Totenkopfschwärmer: Falter mit innerem Kompass

Falter mit Funksender: Forschende beobachteten die bis zu 80 Kilometer langen Flugstrecken von Totenkopfschwärmern – und konnten erstmals nachvollziehen, wie genau Fluginsekten auf ihren Reisen navigieren.

Von Lisa Lamm
Veröffentlicht am 12. Aug. 2022, 09:03 MESZ
Ein Totenkopfschwärmer vor einem dunklen Himmel.

Totenkopfschwärmer sind relativ große, nachtaktive Falter, die auf ihren Wanderungen jährlich bis zu 4000 Kilometer zurücklegen. Wie die Insekten diese Reise navigieren, haben Forschende nun mithilfe keiner Funksender untersucht.

Foto von Holger T.K. / Adobe Stock

Der Totenkopfschwärmer legt bei seinen Wanderungen jährlich etwa 4.000 Kilometer zurück – jedoch nur generationenübergreifend. Das heißt, dass keines der Einzeltiere die gesamte Migrationsstrecke zurücklegt oder gar die gesamte Strecke kennt. Die langen Reisen zwischen Europa und Afrika können die Tiere also nur in gemeinschaftlicher Zusammenarbeit vollbringen.

Auch deshalb ist es schwierig, das Flugverhalten von Faltern – und Fluginsekten im Allgemeinen – genau zu analysieren. Denn im Gegensatz zu anderen migrierenden Tieren wie Zugvögeln oder Fledermäusen kann man ihr Flugverhalten nur schlecht methodisch verfolgen. Doch nun hat ein Forschungsteam unter der Leitung von Myles Menz vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie erstmals Fluginsekten bei längeren Wanderungen begleiten können – mithilfe von winzig kleinen, modernen Funksendern, mit denen einzelne Tiere der Totenkopfschwärmer ausgestattet wurden.

Aufgrund ihrer Größe konnten die Forschenden die Totenkopfschwärmer mit miniaturisierten Funksender ausstatten – und den Weg der Falter so aus dem Flugzeug heraus verfolgen und aufzeichnen.

Foto von MPI f. Verhaltensbiologie / Christian Ziegler

Falter mit Flugsendern

Bei der Beobachtung der Migrationsreisen von Fluginsekten gibt es noch ein weiteres Problem: Die Tiere sind oft zu klein, um sie mit Funksendern auszustatten. Bei der Dokumentation wird deshalb bisher hauptsächlich mit einzelnen Momentaufnahmen gearbeitet. Für ihre Studie fanden die Forschenden des Max-Planck-Instituts, der Universität Konstanz und der Universität Exeter nun aber einen Weg, genaue Funkdaten zu bekommen: Sie statteten einzelne Totenkopfschwärmer mit miniaturisierten Funksendern aus. Diese wiegen nur etwa 0,2 Gramm und sind für die verhältnismäßig großen Falter somit ein leicht tragbares Zusatzgewicht.

Menz, der Erstautor der aktuellen Studie, betont, wie bahnbrechend diese Methode ist: „Insekten sind normalerweise zu zahlreich, um sie zu markieren und wiederzufinden, und zu klein, um Ortungsgeräte zu tragen.“ Mit der neuen Methode konnten die Forschenden nun aber die genaue nächtliche Route von 14 Exemplaren verfolgen, darunter Strecken bis zu 80 Kilometern. Die Forschungsmethode funktioniert also – und könnte bald noch umfassender eingesetzt werden. „Durch den Beweis, dass es technisch möglich ist, einzelne Insekten während ihrer Wanderung durchgängig zu verfolgen und ihr Flugverhalten im Detail zu beobachten, hoffen wir, ähnliche Studien anzuregen, um die vielen weiteren offenen Fragen in diesem Bereich zu beantworten“, sagt Menz.

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Angeborenes Navigationssystem

Die bisherigen Ergebnisse zeigen vor allem eines: Entgegen der gängigen Annahme lassen sich die Falter bei ihren Reisen nicht einfach vom Wind treiben. Denn lange Strecken ihrer nächtlichen Reisen fanden auf einer durchgängig geraden Fluglinie statt. Die Falter navigierten präzise durch verschiedene Windstärken und -richtungen, indem sie beispielsweise höher oder tiefer flogen oder ihre Geschwindigkeit anpassten.

„Wir konnten zeigen, dass Insekten echte Navigationsexperten sein können, die zum Beispiel den Vögeln ebenbürtig sind“, so Menz. Nun hoffen die Forschenden, noch weitere Aspekte der Migration von Fluginsekten erforschen zu können. Denn bisher konnten sie lediglich den Ausgangspunkt der langen Reise der Falter beobachten, von Konstanz bis über die Alpen. Vor allem die Frage, wie die Insekten die Richtung ihrer Zielorte bestimmen, soll im Fokus der Forschung stehen. „Ausgehend von früheren Laborarbeiten besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass die Insekten interne Kompasse verwenden, sowohl visuelle als auch magnetische, um ihre globalen Flugwege festzulegen“, so Menz. Diese Theorie gelte es nun zu überprüfen.

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