Reise und Abenteuer

Shangri-La - Ein Ort der Sehnsucht

In seinem Bestseller „Der verlorene Horizont“ beschreibt James Hilton eine mystische Welt irgendwo in Tibet: Shangri-La. Seit China eine entlegene Gegend in der Provinz Yunnan so genannt hat, um Touristen anzulocken, existiert dieses Paradies nicht mehr.

Von Debbie Pappyn, Ines Bellinger
Shangri-La - Ein Ort der Sehnsucht

Bild: Den Wolken ganz nah: die Songtsam Meili Lodge. Die einsame Bleibe bietet einen atemraubenden Blick auf die Meili-Schneeberge.

Buddhistische Klöster inmitten schneebedeckter Berge, mächtige Flüsse, die sich ihren Weg durch spektakuläre Schluchten suchen, dichte Urwälder und glitzernde alpine Seen. Eine Landschaft von solch hinreißender Schönheit muss James Hilton vor Augen gehabt haben, als er Shangri-La schuf.

In seinem 1933 erschienenen Roman „Der verlorene Horizont“ erzählt der britische Schriftsteller die fiktive Geschichte von vier Menschen, die nach einer Notlandung im tibetischen Bergland in der Abgeschiedenheit des Lamaklosters Shangri-La auf Sinnsuche gehen. Hilton ließ sich dabei auch von Berichten des Botanikers Joseph Rock inspirieren. Der aus Wien stammende Abenteurer schrieb zwischen 1922 und 1935 in NATIONAL GEOGRAPHIC über seine Reisen in der abgelegenen tibetischen Region Yunnan.

Fast 70 Jahre inspirierte Hiltons Sehnsuchtsort mit dem sagenumwobenen Namen die Menschen in der westlichen Welt. Der Mythos endete im Jahr 2001, als die chinesische Führung den Kreis Zhongdian in der Autonomen Tibetischen Präfektur Dêqên in Shangri-La umbenannte, um den Tourismus anzukurbeln.

Mit einem Marketing-Coup endete der Mythos von Shangri-La

Heute ist der einst verlassene Landstrich im Südwesten Chinas eines der beliebtesten Reiseziele im Reich der Mitte. Das neue Shangri-La liegt in gut 3000 Meter Höhe an der historischen Tee-Pferde-Handelsroute, die Yunnan mit Tibet und Indien verbindet. Eine der Hauptattraktionen ist das Kloster Ganden Songtsenling. Es wurde 1674 auf Geheiß des fünften Dalai Lama erbaut und seinem Regierungssitz, dem Potala- Palast in Lhasa, nachempfunden. Für 700 tibetische Mönche und Lamas ist Ganden Songtsenling noch immer das spirituelle Zentrum.

Shangri-La ist auch das Eingangstor zum Unesco-Welterbe „Drei Parallelflüsse Yunnans“. Die drei großen Ströme Asiens – Jangtse, Mekong und Saluen – fließen hier zwischen hohen Bergketten nahezu in gleicher Richtung. Der Nationalpark gilt als „Schatzhaus der Flora und Fauna“, und er ist einer der Orte, an denen man noch klare Luft atmen kann. Doch von Jahr zu Jahr steigt die Besucherzahl, und die Trennlinie zwischen traditioneller tibetischer Lebensweise und purem Kommerz verwischt immer mehr.

LAGE

China, Provinz Yunnan, Autonome Tibetische Präfektur Dêqên

FLUGHAFEN

Dêqên Shangri-La Airport

HOTELS

Songtsam Lodges: fünf Häuser in und um Shangri-La mit neun bis 17 Zimmern. www.songtsam.com

Huahuasei-Lodge: im Norden Yunnans,
3,5 Stunden Autofahrt von der Stadt Lijiang entfernt; grandioser Ausblick auf den Jangtse. www.huahuasei.com

ATTRAKTIONEN

Die Meili-Schneeberge im Norden von Dêqên. Der Hauptgipfel Khawa Karpo (6740 m) gehört zu den heiligen Bergen der Tibeter und ist noch unbestiegen.

Die weißen Kalkstein-Terrassen von Baishui, über die Quellwasser zu Tal fließt.

Das Tacheng-Naturreservat, in dem Schwarze Stumpfnasen, eine seltene Affenart, leben.

(NG, Heft 10 / 2014, Seite(n) 158 bis 161)

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