssen ja nicht gleich monatelang in die Karibik verschwinden. Schlagen Sie für den Anfang einen eher kurzen Aufenthalt in einer nahen Zeitzone vor, vielleicht kommt auch eine ein- bis zweiwöchige Verlängerung Ihres regulären Urlaubs infrage. Oder Sie weisen Ihre Chefin auf Workation-Angebote für das gesamte Team hin.

    Was tun bei schlechtem Internet?

    Am besten erkundigen Sie sich vorab nach der Internetgeschwindigkeit und buchen ein Zimmer mit LAN-Kabel oder Ethernet-Port. Falls Sie auch am Strand oder in der Natur arbeiten möchten, können Sie sich mit Ihrem Handy einen Hotspot einrichten (innerhalb der EU buchen Sie im Voraus ein größeres Internetvolumen bei Ihrem Mobilfunkanbieter dazu, außerhalb der EU besorgen Sie sich am besten eine lokale SIM-Karte.) Eine gute Alternative sind auch mobile lokale WLAN-Router, die mit oder ohne SIM- Karte funktionieren.

    Die Oktober / November / Dezember 2021-Ausgabe von NATIONAL GEOGRAPHIC Traveler ist seit 15. Oktober 2021 am Kiosk erhältlich.

    Foto von National Geographic

    Dieser Artikel erschien in voller Länge und mit vielen weiteren Tipps zum Thema Workation (z.B. wo es die einfachste Einreise und das beste Internet gibt!) in der Oktober/November/Dezember 2021-Ausgabe des deutschen NATIONAL GEOGRAPHIC TRAVELER. Verpassen Sie keine Ausgabe mehr: Sichern Sie sich die nächsten 2 Ausgaben zum Sonderpreis!

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