Faszinierende Einblicke in den einzigartigen Mikrokosmos der Galapagos-Inseln

Galapagos ist ein weltweit einzigartiger Mikrokosmos. Der Vulkanarchipel mitten im Pazifischen Ozean fasziniert durch seine ungebändigte Natur und zauberhafte Tierwelt.

Von Simone Einzmann
Veröffentlicht am 16. Jan. 2024, 12:29 MEZ
Seelöwe auf der Galapagos-Insel San Cristóbal

Galapagos ist ein weltweit einzigartiger Mikrokosmos. Der Vulkanarchipel mitten im Pazifischen Ozean fasziniert durch seine ungebändigte Natur und zauberhafte Tierwelt.

Foto von Diego Delso

Kaum ein Reiseziel ist im kollektiven Bewusstsein mit so vielen Emotionen aufgeladen wie Galapagos: eine exklusive Garten-Eden, wo einem exotische Früchte geradezu in den Mund fallen und seltene Tiere um die Füße streifen. So zumindest unsere geheime Hoffnung. Aber schon kurz nach der Landung auf dem winzigen Flughafen Baltra beschleicht uns die vage Ahnung, dass wir womöglich am trostlosesten Ort gestrandet sind, den die Tropen zu bieten haben: dürre Dornenbüsche, staubige Einöde, flirrende Hitze.

​Willkommensgruß des Leguan

Plötzlich schälen sich aus dem verwaschenen Grau und Ocker des trockenen Bodens bernsteinfarbene Augen, stellen sich Nackenstacheln auf. Ein großes rosa Maul begrüßt die Neuankömmlinge mit einem lang gezogenen Gähnen. Tatsächlich, direkt neben der Flughafenhalle liegt ein meterlanger Landleguan mit einer lässigen Selbstverständlichkeit bequem im Staub, als wäre er eine Taube am Hauptbahnhof. Das Paradies hat uns willkommen geheißen. In den sanften Wellen des Hafens wartet schon unser Kreuzfahrtschiff, die MS Santa Cruz II. Sie wird uns sechs Tage lang 380 Seemeilen sicher durch den Pazifik tragen und jeden Tag in einer neuen Welt aussetzen. Von den rund 130 Inseln, die der legendäre Vulkanarchipel tausend Kilometer vor der Küste Ecuadors zu bieten hat, werden wir acht erkunden.

Kaum sind die luxuriösen Kabinen bewundert, das kleine Schokolädchen vom sorgfältig gebauschten Kissen vernascht, wartet der erste Landausflug. Mit einem sanften Plopp setzt unser Schlauchboot auf dem rauen weißen Sand des Inselchens Mosquera auf. Gerade einmal zwei Kilometer lang ist dieses Fleckchen Erde mitten im pazifischen Ozean, umtost von Wellen, gepeitscht von Wind. In der Entfernung ragen die hohen schwarzen Felsen der Nachbarinsel Santiago in den Himmel, die die Erde wie alle Inseln hier vor teils Millionen Jahren als rote Lava aus dem kochenden, tobenden Meer gepresst hat.

„Zusammenbleiben, nichts anfassen, nichts mitnehmen, zu Tieren zwei Meter Abstand halten“, ruft unser Guide Gabriel noch, während seine Augen angestrengt zwischen seinen Schützlingen hin- und herspringen. Doch die sind längst runter vom Boot und hinterlassen schon euphorisch ihre Fußabdrücke im jungfräulichen Sand. Duzende fellige Seelöwen liegen wie lebende Steine am Strand, rollen sich nur ab und an im weichen Licht der untergehenden Sonne. Auf den schwarzen Lavafelsen patrouillieren feuerrote Klippenkrabben, und Meerechsen recken ihre gepanzerten Drachenköpfe dem Himmel zu. Wir fühlen uns wie Entdecker, Eroberer – in dieser Welt ohne Zeit.

Tierbeobachtungen auf Galapagos: Wer beobachtet hier wen?

An den Nachmittagen legen wir, mit jedem Tag immer eingespielter, unsere Schnorchelausrüstung an: Neoprenanzug, Flossen, Maske – check. Vom Boot lassen wir uns aus dem grellen Sonnenlicht in das kühle, düstere Unterwasserreich gleiten. Die geschäftigen Geräusche der Außenwelt sind jetzt verstummt, und wir hören nur mehr unseren langsamen, ruhigen Atem. Um uns tummeln sich neugierig Gelbschwanz-Doktorfische, und ein Schwarm glitzernder Goldstriemen explodiert aus einem unterirdischen Lavatunnel. An den Steilhängen, die 20 Meter in die finstere Tiefe verschwinden, hangeln sich wie kleine Fabelwesen Meerechsen entlang, während sie sorgsam Algen von den Steinen knabbern. Dann schwebt unter uns, einem kleinen, wabernden Raumschiff gleich, ein Rochen mit wellenartigen Bewegungen über den Meeresgrund… und ist schon wieder verschwunden.

Die Seelöwen, die bislang meist träge am Strand gedöst haben, lassen sich die ungelenk paddelnden Zweibeiner nicht entgehen. Wie kleine Torpedos schießen sie durchs Wasser und drehen Pirouetten um uns, nur um kurz darauf fast regungslos wenige Zentimeter vor uns zu verharren. Mit ihren großen, runden, dunklen Augen studieren sie uns aufmerksam und blasen uns dabei immer wieder auffordernd Luftblasen ins Gesicht. Natürlich blubbern wir höflich zurück. Nicht selten werden wir uns in der kommenden Woche fragen, wer der Beobachter ist und wer der Beobachtete. Die Tiere auf Galapagos begegnen uns ausnahmslos angstfrei, und Gabriel täte gut daran, eher sie als uns zu ermahnen, Abstand zu halten. Auf der Insel San Christóbal etwa entscheidet sich ein Blaufußtölpelweibchen, sein Nest direkt auf dem Fußpfad zu errichten. Und lüpft, als sich zehn Kameras darauf richten, sogar einen seiner strahlend blauen Füße, damit sich der flauschige Kükenball darunter hervordrücken und neugierig in die Objektive blinzeln kann. Für die Tiere hier sind wir höchstens seltsame Raritäten, keinesfalls Jäger oder gar Kreaturen, die sich an der Spitze der Schöpfung glauben.

Der NATIONAL GEOGRAPHIC Traveler 1/24 erschien am 13. Dezember 2023.

Foto von National Geographic

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