Umwelt

Wie ein Engländer gegen die Verschwendung von Essen kämpft

Tristram Stuart hat ein Ziel: Dass die Menschen weniger Lebensmittel verschwenden. Deshalb braut er zum Beispiel Bier aus Brot. Der Aktivist wird von der National Geographic Society gefördert.Mittwoch, 21. März 2018

2009 hat Tristram Stuart die Aktion "Feeding the 5000" ins Leben gerufen: Aus Zutaten, die eigentlich hätten im Müll landen sollen, kochen Freiwillige eine Mahlzeit, die dann kostenlos verteilt wird.
2009 hat Tristram Stuart die Aktion "Feeding the 5000" ins Leben gerufen: Aus Zutaten, die eigentlich hätten im Müll landen sollen, kochen Freiwillige eine Mahlzeit, die dann kostenlos verteilt wird.

Sein Lebensthema hat Tristram Stuart schon mit 15 Jahren gefunden. Damals lebte er im englischen Sussex und kaufte ein paar Schweine. „Ich fütterte sie so umweltfreundlich wie möglich. Ich ging zur Kantine meiner Schule und sagte: ,Gebt mir die Essensreste, die meine Mitschüler nicht haben wollen.’ Ich ging zu unserem Bäcker und ließ mir das altbackene Brot geben. Ich ging zum Gemüsehändler und zu einem Bauern, der Kartoffeln wegwarf, weil sie nicht die richtige Form oder Größe für die Supermärkte hatten“, erzählt Stuart in einem TED-Talk, der mehr als eineinhalb Millionen angeschaut wurde. Dabei fiel im auf, dass das meiste, was er seinen Schweinen zu fressen gab, eigentlich auch noch gut genug gewesen wäre für ihn als Mensch.

Die Verschwendung von Lebensmittel treibt Tristram Stuart, Jahrgang 1977, bis heute um. Die Zahlen, die er anführt, sind erschreckend: In den USA liegt zum Beispiel zweimal so viel Essen in den Regalen der Geschäfte und Kühlschränken der Restaurants wie benötigt. Wenn man auch Mais, Soja und Weizen zum Mästen von Vieh berücksichtigt, kommt man sogar auf das Drei- bis Vierfache von dem, was die Bevölkerung zu essen braucht. Das Problem beschreibt Stuart in seinem Buch „Für die Tonne: Wie wir unsere Lebensmittel verschwenden“.

Der Aktivist trägt aber nicht nur Zahlen zusammen sondern entwickelt auch Ideen, um das Problem zu lösen. Eine Antwort hat er schon mit 15 gefunden: „Wir züchten Schweine, um Lebensmittelabfall wieder in Lebensmittel zu verwandeln.“ Allerdings ist diese Praxis in Europa seit 2001 als Folge der Maul- und Klauenseuche verboten. „Das ist unwissenschaftlich und unnötig“, betont Stuart. „Wenn man das Futter für die Schweine kocht, so wie wir Essen für Menschen kochen, dann ist es ungefährlich.“ Außerdem sei es ein riesiges Ersparnis von Ressourcen, weil dann eben kein oder zumindest weniger Soja aus Südamerika importiert werden muss. Stuart setzt sich deshalb dafür ein, dass die Gesetze wieder geändert werden.

Ein Lösungsansatz: Lebensmittelabfall an Schweine verfüttern. Tristram Stuart setzt sich dafür ein, dass dies in Europa wieder möglich wird.
Ein Lösungsansatz: Lebensmittelabfall an Schweine verfüttern. Tristram Stuart setzt sich dafür ein, dass dies in Europa wieder möglich wird.

Auch ganz praktisch macht er auf das Problem der Lebensmittelverschwendung aufmerksam. Ein seiner Aktionen heißt „Feeding the 5000“. Aus Zutaten, die eigentlich hätten im Müll landen sollen, kochen Freiwillige eine Mahlzeit, die dann kostenlos verteilt wird. Seit dem ersten Event dieser Art 2009 in London ist die Idee weltweit aufgegriffen worden. Im vergangenen Jahr gab es unter anderem Termine in Los Angeles, São Paulo, La Rochelle – und in Münster. Das jüngste Projekt ist Toast Ale, ein Bier aus Brot, das in Bäckereien übrig bleibt. 12.000 Kilo Brot sind so schon zu Bier verarbeitet worden. Auch ein Rezept zum Selbstbrauen findet sich auf der Website.

Ein Träumer ist Tristram Stuart trotz des großen Themas nicht: „Ein gewisser Grad an Abfall ist unvermeidbar“, weiß der Aktivist. An eine Veränderung glaubt er dennoch: „Wenn wir viel Geschrei darum machen, Unternehmen darauf hinweisen und Regierungen darüber informieren, dass wir ein Ende der Lebensmittelverschwendung sehen wollen, dann haben wir die Macht, Veränderung herbeizuführen.“ Stuart appelliert an jeden Einzelnen, jeder könne umdenken: „Lebensmittel zu verschwenden muss sozial inakzeptabel werden!“

Die National Geographic Society fördert Wissenschaftsprojekte und unterstützt auch Tristram Stuart bei seiner Arbeit. Mehr Informationen gibt es hier.

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