Brasilien anders erleben: Die magische Schönheit Tocantins

Rot glühende Sanddünen, bizarre Felsformationen und Tümpel mit magischen Kräften: Wer im Bundesstaat Tocantins unterwegs ist, findet geheimnisvolle Naturphänomene und spektakuläre Landschaften.

Von Gebina Doenecke
Veröffentlicht am 1. Dez. 2023, 11:29 MEZ
Aussicht auf die Straße und die Berge in der Landschaft von Jalapão im Bundesstaat Tocantins

Aussicht auf die Straße und die Berge in der Landschaft von Jalapão im Bundesstaat Tocantins

Foto von Niar Krad / Shutterstock.com

Eine herrliche Idee: bei 30 Grad Hitze kurz unter Palmen schwimmen und sich endlich eine Abkühlung gönnen. Doch wer dieses Gewässer betritt, hat sofort ein merkwürdiges Gefühl: Der glitschige, graue Sand auf dem Boden scheint die Füße auf magische Weise einzusaugen, etwas bewegt sich da unten. „Hilfe, was ist das denn?“, ruft der Mitreisende, der eigentlich ein sehr erfahrener Travel-Experte ist und den auf dieser Expedition bisher nichts aus der Ruhe bringen konnte, erschrocken. Er breitet schnell seine Arme aus, um das Gleichgewicht nicht ganz zu verlieren. Wer das erste Mal ein sogenanntes fervedouro aufsucht und die unterirdischen Bewegungen des Bodens noch nicht kennt, muss aufpassen: Sonst landet er schnell mit dem Kopf unter Wasser.

Doch in dieser „Fervedouro das Macaúbas“ kann man nicht ertrinken, die Quellen drücken Besucher immer wieder nach oben. Ein verliebtes Pärchen spielt mit dem Effekt: Immer wieder schiebt der junge, muskulöse Mann seine Freundin nach unten, sie verschwindet in dem undurchsichtigen, sandigen Wasser, um dann wenige Sekunden später wieder prustend und lachend aufzutauchen. Jüngster Bundesstaat Tocantins, der jüngste Bundesstaat Brasiliens, wurde erst 1988 nach Abspaltung von der südlich gelegenen Provinz Goiás gegründet. Die Region, in die bisher fast nur Besucher aus Südamerika kamen, will künftig auch mehr internationale Touristen anlocken. Die Voraussetzungen dafür sind ideal, denn die Provinz verfügt über eine abwechslungsreiche, faszinierende Landschaft: So gibt es hier – neben wundersamen Wasserlöchern – gewaltige Riesenfelsen, die eindrucksvoll im roten Abendlicht glühen und dem berühmten Uluru/Ayers Rock in Australien in nichts nachstehen.

​Tropische Oasen und exotische Vögel: Die einzigartige Tierwelt von Tocantins

Dann lassen hohe Dünen aus orangefarbenem Sand einen glauben, man sei plötzlich in der afrikanischen Wüste gelandet; kurz danach steht man schon wieder unter rauschenden Wasserfällen und wähnt sich in den Alpen. Hier gibt es Gebiete mit tropischer Vegetation, die den klassischen Regenwäldern gleichen: Das Amazonasgebiet liegt aber sehr weit von Tocantins entfernt im Norden und Westen Brasiliens. Von Palmas, der Provinzhauptstadt, sind es allein nach Manaus 1500 Kilometer Luftlinie in nordwestlicher Richtung; Brasília, die Hauptstadt des riesigen Nationalstaats, liegt von Palmas mehr als 600 Kilometer weiter südlich entfernt.

Mitunter glaubt man zu träumen, so ungewohnt erscheint die Landschaft in Tocantins. Auch die Tierwelt ist beeindruckend, vor allem die vielen knallbunten Vögel faszinieren: Kleine Blaukopfsittiche mit grün schimmerndem Gefieder und blauen Köpfen stürzen sich von hohen Felsen und schwirren einem schimpfend um die Ohren; der große Gelbbrustara, eine andere Papageienart mit türkisblauem und goldgelbem Gefieder, wurde 2012 sogar zum offiziellen „Natursymbol“ Tocantins gekürt – die Region wird in jüngster Zeit immer öfter auch von Reisenden besucht, die sich dem „Birdwatching“, also dem Beobachten von Vögeln, verschrieben haben.

Der Nandu, mit 150 Zentimeter Höhe der größte Vogel Brasiliens, kann zwar nicht fliegen, flitzt hier aber mit mehr als 40 Kilometern pro Stunde über das Land. Unsere Reise beginnt in Palmas: Die Hauptstadt, die erst nach der Gründung von Tocantins zum Verwaltungszentrum der neuen Provinz wurde, war vor drei Jahrzehnten noch ein Städtchen mit knapp 30000 Einwohnern. Heute wächst Palmas rasant: Nach jüngsten Zählungen leben derzeit schon mehr als 300000 Menschen hier. Viele Neuankömmlinge stammen aus dem Umland, doch etliche Menschen ziehen auch aus Großstädten wie São Paulo hierher, um in der aufstrebenden Stadt ihr Glück zu machen.

Städtische Landschaft von Palmas, Hauptstadt des Staates Tocantins, Brasilien.

Foto von Renato Almeida / Shutterstock.com

​Palmas: Aufstrebendes Handelszentrum

Mit der Ernennung zur Hauptstadt 1990 wurden in Palmas viele Behörden angesiedelt, außerdem liegt die Stadt strategisch günstig im Herzen des Bundesstaates. Tocantins befindet sich wiederum in der Mitte Brasiliens – und so wird Palmas immer mehr zum Umschlagplatz für Waren aller Art. Überall wird gebaut, breite Autostraßen durchziehen die Stadt mit Hochhäusern und Shoppingmalls. Stolz ist man in Palmas, das am Rio Tocantins liegt, auf den großen Stausee. Der künstlich angelegte Strand Praia da Graciosa mit hübschen Bars und Restaurants ist beliebt, zu sehen sind hier prächtige, goldrote Sonnenuntergänge.

Es gibt ein kleines historisches Museum, den Palacinho, und immerhin einen monumentalen Gedenkbau aus weißem Beton des berühmten brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer. Und doch empfiehlt es sich, höchstens eine Übernachtung in Palmas einzuplanen – die Wunder von Tocantins liegen jenseits der lauten Stadt. Auf keinen Fall sollte man allerdings versuchen, das Umland auf eigene Faust zu erkunden. In den Naturparks gibt es selten Handyempfang; die unbefestigten Straßen sind tückisch. Es ist daher sinnvoll, eine Tour bei einem guten Expeditionsunternehmen zu buchen.

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Foto von National Geographic

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