Diese Spinnen haben den schnellen Dreh beim Jagen raus

Eine wissenschaftliche Arbeit über die Jagdtechnik der Selenopidae-Spinnen könnte zukünftig für die Entwicklung vielbeiniger Roboter genutzt werden. Freitag, 6. April 2018

Video zeigt Angriff von Selenopidae-Spinnen
Video zeigt Angriff von Selenopidae-Spinnen

Einmal blinzeln und schon hat man es verpasst.

Die Spinnen aus der Familie der Selenopidae sind die sich am schnellsten drehenden Landtiere der Welt. Vor dem bloßen Auge verschwimmen ihre rasanten Bewegungen, doch die kleinen Krabbler können es in Sachen Geschwindigkeit mit Luftakrobaten wie Kolibris und Fruchtfliegen aufnehmen.

Jetzt nehmen Wissenschaftler der California Academy of Sciences und der University of California, Merced diese schnellen Spinnen genauer unter die Lupe. Durch den Einsatz von Zeitlupenkameras konnten sie dokumentieren, wie diese Tiere es schaffen, sich so rasant auf ihre Beute zu stürzen. Sie publizierten ihre Forschungsergebnisse am 12. Februar im „Journal of Experimental Biology", und diese Arbeit könnte sogar Erkenntnisse für zukünftiges Roboterdesign liefern.

Flinke Forschung

Die kleinen Tiere sind im Allgemeinen eher für ihre Fähigkeit bekannt, Seide zu spinnen. Doch nur etwa die Hälfte aller Spinnen nutzt Netze, um ihre Beute zu fangen. Die andere Hälfte lauert im Verborgenen und greift aus dem Hinterhalt an. Einige von ihnen – wie die Selenopidae-Spinnen – warten geduldig und schlagen dann blitzschnell zu.

Selenopidae-Spinnen besitzen acht Beine, die eine seitliche Vorwärtsbewegung ermöglichen. Sie sitzen in verschiedenen Winkel am Körper, um die kompletten 360 Grad um sie herum abzudecken. Die sprungbereite Haltung erlaubt es den Spinnen, sich so schnell zu drehen.

Sarah Crews, die im Anschluss an ihre Promotion an der California Academy of Sciences forscht, begann mit der Studie, indem sie Selenopidae-Spinnen aus Bäumen und von felsigem Untergrund absammelte. Die nachtaktiven Spinnen sind mit ihren 257 Unterarten weit verbreitet. Sie leben gut getarnt in Felsspalten und -ritzen überall in Nord- und Südamerika, Afrika, Asien und Australien.

Als nächstes bauten die Wissenschaftler zwei synchronisierte Hochgeschwindigkeitskameras über und neben den gefangenen Spinnen auf. Dann setzten sie den Tieren jeweils eine Grille vor und dokumentierten, wie die Spinne ihre Beute schnell attackierte. Eine Selenopidae-Spinne besitzt acht Augen – eine Reihe von sechs Augen mittig am vorderen Rand ihres Panzers und zwei große Augen weiter hinten –, ob sie diese jedoch tatsächlich zum Sehen nutzt, ist bislang unklar. Wahrscheinlicher ist, dass die Spinnen ihre Beute durch Störungen im Luftfluss wahrnehmen.

Die Wissenschaftler konnten beobachten, dass Selenopidae-Spinnen das Bein, das dem Beutetier am nächsten ist, fest in den Untergrund stemmen. Das verschafft der Spinne einen Ansatz- und Drehpunkt. Dann schwingt sich die Spinne mit einer Pirouette auf ihre Mahlzeit zu und stürzt sich mit den Kieferklauen voran auf ihr Ziel. Gleichzeitig zieht die Spinne die verbleibenden Gliedmaßen an ihren Körper heran. Das erlaubt dem Tier, sich 40 Prozent schneller zu drehen als mit ausgestreckten Beinen. Die Bewegung ähnelt der eines Eisläufers, der sich schneller dreht, wenn er seine Arme einzieht.

Diese rasante Jagdtechnik hat sich laut der Forscher über einen langen Zeitraum hinweg entwickelt.

Selenopidae-Spinnen sind in diesem evolutionären Wettrüsten zwischen Jäger und Beute immer einen Schritt voraus“, sagte Crews in einer Pressemitteilung. „Wenn die Beute sich weiter entfernt befindet, bewegen sich die Spinnen sowohl linear wie auch in der Rotation schneller voran – es gibt absolut kein Entkommen.“

Rotierende Räuber

Selenopidae-Spinnen können sich mit einer Geschwindigkeit von bis zu 3.000 Grad pro Sekunde drehen. Das bedeutet, dass sie sich innerhalb eines Wimpernschlags dreimal um sich selbst drehen können.

Die Wissenschaftler sind der Meinung, dass die Erkenntnisse über Jagdtechnik der Selenopidae-Spinnen auch praktische Anwendung finden können. Zum Beispiel wären sie vielleicht eine Hilfe bei der Entwicklung von vielbeinigen Robotern, um den Maschinen mehr Bewegungsspielraum zu verschaffen.

Es existiert bereits ein nach entsprechendem Vorbild gestaltetes Modell. Dieses hat eine im 3D-Druck-Verfahren hergestellte Hülle und acht spinnenartige Beine mit individuellen Motoren, die der Maschine zur Fortbewegung dienen. Mit der neuen Studie könnten zukünftige Projekte ähnlichen Geräten die Möglichkeit geben, sich zu drehen und schnell die Richtung zu ändern.

„Durch bloßes Beobachten dieser Spinnen und ihrer Entwicklungsgeschichte waren wir in der Lage, neue Erkenntnisse in den verschiedensten Disziplinen zu gewinnen“, fügt Crews hinzu. „Man weiß nie, wohin einen die Wissenschaft als nächstes führt.“

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