Durch die weltweite Ausbreitung des Coronavirus ist der Reiseverkehr eingeschränkt. Mehr zu den wissenschaftlichen Hintergründen des Ausbruchs gibt es hier>>

BEST OF THE WORLD: 25 spannende Reiseziele für 2022

Die Welt ist einzigartig, vielfältig und wunderschön: Hier sind 25 inspirierende Orte, die einen Besuch wert sind.

Die Teeplantagen im chinesischen Yunnan gehören zu den bedeutendsten der Welt.

Foto von Alamy, Getty, AWL Images
Von National Geographic Traveler
Veröffentlicht am 20. Jan. 2022, 14:45 MEZ, Aktualisiert am 21. Jan. 2022, 15:04 MEZ

Nie war das Fernweh wohl größer als zu Beginn dieses neuen Reisejahres. Wir bleiben optimistisch und haben unsere Kollegen auf der ganzen Welt nach den aufregendsten Reisezielen für 2022 gefragt. In fünf Kategorien – Abenteuer, Kultur, Natur, Familie und Nachhaltigkeit – stellen wir 25 Orte vor, die besonders sind. Wegen ihrer jahrhundertealten Traditionen, einer einzigartigen Tierwelt oder ihrem herausragenden Engagement für den Schutz unserer Erde. Die Welt ist einzigartig, vielfältig und wunderschön. Es gibt viel zu entdecken!

Abenteuer

Der Seine-Radweg führt auch über die Brücke Pont de Bir-Hakeim in Paris.

Foto von Alamy, Getty, AWL Images

Seine-Radweg, Frankreich 

Eine malerische Route zwischen Paris und dem Ärmelkanal

La Seine à Vélo ist ein neuer Radweg, der genauso gut aus einem Gemälde des französischen Malers Claude Monet stammen könnte. Dessen Haus in Giverny liegt mitsamt den berühmten Seerosen direkt an der Strecke. Der 430 Kilometer lange, im Oktober 2020 eröffnete Weg von Paris bis ans Meer wartet allerdings auch mit weniger bekannten Meisterwerken auf, wie zum Beispiel der bunten Street-Art am Canal Saint-Denis in Paris.

Radler passieren auf den 15 Abschnitten zudem Naturreservate, darunter das Vogelschutzgebiet Grande Noé in der Normandie, das an einer bedeutenden Zugvogelroute liegt. Ebenso in der Normandie lassen sich die Ruinen der Abtei von Jumièges, die im Jahr 654 gegründet wurde, sowie die Abbaye Saint-Wandrille bewundern, in der Benediktinermönche Führungen durch ihr jahrhundertealtes Domizil anbieten. Die Teestube und Gärten des Château de Bizy, einer 1740 erbauten königlichen Residenz, die von Versailles inspiriert wurde, laden müde Radfahrer zu einer Verschnaufpause ein.

Obwohl Monet nicht der einzige Grund für eine Tour auf dem neuen Radweg ist, sollten sich kunstinteressierte Biker Zeit für einen Besuch des Museums des Impressionismus in Giverny nehmen, das sich ganz dieser revolutionären Kunstrichtung des 19. Jahrhunderts widmet. (Gabriel Joseph-Dezaize, Chefredakteur, NGT Frankreich)

Ein Wandgemälde in der Innenstadt von Costa Ricas Hauptstadt San José.

Foto von Alamy, Getty, AWL Images

Costa Rica

Von einem Ozean zum anderen

Der Camino de Costa Rica zieht sich über 280 Kilometer vom Karibischen Meer bis an den Pazifischen Ozean und gibt Einblicke in eine Welt fernab ausgetretener Touristenpfade. Der Wanderweg aus 16 Abschnitten verläuft größtenteils auf öffentlichen Straßen und passiert abgelegene Ortschaften, Territorien des indigenen Volkes der Cabecar und Naturschutzgebiete. Er wurde mit dem Ziel angelegt, die Wirtschaft in den ländlichen Gegenden anzukurbeln. Unterkünfte, Verpflegung, Touren und andere Annehmlichkeiten werden hauptsächlich von lokalen Familien, gemeinnützigen Vereinen und einem Netzwerk aus Kleinstunternehmern wie dem Honigproduzenten Ecomiel, dem von Frauen geführten Bio-Bauernhof Finca El Casquillo oder der nachhaltigen Kaffeemühle La Cabaña bereitgestellt.

Aufgrund der Abgeschiedenheit des Wegs und dem flickenhaften touristischen Angebot empfiehlt die gemeinnützige Organisation Mar a Mar („Meer zu Meer“), die sich seit 2016 um die Entwicklung, Vermarktung und Instandhaltung des Camino kümmert, dringend einen Guide. Tourismusunternehmen wie Ticos a Pata, UrriTrek Costa Rica und ViaLig Journeys bieten geführte Wandererlebnisse an, die von Tagesausflügen bis zu ein- oder zweiwöchigen Trecks von Küste zu Küste reichen. Dabei werden Flüsse, Ranchflächen, Regen- und Nebelwälder sowie Zuckerrohrplantagen durchquert. Bei mehrtägigen Wanderungen kann man zusätzlich weiteren Abenteuern wie dem Wildwasser-Rafting auf den weltbekannten Stromschnellen des Flusses Pacuare frönen. (MKD für NGT Korea)

Fischer-Ausrüstung an einem Räucherhaus in Seal Cove, New Brunswick.

Foto von Alamy, Getty, AWL Images

New Brunswick, Kanada

Der längste Backcountry-Trail der kanadischen Seeprovinzen

Das Ureinwohnervolk der Mi’kmaq erzählt sich eine Legende über einen Felsen in Form einer Schildkröte, der bei den Nepisiguit Falls in der kanadischen Provinz New Brunswick zu finden ist. Wenn der Wasserspiegel fällt, scheint die „Schildkröte“ – Egomoqaseg („Fels wie ein fahrendes Schiff“) – aus dem Fluss zu klettern, so Wanderwegwart Jason Grant. Sein Schwiegervater Gilbert Sewell war ein Stammesältester der Mi‘kmaq und Hüter der Sage.

„Wenn die Schildkröte erst einmal aus dem Wasser ist, bedeutet das der Legende nach das Ende der Welt für die Mi'kmaq“, erzählt Grant. Er schaut jedes Jahr einmal beim Felsen vorbei und kann beruhigen: Egomoqaseg hat noch einen langen Weg vor sich, bevor er auf dem Trockenen sitzt.

Die Wasserfälle liegen an einer jahrtausendealten Migrationsroute der First Nations, die zum längsten Backcountry-Trail der kanadischen Seeprovinzen ausgebaut wurde. Der 150 Kilometer lange, zerklüftete Sentier Nepisiguit Mi’gmaq Trail folgt dem Nepisiguit River und führt auf alten Transportwegen der nomadischen Mi’kmaq entlang. Er beginnt in Meereshöhe im Daly Point Nature Reserve in Bathurst und endet am Bathurst Lake im Mount Carleton Provincial Park. Der Mount Carleton ist mit 820 Metern der höchste Gipfel der Seeprovinzen. Um die Bedeutung der Route für die Mi’kmaq hervorzuheben, wurden während der letzten Instandsetzung 2018 Sprache und Kultur des Volkes in den Wanderweg integriert. So entstanden zum Beispiel Tipi-Camps und ein von Egomoqaseg inspiriertes Schildkröten-Logo. (MKD)

Eine Drohnenaufnahme zeigt das Skigebiet Arapahoe Basin in Colorado mit dem kurvenreichen Highway 6.

Foto von Alamy, Getty, AWL Images

Arapahoe Basin, Colorado, USA

Die Rocky Mountains erklimmen

Für einzigartige Ausblicke auf die kontinentale Wasserscheide muss man hoch hinaus – und zwar über den höchstgelegenen Klettersteig Nordamerikas. Die Via Ferrata – der „Eisenweg“, eine Kletterroute aus Metallsprossen und Kabeln – des Arapahoe Basins in den Rocky Mountains beginnt an einer Basis aus Granitfelsen und steigt von dort aus fast 365 Meter an, bis sie einen 3962 Meter hohen Gipfel erreicht. Ein Blick nach unten offenbart Aussichten auf die verwitterten Landschaften Colorados aus grünem Moos, einer rosaroten bis violetten Pflanzenwelt und natürlichen Felsgärten aus heruntergefallenen Gesteinsbrocken, die schon mal so groß wie ein Auto sein können. In der dünnen Luft erklingt gelegentlich das schrille Piepen eines Murmeltiers oder Pfeifhasen.

Kletterer erklimmen die Felswände mithilfe der Metallsprossen und halten sich gleichzeitig am Gestein fest oder klemmen einen Fuß in einen Spalt, um sich so nach oben abzudrücken. Um einen Fall aus 305 Metern Höhe in den sicheren Tod zu verhindern, müssen die Sportler ihren Klettergurt immer wieder in das nächste Kabel einhängen. Die Route liegt komplett ungeschützt und Gewitter können ganz plötzlich aufziehen.

Bergziegen schauen den Kletterern oft gleichmütig von den oberen Felsvorsprüngen aus zu, verschwinden aber, sobald die Besucher den Gipfel erreicht haben. Hier ist die Hälfte geschafft. Jetzt geht es nämlich wieder runter und das ist für viele Klettersteignovizen wie Michael Lytle der schlimmste Teil des Ganzen. „Du versuchst, nicht bis ganz nach unten zu schauen. Die Straße sieht von hier oben nämlich wie ein Bindfaden aus“, sagt Lytle. „Die Angst ist echt.“ (Shauna Farnell)

Ein Flaschentaucher erkundet das Höhlensystem Chandelier Cave auf der Insel Koror in Palau.

Foto von Alamy, Getty, AWL Images

Palau  

Mit Haien im Pazifik tauchen

Alle Besucher, die am Palau International Airport aus dem Flugzeug steigen, bekommen nicht nur einen Stempel in ihre Reisepässe, sondern unterzeichnen gleichzeitig auch den Palau-Pledge: „Die einzigen Fußabdrücke, die ich hinterlasse, werden die sein, die das Meer wegspült.“ Das 59 Wörter umfassende Öko-Versprechen wurde von und für die Kinder der abgelegenen Inselgruppe im Westpazifik entworfen und soll die Kultur und Natur Palaus vor den negativen Auswirkungen des Tourismus schützen.

Achtzig Prozent der Gewässer rund um Palau – dem National-Geographic-Projekt Pristine Seas zufolge eins der artenreichsten marinen Ökosysteme unseres Planeten – gehören zur Palau National Marine Sanctuary. Die 500 000 Quadratkilometer des Meeresschutzgebiets, das komplett für den Fischfang gesperrt ist, machen es zu einem der größten seiner Art. Über 700 Korallen- und mehr als 1300 Fischarten leben hier, darunter eine überwältigende Vielfalt an Haien.

„Aus der Luft sieht Palau wie das Paradies auf Erden aus“, meint Enric Sala, Gründer des Pristine-Seas-Projekts und Explorer-in-Residence des National Geographic. „Aber unter Wasser begibst du dich in eine völlig andere Welt.“

Vom 27. Februar bis zum 6. März 2022 findet zum 20. Mal die jährliche Shark Week Palau – die Haiwoche – statt. Taucher können dabei zahlreiche Arten wie Graue Riffhaie, Kleine Schwarzspitzenhaie sowie Blau-, Tiger- und Hammerhaie beobachten und an Zählaktionen teilnehmen. Jeden Tag werden verschiedene Tauchplätze ausgewählt, die einen besonders hohen Reichtum an Haien und anderen Meerestieren aufweisen. Zu sehen sind so zum Beispiel auch große Ansammlungen von Mantarochen und Tausende von laichenden Fischen. Schnorchler können im Februar oder November als Teil von Exkursionen der Oceanic Society die Südliche Lagune der Rock Islands erkunden, die zum Weltnaturerbe der Unesco gehört und Riffhaie, Dugongs, Riesenmuscheln sowie marine Seen mit Tausenden von goldenen Quallen beherbergt. (TK, NGT Indien)

Kultur

Die Skyline von Atlanta.

Foto von Alamy, Getty, AWL Images

Atlanta, Georgia, USA

Eine Stadt in den Südstaaten macht Geschichte

In einer Zeit, in der das Wahlrecht in den Vereinigten Staaten immer mehr unter Beschuss gerät, lässt Atlanta mithilfe des New Georgia Project und der Fair Fight Action seine kulturellen und politischen Muskeln spielen. Beide Organisationen zur Stärkung der Wählerschaft wurden von der Aktivistin und politischen Leitfigur Stacey Abrams gegründet, die hier lebt.

Für die Metropole im südlichen Bundesstaat Georgia ist es nichts Neues, bei gesellschaftlichen Veränderungen ganz vorn mit dabei zu sein. Das meint auch Bem Joiner, Mitgründer der Kreativagentur Atlanta Influences Everything. „Atlantas ‚besondere Sauce‘“, wie er es nennt, „besteht vor allem aus drei Zutaten: Bürgerengagement, Wirtschaft und Kultur. Wir sind die Wiege der Bürgerrechtsbewegung, bei uns ist Coca-Cola zu Hause und unsere Hiphop-Kultur inspiriert globale kulturelle Trends. Atlanta ist einfach einzigartig.“

Wer sich gern selbst von dieser dynamischen Mischung überzeugen möchte, dem schlägt Joiner einen Besuch des National Center for Civil and Human Rights sowie des Atlanta University Center vor. Letzteres umfasst vier renommierte, historisch afroamerikanische Colleges und Universitäten, in denen man auf den Spuren von ehemaligen Studenten wie Martin Luther King Jr., dem Filmemacher Spike Lee und der Schriftstellerin Alice Walker wandeln kann. Zum krönenden Abschluss empfiehlt Joiner einen fleischlosen Burger im Slutty Vegan, einer von Schwarzen Unternehmern geführten Restaurantkette, die Initiativen zur Ausbildung und Beschäftigung ehemals inhaftierter Jugendlicher unterstützt.

Ein Ainu in seinem Laden im Ainu-Akan-Nationalpark auf Hokkaido.

Foto von Alamy, Getty, AWL Images

Hokkaido, Japan

Die andere Seite Japans

Die Ainu sind ein Volksstamm aus dem Norden der japanischen Inselkette, der ab dem späten 19. Jahrhundert ein Randgruppendasein fristete. Erst 2019 wurde er von der japanischen Regierung offiziell als indigene Gruppe anerkannt. Das sogenannte „Ainu-Förderungsgesetz“ garantiert zwar den Rechtsstatus der Ainu und verbietet ihre Diskriminierung, tut indigenen Aktivisten zufolge aber wenig, um ihnen direkt zu helfen. In Zukunft kann sich das allerdings ändern, denn immer mehr japanische und internationale Touristen zieht es nach Hokkaido. Auf der landschaftlich unglaublich reizvollen nördlichsten Hauptinsel Japans lebt heute der Großteil der Ainu. Die Besucher kommen vor allem, um mehr über die Kultur der Ureinwohner zu erfahren. Erster Anlaufpunkt dafür ist Upopoy mit dem neuen National Ainu Museum and Park, das 2020 eröffnet wurde.

Upopoy hat gleich eine dreifache und zudem sehr dringende Mission: die Förderung, Wiederbelebung und Verbreitung der Ainu-Kultur, bevor sie ganz ausstirbt. Besonders gefährdet ist die Sprache der Ainu, die weder mit Japanisch noch irgendeiner anderen Sprache verwandt ist und von der Unesco als stark bedroht eingestuft wird. Als Teil der Dauerausstellung des neuen Museums können sich die Gäste Unterhaltungen auf Ainu anhören und an Spielen zum Erlernen der Aussprache versuchen. Aktuell besonders relevant sind auch die Lektionen in nachhaltiger Lebensführung, die die Besucher von den Ainu lernen können. Deren spirituelle Überzeugungen basieren nämlich auf Respekt und Dankbarkeit für die Natur. Noboribetsu Onsen, Hokkaidos bekanntestes Thermalresort, liegt 30 Fahrtminuten südwestlich von Upopoy im Shikotsu-Toya-Nationalpark und lädt zum Entspannen in der Natur ein.

Die Insel Procida mit ihren bunten Häusern liegt im Golf von Neapel. 

Foto von Alamy, Getty, AWL Images

Insel Procida, Italien

Italiens Kulturhauptstadt

Das Motto von Procidas Regentschaft als Italienische Kulturhauptstadt 2022, La cultura non isola („Kultur isoliert nicht“), stammt aus der Zeit vor der Pandemie und scheint heute relevanter denn je. Die Inselstadt, die südwestlich vor Neapel liegt und mit der Schnellfähre in 40 Minuten zu erreichen ist, möchte in ihrem Jahr im Scheinwerferlicht den hohen Stellenwert der Kultur gerade in unsicheren Zeiten hervorheben.

„‚Kultur isoliert nicht‘ ist heute eine noch stärkere Handlungsaufforderung, denn wir sehen die Insel als Metapher für die moderne Menschheit“, erklärt Agostino Riitano, Direktor von Procida 2022. „Wir alle sind wie Inseln und schaffen unsere eigenen Archipele, die von der Kultur zusammengehalten werden. Das gilt umso mehr nach der Pandemie und ihren Auswirkungen.“

Das Herzstück von Procida 2022 ist ein über 300 Tage verteiltes Kulturprogramm aus Kunstausstellungen, Festivals und Aufführungen. Die lange Zeitspanne wurde extra gewählt, um für einen verantwortungsbewussten Tourismus das ganze Jahr über zu sorgen und Besuchermassen in den Sommermonaten zu vermeiden. Prägnantestes Symbol des inklusiven Themas ist der Palazzo d’Avalos, ein Renaissancepalast, der 1500 gebaut wurde und bis 1988 als Gefängnis diente. Die ehemalige Haftanlage mit ihren Grünflächen (die von den Insassen als Gemüsegarten und zur Haltung von Kühen und Schweinen genutzt wurden) steht als Sinnbild für Isolation und wird zum Anlass der Festlichkeiten als kultureller Veranstaltungsort und Stadtpark wiedergeboren.

Auf der Denmark Street in London dreht sich (wieder) alles um die Musik.

Foto von Alamy, Getty, AWL Images

Denmark Street, London, Großbritannien

Der Geburtsort des britischen Punkrock

Trotz des Widerstands von Punk- und Rock-Puristen verspricht die Umgestaltung der Denmark Street, des ehemaligen Herzens der britischen Musikindustrie, genau die richtigen Töne zu treffen. In der winzigen Straße, die auch als Tin Pan Alley Londons bezeichnet wird, waren einst unzählige Musikverlage, Tonstudios, Proberäume und schummrig beleuchtete Clubs zu Hause. Hier wurde die britische Punkrockbewegung geboren und spätere Stars wie David Bowie, Elton John und die Rolling Stones gaben ihren Einstand. Zuletzt spielte die Musik aber immer weniger in der Denmark Street, ein paar Gitarrenläden waren die einzigen Überlebenden jener goldenen Zeit. Als Teil von Outernet London, eines 1-Milliarden-Euro-Projekts zur Schaffung eines immersiven Unterhaltungsviertels im West End, erfährt das legendäre Stück Musikgeschichte nun ein Revival.

Einige Hinweise auf die bewegte Vergangenheit der berühmten Straße sind auch in ihrer neuen Inkarnation erhalten geblieben: restaurierte Fassaden aus dem 17. Jahrhundert, denkmalgeschützte Graffitis von Sex-Pistols-Frontmann Johnny Rotten (der auch hier lebte) und Musikläden wie früher (dank erschwinglicher Langzeitpacht). Hinzu kommen neue Locations, die sich ebenfalls ganz der Musik widmen. Es gibt spezielle Stellen, an denen Straßenmusiker ihr Glück als nächste Adele (sie gab ihr Debüt im 12 Bar Club auf der Denmark Street) versuchen können, ein kostenfrei nutzbares professionelles Aufnahmestudio für aufstrebende Künstler sowie das Chateau Denmark Hotel, das sich über 16 Gebäude voller Musikgeschichte erstreckt.

Die Teeplantagen im chinesischen Yunnan gehören zu den bedeutendsten der Welt.

Foto von Alamy, Getty, AWL Images

Berg Jingmai, Yunnan, China

Auf den Spuren des Tees

Eine der ältesten Kulturlandschaften Chinas soll 2022 zu einer der neuesten Unesco-Welterbestätten des Landes werden. Die antiken Teeplantagen am Berg Jingmai in Pu’Er bilden zusammen das größte künstlich angelegte historische Teeanbaugebiet der Welt. Sie umfassen rund 1,13 Millionen Teebäume, von denen der älteste 1400 Jahre alt ist.

Die Region liegt ganz im Südwesten der chinesischen Provinz Yunnan und war einst Startpunkt der legendären Alten Tee-Pferde-Straße. Das Netzwerk aus antiken Handelswegen entstand im 11. Jahrhundert und wurde nach seinem wichtigsten Zweck benannt, dem Tausch von chinesischem Tee gegen tibetanische Pferde (für 130 Pfund – fast 60 Kilo – Tee gab es ein Pferd).  

Moderne Schnellstraßen haben inzwischen die alte Route abgelöst, aber die Teeplantagen gibt es noch immer, genau wie vier regionale ethnische Minderheiten. Die Volksgruppen der Blang, Dai, Hani und Wa pflegen nach wie vor ihre eigenen Sprachen, Bräuche und Feste. Aufgrund ihrer Abgeschiedenheit und den beschränkten Teetourismus-Angeboten in der Region lässt sich die historische Kulturlandschaft am besten auf einer geführten Tour erleben. (编辑部主任 陆毅 Yi Lu, leitender Redakteur, NGT China)

Familie

Fischer am Donaudelta in Rumänien.

Foto von Alamy, Getty, AWL Images

Die Donau

Reise durch eine Märchenlandschaft

Dank der vorbeiziehenden Burgen, mittelalterlichen Städte und imposanten Schlösser fühlt man sich bei einer Schiffsfahrt auf der Donau wie auf einer Reise durchs Märchenland – und durch die europäische Geschichte. Der Fluss passiert zehn Länder (Deutschland, Österreich, die Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien, Rumänien, Bulgarien, Moldawien und die Ukraine) und die meisten Kreuzfahrtschiffe halten in mindestens vier von ihnen. Spezielle Familienfahrten sorgen sogar an Land für kinderfreundliche Aktivitäten.

Geschichtsstunden über den Feudalismus des Mittelalters nehmen im Veste Oberhaus in Passau, einer der größten noch erhaltenen Burganlagen Europas, greifbare Dimensionen an. Jahrhundertealte magyarische Reitertraditionen werden wiederum auf einer Pferderanch im Süden Ungarns lebendig, wo furchtlose Csikós, berittene Hirten, stehend auf zwei galoppierenden Pferden reiten.

Die Gegenden rund um die Donau lassen sich am besten auf Rädern entdecken, zum Beispiel bei einer Fahrt mit dem Riesenrad im Wiener Prater oder auf einer Radtour durch die Weinberge der Kulturlandschaft Wachau in Niederösterreich, die zum Welterbe der Unesco gehört.

Aus der Luft offenbart sich das Ausmaß der Sümpfe entlang des Nanticoke River in den USA.

Foto von Alamy, Getty, AWL Images

Eastern Shore, Maryland, USA

Sumpfgebiete, die eine Freiheitskämpferin prägten

Die Geschichte der Underground Railroad fließt durch die Gewässer, Feuchtgebiete, Sümpfe und Schwemmflächen des Dorchester County in der Region Eastern Shore von Maryland. Hier wurde Harriet Tubman, die berühmteste Fluchthelferin der Underground Railroad, als Versklavte geboren. Hier wuchs sie auf und lernte die Fähigkeiten, die ihr später bei ihrer Flucht nach Pennsylvania halfen: Fallenstellen, Jagen und das Orientieren an den Sternen. Einmal in Freiheit, kehrte sie 13 Mal nach Maryland zurück und rettete über 70 versklavte Verwandte und Freunde. Ihre heldenhafte Geschichte wird im Harriet Tubman Underground Railroad Visitor Center erzählt, einer der über 30 Stationen auf dem 201 Kilometer langen Harriet Tubman Underground Railroad Byway.

Um Tubmans Leben vor allem Kindern näherzubringen, empfiehlt Alex Green, Mitinhaber von Harriet Tubman Tours, ein Kajakabenteuer in der Blackwater National Wildlife Refuge. Im heutigen Vogelschutzgebiet fing die berühmte Aktivistin als kleines Mädchen Bisamratten und half ihrem Vater, einem Holzinspektor, bei der Arbeit. Er brachte ihr bei, wie man sich im Sumpf bewegt.

„Wir sprechen mit den Kindern darüber, wie Harriets Selbstvertrauen und die Erfahrungen, die sie in der furchtbaren Institution der Sklaverei machte, sie zu unglaublichen Heldentaten antrieben“, erzählt Green. „Harriet hat nie aufgegeben und nie aufgehört, Neues zu lernen. Das ist eine Lektion, die die Kinder mit nach Hause nehmen können.“

Auf Bonaire lebt die größte Flamingokolonie der ganzen Karibik.

Foto von Alamy, Getty, AWL Images

Bonaire

Eines der ältesten Meeresschutzgebiete der Welt

Strahlender Sonnenschein, ein türkisblaues Meer, Palmen, weiße Sandstrände und eine relaxte Atmosphäre: Bonaire erfüllt alle Anforderungen an ein idyllisches Tropenparadies. Allerdings ist die Insel (21 000 Einwohner) im Vergleich zu vielen anderen Urlaubszielen in der Karibik recht ruhig und noch relativ wild und unberührt. Außerdem liegt vor ihrer Küste eins der ältesten Meeresschutzgebiete der Welt.

Der Bonaire National Marine Park wurde 1979 ins Leben gerufen und steht seit 2011 auf der Tentativliste der Unesco. Das Schutzgebiet umfasst 2700 Hektar Korallenriffe, Seegras und Mangrovenvegetation. Die gesunden Riffe der Insel sind ein Magnet für Taucher und Schnorchler, die hier über 57 Korallen-Spezies und mehr als 350 Fischarten bewundern können.

Mehrere Tauchschulen auf Bonaire nehmen an einem Programm zur Rifferneuerung teil, bei dem Freiwillige Korallen in Aufzuchtstationen unter Wasser heranziehen und pflegen, um sie anschließend ins Riff zu pflanzen. Jeder, der tauchen kann, kann nach erfolgreichem Abschluss des PADI-Zertifikats zum Reef Renewal Diver dabei mitmachen.

Ein weiterer Bonus ist die leichte Zugänglichkeit der Tauchgebiete: Man muss sich nicht auf einem Schiff einmieten oder um Transport kümmern, um die Unterwasserwelt zu entdecken. An 54 von den fast 90 öffentlichen Tauchplätzen auf Bonaire geht man einfach vom Strand oder einem Steg aus direkt ins Wasser. (Barbera Bosma, leitende Redakteurin, NGT Niederlande)

Blick über Albaicin, das älteste Stadtviertel Granadas.

Foto von Alamy, Getty, AWL Images

Granada, Spanien 

Staunen Sie über die geometrische Schönheit der Alhambra

Die Sultane der Nasriden – Herrscher der langlebigsten und letzten muslimischen Dynastie auf der Iberischen Halbinsel – hatten die Alhambra („rote Festung“) im 13. Jahrhundert als Palaststadt erbaut. Heute gilt sie als das Juwel der maurischen Architektur in Europa. Die Unesco-Welterbestätte mit dem mandelförmigen Umriss thront auf einem Hügel über Granada, einer der malerischsten Städte Spaniens.

Familien fasziniert vor allem die mathematische Genialität, die hier zu sehen ist. Komplexe Mosaike, Arabesken (sich wiederholende stilisierte Muster, die auf Blüten- oder Pflanzenformen basieren) und Muqarnas (dekorative Gewölbe) machen aus der Alhambra ein Meisterwerk von geometrischer Schönheit. Für Kinder im Schulalter ist sie ein ideales, schillerndes Klassenzimmer, das mathematische Konzepte wie Form, Symmetrie, Proportion und Maß veranschaulicht.

Auch von der Mathematik geprägt ist das zweite große Konstruktionsmerkmal der Alhambra, das Wasser. Es verleiht dem ganzen Bau Leben und Sinn. Wasser sorgt nicht nur für die erfrischende Wirkung der Gärten und das Plätschern der Springbrunnen, sondern ist ein Element der Architektur selbst.

Im Löwenpalast, einem der drei originalen Königspaläste der Alhambra, werden Familien besonders über den Hauptbrunnen staunen. Seine aufwändige Gestaltung umfasst zwölf Steinlöwen, die ein großes Marmorbecken stützen und – dank des technischen Wunderwerks der komplexen Hydraulik – Wasser speien. (Manuel Mateo Pérez, Autor, Viajes Spanien)

Links: Oben:

Ausflugsboote auf dem Dalyan-Kanal, im Hintergrund die Lykischen Gräber.

Rechts: Unten:

Urlauber flanieren in der Nachmittagssonne durch den Küstenort Kas in der Türkei.

bilder von Alamy, Getty, AWL Images

Lykien, Türkei

Das Leben der Nomaden am sonnigen Mittelmeer

Einst durchstreiften die Yörük (wortwörtlich: „Wanderer“), ein Nomadenvolk aus verschiedenen türkischen Gruppen vom Balkan bis zum Iran, die Hochebenen der türkischen Riviera. Die meisten von ihnen sind inzwischen sesshaft geworden, aber viele ihrer jahrtausendealten Bräuche werden noch immer gepflegt. Die Halbinsel Teke liegt in der historischen Region Lykien im Südwesten Anatoliens und ist eine Hochburg der Yörük-Kultur. Die Yörük von Teke sind Halbnomaden und leben mit ihren Zelten, Kelim-Läufern, Tierherden, Hütehunden und transhumanten Traditionen in einer malerischen mediterranen Gebirgslandschaft umgeben von Olivenhainen.

Seit ein paar Jahren kombinieren Touristikunternehmen die Wunder Lykiens mit der Kultur und Lebensweise der Yörük. Familien können auf dem berühmten Lykischen Weg wandern, antike Stätten wie Patara, Xanthos und das Letoon besuchen oder im kristallklaren Wasser des Mittelmeers baden. Übernachtet wird dabei in Hotels, Pensionen, Zelten oder in Privatunterkünften der Dorfbewohner. Den größten Spaß haben allerdings die Kinder, denn sie können bei der Herstellung von Granatapfelsirup und typischem Gebäck sowie beim Melken der Ziegen und bei der Olivenernte helfen und so die Kultur der Yörük hautnah miterleben.

„Geschichte, Natur und Kultur – das alles gibt es hier. Unsere Absicht war es, diese wunderschöne Landschaft in einen Ort des Lernens, aber auch in einen Spielplatz zu verwandeln“, erklärt Kerem Karaerkek, Chefreiseleiter des Touranbieters Middle Earth. „Ich liebe die Begeisterung der Kinder, wenn sie eine Yörük-Küche betreten oder in den alten Ruinen Lykiens auf Schatzsuche gehen. Ihre Augen strahlen dann vor Staunen.“ (Onur Uygun, stellvertretender Chefredakteur, NGT Türkei)

Natur

Ein Goldstirnspecht knabbert im Crooked Tree Wildlife Sanctuary in Belize an einer Papaya.

Foto von Alamy, Getty, AWL Images

Belize
Ein tropisches Tierparadies

Eins zu null für die Natur hieß es kürzlich im Rennen um den Erhalt einer der letzten großen tropischen Regenwälder des amerikanischen Doppelkontinenten. Angeführt von der Nature Conservancy kaufte ein Zusammenschluss von Naturschutzorganisationen im April 2021 96 000 Hektar Urwald im Nordwesten von Belize und gründete die Belize Maya Forest Reserve. Das neue Schutzgebiet grenzt an die Rio Bravo Conservation Management Area (RBCMA) und bewahrt nicht nur einen der artenreichsten Wälder der Welt vor der Abholzung und Bebauung, sondern schließt zudem eine große Lücke in einem lebensnotwendigen Wildtierkorridor, der sich vom Südosten Mexikos durch Guatemala bis nach Belize zieht.

Zusammen umfassen die beiden Reservate fast ein Zehntel von Belizes Landfläche. Sie schützen und verbinden essenzielle Lebensräume für eine atemberaubende Vielfalt von einheimischen und bedrohten Wildtier- und Pflanzenarten. Dazu zählen neben dem Tapir, dem Nationaltier von Belize, unter anderem auch Schwarze Brüllaffen, über 400 Vogelarten und einige der letzten großen Jaguarbestände Zentralamerikas. Ökotouristische Aktivitäten konzentrieren sich vorerst auf die erschlossenere RBCMA, in der es zwei rustikale Lodges gibt und geführte Expeditionen angeboten werden.

Der Hollow Rock ist eine bekannte Felsformation an der Nordwestküste des Lake Superior in Minnesota.

Foto von Alamy, Getty, AWL Images

Nord-Minnesota, USA 
Eine der lichtärmsten Gegenden der Welt

Abertausende von Sternen glitzern am Nachthimmel über Nord-Minnesota. Die abgelegene Region an der Grenze zur kanadischen Provinz Ontario weist so gut wie keine Lichtverschmutzung auf – und ihre Einwohner sind entschlossen, dass das auch so bleibt.

Ziel der grenzübergreifenden Heart of the Continent Dark Sky Initiative ist die Schaffung einer der weitläufigsten Dark-Sky-Zonen der Welt. Zwei der größten Teilstücke liegen dabei in Minnesota: die Boundary Waters Canoe Area Wilderness (BWCAW), mit über 450 000 Hektar das größte internationale Lichtschutzgebiet der Welt, sowie der benachbarte Voyageurs National Park, der erste internationale Dark-Sky-Park des Bundesstaats. Die zwei unberührten Landstriche wurden beide 2020 als Dark Sky Places anerkannt. Ontarios Quetico Provincial Park, der an die BWCAW grenzt, ist seit 2021 internationaler Dark-Sky-Park.

„Der Erhalt der Dunkelheit an Orten wie dem Voyageurs National Park sorgt nicht nur für unglaubliche Himmelspanoramen und kommt der Tierwelt zugute“, meint Christina Hausman Rhode, Leiterin der gemeinnützigen Voyageurs Conservancy. „Sie ermöglicht es uns außerdem, in die Vergangenheit zu blicken und den Himmel so zu sehen, wie er schon vor Hunderten von Jahren war, als ihn Völker wie die Voyageurs des Pelzhandels und die indigenen Ojibwe zur Orientierung nutzten und sich Geschichten über ihn erzählten.“

In der Mahangu Safari lodge, in Namibia wird direkt am Okavango gefrühstückt.

Foto von Alamy, Getty, AWL Images

Namibia

Ein besonderer Nationalpark

Wer Namibia hört, denkt unweigerlich an Wüste, riesige Dünen und staubtrockene Berge. Der Caprivizipfel, ein schmaler Landstrich, der im hohen Norden des Landes wie ein dünner Finger Richtung Osten zeigt, ist allerdings überraschend grün und artenreich. Zu verdanken hat er diese Fruchtbarkeit den Flüssen Okavango, Kwando, Chobe und Sambesi, die hier einen idealen Lebensraum für zahlreiche Tierarten schaffen.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts war die Gegend Schauplatz intensiver Militäraktivitäten, denn wegen ihrer Abgeschiedenheit und schweren Zugänglichkeit eignete sie sich als idealer Korridor für diverse bewaffnete Gruppen. Nachdem Namibia 1990 unabhängig wurde, kehrte der Frieden nach und nach in die Region zurück und mit ihm auch durch die Kampfhandlungen vertriebene Wildtiere.

Der Nkasa-Rupara-Nationalpark ist ein verstecktes Juwel im Osten des Caprivizipfels. Obwohl der Park in den letzten Jahren dank einer Rangerstation und einer Zelt-Lodge etwas mehr für den Tourismus erschlossen wurde, sind Besucher nach wie vor eher selten. Nkasa Rupara ist das größte geschützte Feuchtgebiet Namibias: Im Süden liegt das Kwando-Linyanti-Flusssystem und im Norden Sümpfe und Lagunen. „Klein-Okavango“ wird es gern genannt, da seine Flutflächen denen von Botswanas berühmterem Okavango-Delta gleichen. Im Park ist die größte Büffelpopulation Namibias zu Hause. Auch Raubtiere wie Löwen, Leoparden und Hyänen leben hier, während sich im Fluss vor allem Krokodile und Nilpferde tummeln.

Der Mahango Game Park im Westen umschließt unter anderem Feuchtgebiete und Mopanewälder. Riesige Elefantenherden, Nilpferde und Krokodile durchstreifen das Parkgebiet, genauso wie faste alle Antilopenarten Namibias, darunter die scheue, teilweise im Wasser lebende Sitatunga. (Marco Cattaneo, Chefredakteur, NGT Italien)

Im Winter findet man auf der Insel Olchon an der Westseite des Baikalsee gigantische Eiszapfen.

Foto von Alamy, Getty, AWL Images

Baikalsee, Russland

Wanderweg am größten Süßwassersee der Welt

Der Baikalsee ist so ungeheuer groß und tief, dass ihn seine Anwohner oft als Meer bezeichnen. Mit einer Fläche von 31 500 Quadratkilometern und einer Durchschnittstiefe von 744 Metern gilt das überdimensionale Gewässer als spektakuläres Naturwunder. Allerdings steht es nicht gut um ihn. Obwohl der Baikalsee schon seit 1996 zum Welterbe der Unesco gehört, setzen ihm die anhaltende Umweltverschmutzung, der jüngste Rückgang staatlicher Schutzmaßnahmen und neue Bedrohungen wie großangelegte Tourismusprojekte stark zu. Die Internationale Union zur Erhaltung der Natur (IUCN) stufte seine Situation deshalb 2020 in ihrem Report über den Zustand der Naturerbestätte als „stark besorgniserregend“ ein.

Besucher können beim Schutz des Sees und seiner großen landschaftlichen Vielfalt – darunter Tundra, Steppe, borealer Nadelwald und unberührte Strände – mithelfen, indem sie als Freiwillige beim Great Baikal Trail (GBT) aktiv werden. Die gemeinnützige Umweltorganisation legt einen Wanderweg rund um den See an. „Die freiwillige Mitarbeit schützt die Natur des Baikalsees, indem sie eine ökotouristische Infrastruktur schafft“, sagt Elena Chubakova, Präsidentin der Great Baikal Trail Association.

Eine Wanderung auf dem GBT ist außerdem eine umweltfreundliche Art und Weise, einige der 1200 Pflanzen- und Tierarten des Baikalsees zu entdecken, die es nirgendwo sonst auf der Erde gibt. Eine davon ist die Baikalrobbe, die einzige ausschließlich im Süßwasser lebende Robbenart der Welt. (Victoria Meleshko, Redakteurin, NGT Russland)

Links: Oben:

Die Küste des australischen Bundesstaats Victoria ist von Traumstränden gesäumt. 

Rechts: Unten:

Den Otway National Park erkundet man am besten zu Fuß.

bilder von Alamy, Getty, AWL Images

Victoria, Australien

Die typisch australische Tierwelt auf der Great Ocean Road

Langsam kehrt das Leben nach Australien zurück, nachdem über 18,6 Millionen Hektar Land, über eine Milliarde Tiere und mehr als 30 Menschen den Waldbränden von 2019/2020 zum Opfer fielen. Wildlife Wonders ist ein neues Naturschutzgebiet in der Region Otways im Bundesstaat Victoria und spielt seine ganz eigene Rolle in der Wiederaufarbeitung des Geländes. Das Reservat liegt etwas versteckt inmitten von üppigen Urwäldern und Wasserfällen an der Great Ocean Road. Gegründet wurde es vom Landschaftsgestalter Brian Massey, zu dessen Projekten auch Hobbiton in Neuseeland gehört. Zusammen mit Botanikern, Wissenschaftlern, Zoologen und Umweltexperten hat er einen Holzpfad angelegt, der sich durch das Reservat windet und dabei nahtlos in die Landschaft schmiegt.

Auf 75-minütigen Führungen durch das Waldareal wandern die Besucher durch dichte Eukalyptushaine und können die Koalas, Wallabies und Nasenbeutler bewundern, die heute im Schutzgebiet leben. An der Forschungsbasis erfahren die Gäste, wie genau die Anlage einheimische Tierarten wie den Langnasen-Potoroo schützt, der in der freien Wildbahn oft von invasiven Raubtieren wie Füchsen und Katzen gejagt wird.

Wildlife Wonders leitet seine gesamten Gewinne an das Conservation Ecology Centre weiter, das verschiedene wichtige Projekt in den Otways finanziert. Eins davon untersucht die Bewegungen der Potoroos vor, während und nach kontrollierten Waldbränden. (Connor McGovern, Redaktionsleiter, NGT Großbritannien)

Nachhaltigkeit

Links: Oben:

Der Chimanimani Nationalpark.

Rechts: Unten:

Hier lässt sich die Natur zu Fuß oder vom Auto aus erkunden.

bilder von Alamy, Getty, AWL Images

Chimanimani-Nationalpark, Mosambik

Naturschutz in einem artenreichen Wunderland

„Chimanimani ist ein zeitloser Ort, wo die Regenmacher noch auf die Gipfel steigen, um das Wasser vom Himmel zu beschwören“, meint Jen Guyton, National Geographic Explorer und Fotojournalistin, über einen der neuesten Nationalparks Mosambiks. Der im Oktober 2020 gegründete Chimanimani-Nationalpark liegt an der bergigen Grenze zu Simbabwe und umfasst den Monte Binga, mit 2436 Metern der höchste Berg des Landes. Einst wimmelte es hier nur so vor Elefanten, Löwen und anderen Großtierarten. Deren Abbilder sind in den antiken Felsmalereien des Ureinwohnervolks der San zu sehen.

Während der jahrzehntelangen zivilen Unruhen in der Region wurde der Wildtierbestand durch Wilderei stark dezimiert. Neben ein paar Elefanten gibt es in Chimanimani heute allerdings mindestens 42 Säugetierarten und eine überwältigend vielfältige Pflanzen- und Vogelwelt. In den letzten zwei Erfassungen des Artenreichtums, die Guyton fotografisch dokumentiert hat, wurden neben 475 Pflanzen- und 260 Vogelarten auch 67 Spezies von Amphibien und Reptilien gezählt. Unter ihnen befanden sich ein Frosch und eine Eidechse, die als wissenschaftliche Neuentdeckungen gelten.

Nachhaltige touristische Aktivitäten wie die Vogelbeobachtung, Wanderungen zu Wasserfällen im Wald und Übernachtungen im Ndzou Camp, einer kleinen gemeindeeigenen Ökolodge, geben Besuchern hautnahe Einblicke in eine faszinierende Naturwelt. Guyton liebt vor allem den Sonnenuntergang: „Da es weit und breit keine Straßen gibt, hört man nur das Zwitschern der Vögel und erlebt in diesem warmen Abendlicht Momente fast transzendentalen Friedens.“

Sonnenaufgang über der Columbia River Gorge, an den Hängen wachsen Lupinen und Balsamwurzeln.

Foto von Alamy, Getty, AWL Images

Columbia River Gorge, Oregon/Washington, USA
Die größte National Scenic Area der USA

Die weitläufigste der National Scenic Areas (landschaftlich besonders reizvolle Gegenden) der USA liegt dort, wo man sie wahrscheinlich kaum vermutet: Sie erstreckt sich beiderseits der Grenze zwischen den Bundesstaaten Oregon und Washington und umschließt 118 573 Hektar öffentliches und privates Land an der Columbia River Gorge.

Dank seiner Nähe zum Mount Hood zieht der Landstrich jährlich über zwei Millionen Besucher an. Um die Auswirkungen des Massentourismus auf die Natur und Kultur der Region zu begrenzen, hat ein gemeinnütziges Bündnis eine kollaborative Bewegung ins Leben gerufen, die sich zu einem Best-Practice-Modell für den Aufbau einer nachhaltigen Tourismuswirtschaft entwickelt hat. 

Zu den Initiativen der Columbia Gorge Tourism Alliance gehören unter anderem das Informationsprogramm „Ready, Set, Gorge“ sowie der East Gorge Food Trail, ein Netzwerk aus Bauernhöfen, historischen Hotels, Weingütern und anderen Unternehmen mit Produkten aus eigener Herstellung. Wenn sich regionale Organisationen zusammenschließen und ihren Gästen Wissen vermitteln, dann kommt das allen zugute, meint Ali McLaughlin. Als Inhaberin von MountNbarreL bietet sie Radtouren mit Weinproben und andere autofreie Erlebnisse an. „Die Anwohner beruhigt es ungemein, wenn sich die Touristen respektvoll gegenüber der Gegend verhalten, die sie besuchen“, fügt sie hinzu.

Die Zeche Zollverein in Essen wird auch Eiffelturm des Ruhrgebiets genannt.

Foto von Alamy, Getty, AWL Images

Ruhrtal, Deutschland

Kunst und Natur einer ehemaligen Industrieregion

Der Bergbau und die Stahlproduktion dominierten einst das dicht besiedelte Ruhrtal in Nordrhein-Westfalen. Heute bekommen ehemalige Abraumhalden und postapokalyptisch anmutende Industriezonen als Parks und kulturelle Freiluftstätten eine zweite Chance. Die wohl bekannteste von ihnen ist die Zeche Zollverein, die zum Welterbe der Unesco gehört und ein Freibad, eine Schlittschuhbahn sowie Wanderwege beherbergt. „Besucher des Ruhrgebiets sind meist von dem vielen Grün hier beeindruckt“, sagt Karola Geiss-Netthöfel, Direktorin des Regionalverbandes Ruhr.

Die Zeche Zollverein ist Teil des größeren Emscher Landschaftsparks, eines Ost-West-Grünzugs mit einer Fläche von 450 Quadratkilometern. Von Essen aus kann man mit dem Leihrad zu einer autofreien Erkundungstour durch das Ruhrtal aufbrechen, die größtenteils auf ehemaligen Bahnstrecken entlangführt. Wer lieber zu Fuß unterwegs ist, wandert auf dem 155 Kilometer langen Hohe Mark Steig, der 2021 eröffnet wurde. „Der Weg kombiniert Natur und Industriekultur auf einzigartige Weise und passiert verschiedene Industriebauten“, erklärt Geiss-Netthöfel. Ein tolles Ausflugsziel in der Nähe ist die Halde Hoheward (151 Meter), eine Bergehalde aus über 180 Millionen Tonnen Bergbauabfall mit einer riesigen Sonnenuhr. (Franziska Haack, Redakteurin, NGT Deutschland)

In der Sacha Lodge im ecuadorianischen Yasuni Nationalpark führt eine Hängebrücke in 36 Metern Höhe über die Gipfel des Regenwalds.

Foto von Alamy, Getty, AWL Images

Yasuní-Nationalpark, Ecuador

Ein bedrohtes Naturparadies 

In Anerkennung der globalen Bedeutung des Amazonasgebiets führt Frankreich den Kampf gegen die Abholzung im Yasuní-Nationalpark im Osten Ecuadors an. Der fast 10 227 Quadratkilometer große Park, in dem Mahagonibäume, süße guabas, Anthurien (Flamingoblumen), Palmen und hypnotisierend grüne Farne zu Hause sind, ist seit 1989 Biosphärenreservat der Unesco und die erste von fünf Pilotstätten des von Frankreich finanzierten TerrAmaz-Programms. Die Ende 2020 begonnene Initiative mit einer Laufzeit von vier Jahren unterstützt die nachhaltige Entwicklung und schützt die biologische Vielfalt im Amazonas-Regenwald von Brasilien, Kolumbien, Ecuador und Peru.

Yasuní gilt als einer der artenreichsten Orte der Welt und bietet einer atemberaubenden Bandbreite von Tierarten Schutz, darunter Ameisenbären, Capybaras, Faultiere, Klammeraffen und rund 600 farbenfrohe Vogelarten. Zusammen erfüllen sie die Ökoregion an den Flüssen Napo und Curaray mit Leben. Im Wasser selbst lassen sich Amazonasdelfine beobachten, eine rätselhafte und bedrohte Säugetierart.

Yasuní ist auch Zufluchtsort für die zu den Waorani gehörenden indigenen Volksgruppen der Tagaeri und Taromenane, die in freiwilliger Abgeschiedenheit leben und sich mithilfe selbstgebauter Kanus fortbewegen. Touristikunternehmen wie das Napo Wildlife Center bieten Exkursionen und Übernachtungen an, die auf einem nachhaltigen Ökotourismusmodell basieren und den ansässigen indigenen Gruppen zugutekommen. (Karen Alfaro, Koordinationsredakteurin, NGT Lateinamerika)

Die Alexander-Newski-Kathedrale im neo-byzantinischen Stil ist eines der prägnantesten Gebäude von Łódź.

Foto von Alamy, Getty, AWL Images

Łódź, Polen

Eine Industriestadt als Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit

Łódź, eine Stadt mit fast 700 000 Einwohnern in Zentralpolen, wurde 2017 wegen ihrer reichen Filmgeschichte zur Unesco-Filmstadt ernannt. Das „polnische Hollywood“ ist derzeit im Wandel begriffen: Während es im 19. und 20. Jahrhundert hauptsächlich für seine blühende Textilproduktion bekannt war, bemüht man sich heute um eine grünere Zukunft weit weg von der industriellen Vergangenheit.

Łódź (sprich: „Wudsch“) ist inzwischen zu einem Spitzenreiter in Sachen nachhaltige Lebensweise geworden und orientiert sich an innovativen ökologischen Lösungen, wie zum Beispiel der Verwendung von Ersatzbrennstoffen und Biomasse zu Heizzwecken. 2021 richtete die Stadt in Zusammenarbeit mit dem auf E-Commerce spezialisierten Postdienstleister InPost 70 Standorte für Paketschließfächer sowie Ladestationen für E-Autos ein, wodurch der CO2-Ausstoß und Verkehr im Zentrum bedeutend reduziert werden konnten.

Fast ein Drittel des Stadtgebietes von Łódź besteht aus Grünflächen, von kleinen Parks bis zum 1205 Hektar großen Łagiewnicki-Wald. In den alten Industriebezirken werden Fabriken als Parks, Kulturzentren, Wohnanlagen und Einkaufsmöglichkeiten wiedergeboren. Der trendigste Ort auf der kulturellen Landkarte ist momentan OFF Piotrkowska, ein quirliges Kunst-, Design-, Restaurant- und Ausgehviertel in einer alten Baumwollspinnerei. Eine andere Großfabrik, die Baumwollmanufaktur von I. K. Poznański (die 1913 ganze 7000 Arbeiter beschäftigte), heißt heute schlicht und einfach Manufaktura und beherbergt in ihren 13 historischen Backsteinbauten unter anderem ein Kulturzentrum, eine Einkaufspassage und einen Freizeitkomplex. Das hauseigene Muzeum Fabryki erläutert die Geschichte des Baumwollimperiums der Familie Poznański und erzählt vom Leben ihrer Arbeiter. (Martyna Szczepanik, redaktionelle Koordinatorin, NGT Polen)

Dieser Artikel erschien auch in der Januar 2022-Ausgabe des deutschen NATIONAL GEOGRAPHIC TRAVELER. Verpassen Sie keine Ausgabe mehr: Sichern Sie sich die nächsten 2 Ausgaben zum Sonderpreis!

Wei­ter­le­sen

Mehr zum Thema

Reise und Abenteuer
10 unvergessliche Erlebnisse in Nova Scotia
Reise und Abenteuer
10 unvergessliche Erlebnisse im Norden von Ontario
Reise und Abenteuer
7 fantastische Naturwunder Afrikas
Reise und Abenteuer
Arabische Doppelwelten: die innere Leere des extremen Konsums
Reise und Abenteuer
Kansai: Spiritueller Reichtum, wilde Küsten, historische Schätze

Nat Geo Entdecken

  • Tiere
  • Umwelt
  • Geschichte und Kultur
  • Wissenschaft
  • Reise und Abenteuer
  • Fotografie
  • Video

Über uns

Abonnement

  • Magazin-Abo
  • TV-Abo
  • Bücher
  • Newsletter
  • Disney+

Folgen Sie uns

Copyright © 1996-2015 National Geographic Society. Copyright © 2015-2021 National Geographic Partners, LLC. All rights reserved