Der schwarze Tod grassiert in Madagaskar

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stellt 1,5 Millionen US-Dollar zur Verfügung, um die Pestepidemie in Madagaskar unter Kontrolle zu bringen.Donnerstag, 9. November 2017

Von Juliette Heuzebroc

Die WHO hat im Januar 2017 Alarm geschlagen. Seit den 1950er Jahren war kein Fall von Pesterkrankungen mehr in diesem Gebiet gemeldet worden, doch jetzt wurde eine Epidemie in der Region von Atsinanana im Südwesten der Insel festgestellt. Mehr als 62 Fälle von Pest wurden in weniger als einem Monat dokumentiert, wovon 26 tödlich verliefen. Das Risiko der Ausbreitung über das ganze Land wurde zunächst ausgeschlossen, da die Region vom Rest der Insel isoliert ist, doch seitdem ist die Krankheit auch in anderen Gegenden aufgetaucht.

Der schwarze Tod: von örtlich begrenzt zu seuchenhaft

Ausbrüche von Pest sind auf der kleinen Insel im Indischen Ozean nichts Ungewöhnliches. Seit dem ersten dokumentierten Fall im Jahr 1850 tritt die Pest immer wieder in einzelnen Gebieten Madagaskars auf. Jedes Jahr werden zwischen September und April Fälle der Beulenpest gemeldet.

Klinische Pestinfektionen weisen verschiedene Typen auf, abhängig von der Art der Übertragung und dem Verlauf der Infektion. Am häufigsten treten die Pestsepsis, die Beulenpest und die Lungenpest auf. Erstere, die seltenste Form, wird durch direkten Eintritt des Erregers in die Blutbahn oder Kontamination durch nach innen aufplatzende Pestbeulen ausgelöst.

Die Beulenpest ist die am häufigsten auftretende Form. Sie infiziert mit einer Inkubationszeit von wenigen Stunden bis zu sieben Tagen die Lymphknoten. Für gewöhnlich wird das Bakterium Yersinia pestis durch Bisse eines Insekts oder Nagetiers übertragen. Alternativ kann auch der direkte Kontakt mit kontaminierten Körperflüssigkeiten oder Inhalation des Erregers im Falle einer sich daraus entwickelnden Lungenpest  eine Infektion auslösen. Eine Übertragung der Beulenpest von Mensch zu Mensch ist also nur bedingt möglich.

Der aggressivste Typ der Krankheit ist die Lungenpest und diese grassiert  nun auf Madagaskar. Diese Form kann ein fortgeschrittenes Stadium der Beulenpest sein oder individuell auftreten und greift spezifisch das Lungengewebe an. Die Inkubationszeit liegt hier bei ein bis drei Tagen und die Ausbreitung der Seuche ist in diesem Fall sehr viel wahrscheinlicher, da ein hohes Ansteckungsrisiko zwischen Menschen durch Tröpfcheninfektion besteht.

Heutzutage sind alle Formen der Pest mit Antibiotika behandelbar, sofern diese rechtzeitig zum Einsatz kommen. Die Sterblichkeitsrate schwankt zwischen 30 und 95%, abhängig von der medikamentösen Versorgungslage.

Madagaskar ist eines der letzten Länder, in denen die Pest regelmäßig auftritt (andere Beispiele wären Peru oder die Demokratische Republik Kongo). Der aktuelle Ausbruch begann im August 2016 und wurde zwei Wochen nach dem ersten bestätigten Tod eines Infizierten als Epidemie klassifiziert. Die WHO berichtet von 231 bis dato dokumentierten Fällen, davon 33 mit tödlichem Verlauf.

Hilfe durch Hygiene

Es dauerte eine Weile, bis die Ausbreitung festgestellt wurde, da die betroffene Region auf Madagaskar relativ stark isoliert ist. Eine der Folgen dieser Verzögerung ist die Tatsache, dass einige infizierte Personen reisen konnten, vor allem nach Antananarivo, der Hauptstadt der Insel. Die WHO beurteilt das nationale Verbreitungsrisiko als hoch, in der Küstenregion jedoch nur als mäßig. Die Gefahr einer weltweiten Ausbreitung des Erregers ist nach wie vor gering.

Die WHO und das Gesundheitsministerium von Madagaskar arbeiten im Rahmen einer weltweiten Präventionskampagne an einer generellen Verbesserung der hygienischen Bedingungen. Die Bevölkerung wird über die Notwendigkeit der Vermeidung von Insekten- und Nagetierbissen aufgeklärt. Das medizinische Hilfspersonal wird mit strengen Richtlinien zur Gesundheitsvorsorge geschult.

Im Rahmen dieser Kampagne hat die WHO außerdem 1,2 Millionen Antibiotikadosen nach Madagaskar geschickt, die für 5000 Krankheitsbehandlungen und 100.000 Präventionsmaßnahmen ausreichen. 244.000 neue Dosen werden bereits in den kommenden Tagen auf der Insel erwartet. Um schnell und effektiv handeln zu können, hat die WHO 1,5 Millionen US-Dollar aus ihrem Notfallbudget zur Verfügung gestellt, um Finanzierungsschwierigkeiten zu überbrücken.

Die Pest wird von den meisten Menschen als Krankheit des Mittelalters betrachtet. Den wenigsten ist bewusst, dass sich weltweit 3.248 Menschen in den Jahren 2010 bis 2015 mit der Krankheit infiziert haben und davon 584 starben.

Die WHO kämpft gegen die Ausbreitung der Seuche und hat gerade zu Spenden aufgerufen, um die für die Eindämmung des akuten Ausbruchs benötigten 5,5 Millionen US-Dollar aufzubringen.

 

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