Umwelt

Erste Meereskonferenz der Vereinten Nationen

Durch neue, internationale Bemühungen hofft man, die Flut von illegaler und unterregulierter Fischerei einzudämmen und die Ozeane vor weiteren Gefahren zu schützen. Alle sollen davon profitieren. Mittwoch, 27 Dezember

Von Stephen Leahy

Die Weltnationen haben ein historisches Zwei-Jahres-Projekt ins Leben gerufen, um das erste internationale Abkommen zum Schutz des Lebens in den Ozeanen auf den Weg zu bringen.

Die Hochsee bedeckt fast die Hälfte des Planeten und ist internationales Gewässer, in dem kein Land die Hoheit besitzt. Diese Regionen, die bis zu 11 Kilometern tief sein können, sind voll mit Leben, von wertvollen Fischen bis zu Plankton. Dieses hilft bei der Produktion des Sauerstoffs, den wir atmen und der Regulierung des globalen Klimas.

„Dies ist die einmalige Gelegenheit, eine Richtlinie für die Weltmeere zu etablieren, die Naturschutz und nachhaltige Nutzung an erste Stelle setzt“, sagt Liz Karan, Senior Managerin des Hochseeprogramms bei Pew Charitable Trusts. „Man sagt, dass wir dem Ozean für jeden zweiten Atemzug danken sollten.“

Die Regierungen von Mexiko und Neuseeland koordinierten den Beschluss mit über 140 weiteren Regierungssponsoren. Das Abkommen schickt laut Aussage der High Sea Alliance „eine starke Botschaft zur Unterstützung der Hochsee“.

Nach mehr als zehn Jahren der Debatten und Diskussionen stimmten die Länder der Vereinten Nationen am Sonntag, den 24. Dezember, für die Einberufung einer internationalen Konferenz zu Vertragsverhandlungen.

Während der kommenden zwei Jahre werden die Einzelheiten eines rechtlich bindenden Vertrags und dem Schirm des Seerechtsübereinkommens der Vereinten Nationen verhandelt. Dieses „Pariser Abkommen für den Ozean“ hätte die Befugnis, großflächige Meeresschutzgebiete in Hochseeregionen einzurichten, wie sie Ozeanwissenschaftler schon lange fordern. Eine der Herausforderungen ist der Schutz der Hochsee, ohne bereits existierende Institutionen wie die Internationale Walfangkommission oder die Internationale Meeresbodenbehörde zu untergraben.

Man hofft, einen Vertrag zur Unterschrift bei den Vereinten Nationen Mitte 2020 vorlegen zu können. Alle Staaten arbeiten hart daran, das möglich zu machen, sagt Karan.

Der Fußabdruck der Fischerei

Die Hochsee ist ein Teil der Ozeane außerhalb der ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ), die jeweils 200 Seemeilen um Länder mit Küstenlinie verläuft. Das bedeutet auch, dass die Hochsee in der Regel nur von großen Schiffen befischt wird, oftmals riesige Fangschiffe, die mit Schleppnetzfischerei den Meeresboden zerstören können.

Schiffe von zehn reichen Staaten wie Japan, Korea und Spanien verbuchen 71 Prozent des Hochseefangs für sich. Und sie existieren nur aufgrund von geschätzt 130 Millionen Euro Subventionen aus öffentlicher Hand. Erst das macht das Fischen so weit von ihren Heimatgründen entfernt trotz der Transportkosten lukrativ, sagt Rashid Sumaila, Leiter der Fisheries Economics Research Unit der University of British Columbia.

Der weltweite Fischfang – inklusive der illegalen Fischerei – wurde kürzlich auf etwa 109 Millionen Tonnen Fisch im Jahr 2010 geschätzt. Das ist die jüngste verfügbare Zahl. Das ist etwa der Gegenwert zum Schlachtertrag von 220 Millionen Fleischrindern pro Jahr. Zum Vergleich: In den USA werden etwa 30 Millionen Rinder jährlich zur Fleischproduktion geschlachtet.

Doch die weltweiten Fischfangerträge haben seit den 1990ern abgenommen. Es wird vermutet, dass ein Drittel der weltweiten Fanggründe überfischt ist. In den 1970ern waren es noch zehn Prozent. Die Vorkommen großer Fische sind vermutlich um 90 Prozent gesunken. Aber ein besserer Schutz der Hochsee könnte helfen, diese Entwicklungen umzukehren, sagt Sumaila.

Weniger als zehn Prozent des weltweiten Fischfangs stammt aus der Hochsee und wenn man die Subventionen abschaffen würde, wäre es noch deutlich weniger – und eine Menge hochbelastender Treibstoff könnte eingespart werden, wenn Schiffe nicht mehr hinausfahren würden.

Würde man die Hochseefischerei komplett abschaffen und diese Gebiete wie eine „Fischbank“ benutzen, die mehr und mehr Fische produziert, würde das den Fängen an den Küsten ein Plus von 18 Prozent bescheren“, zeigte eine Studie von Sumaila. Etwa 70 Prozent der Fische, die innerhalb der AWZs gefangen werden, verbringen einige Zeit im offenen Meer.

„Die Fischerei auf die Gewässer vor den Küsten zu beschränken, hat ökonomische und ökologische Vorteile“, sagt er.

Die Kohlenstoffverbindung

Außerdem gibt es im Meer noch weit mehr als nur Fische. Es existieren unzählige Planktonarten, die nicht nur Nahrung für Fische und andere Spezies bieten, sondern auch Kohlenstoffdioxid (CO2) binden. Etwa die Hälfte der CO2-Emissionen, die bei der Nutzung fossiler Brennstoffe entstehen, wird vom Ozean absorbiert. Der Rest verbleibt in der Atmosphäre und heizt den Planeten auf.

In einer anderen Studie vermuteten Sumaila und sein Co-Autor Alex Rogers von der Universität Oxford, dass marine Lebensformen in der Hochsee jedes Jahr 1,5 Milliarden Tonnen CO2 aus der Atmosphäre aufnehmen und zum Meeresboden transportieren. Basierend auf dem Durchschnittwert für Kohlenstoff, den die U.S. Federal Government Interagency Working Group angibt, ist dieser Kohlenstoff-Entfernungsdienst 148 Milliarden US-Dollar (ca. 120 Milliarden Euro) wert.

Die Einrichtung großflächiger Meeresschutzgebiete in der Hochsee wäre gut für die Menschen überall auf der Welt, sagt Karen Sack von Ocean Unite, einem Netzwerk führender Meeresschützer. Das würde bedeuten, dass reiche Staaten weniger Fisch aus der Hochsee bekommen und es mehr Fisch für die Küstengemeinschaften auf der ganzen Welt gibt. Dieser Schutz würde dazu beitragen, die Meere widerstandsfähiger gegen den Klimawandel zu machen – Versäuerung und höhere Temperaturen eingeschlossen, was wiederum den Hochseegebieten dabei hilft, weiter CO2 zu binden.

„Wir brauchen eine Einrichtung mit rechtlichen Befugnissen, um diese Schutzgebiete einzurichten und das wird dieser neue Meeresvertrag gewährleisten“, sagt Sack.

Die Hochsee muss außerdem ordentlich verwaltet werden, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Dazu gehören auch Mineralienabbau auf dem Meeresgrund, Zugang zu und Nutzung bislang unentdeckter Spezies, die vielleicht medizinische oder wirtschaftliche Profite versprechen und Geo-Engineering, sagt sie. „Das wird eine der wichtigsten Verhandlungen der Menschheit.“

Niemand geht davon aus, dass die Verhandlungen leicht werden. Dennoch sind sich die meisten Länder einig, dass die Weltmeere in Schwierigkeiten stecken und dass zu viele ungeahndete Taten in den Hochseegebieten stattfinden, von illegalem Fischfang bis hin zum Menschenhandel. Der größte Stolperstein könnte der Zeitrahmen sein: Wie werden die überleben, die von den Fangverboten oder anderen Änderungen betroffen sind, bis die Fischbestände sich erholt haben?

„Wir müssen investieren in Fische und Fischer, das ist wirtschaftlich sinnvoll“, sagt Sumaila.

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