Laseraufnahmen enthüllen die Geschichte des Mississippi

Mithilfe des extrem präzisen Lidar-Verfahrens vermisst ein Kartograf den Verlauf des Flusses über einen bestimmten Zeitraum hinweg. Die Ergebnisse sind faszinierend.Freitag, 8. November 2019

Farbenfrohe Karten, die mithilfe von Laserstrahlen aufgezeichnet wurden – einem Verfahren namens Lidar –, zeigen  die Position und den Höhenverlauf des Mississippi-Deltas. Auf diesem Abschnitt sind die Flussbewegungen der Vergangenheit zu sehen und wie der Mississippi sein Gesicht in drei verschiedenen Countys verändert.

Für Kartografen und Kartenliebhaber stellen die Aufzeichnungen von Harold Fisk über den unteren Mississippi aus dem Jahr 1944 äußerst ergiebiges Recherchematerial dar. Mitte des 20. Jahrhunderts vermaß der Geologe den Fluss mit erstaunlichem Auge fürs Detail und Präzision mithilfe von Luftaufnahmen und örtlichen Karten. Das Herzstück seines Berichts waren 15 Karten, die den mäandernden Verlauf des Mississippi und seiner historischen Überflutungsgebiete zeigten, von Missouri bis in den Süden Louisianas.

Mehr als sieben Jahrzehnte später wollte Daniel Coe, der als Kartograph für die Washington Geological Survey arbeitet, Fisks Karten mit größerer Genauigkeit und moderner Ästhetik neu erschaffen. Coe nutzte die Vorteile der äußert präzisen Daten, die mithilfe von Lidar von der U.S. Geological Survey (USGS) bereits gesammelt wurden. Beim Verfahren Lidar werden Laserstrahlen aus einem Flugzeug zum Boden gesendet, um die Topografie zu erfassen. Die Laser verfolgten den Verlauf des Flusses und alles, was sich in seinem Umfeld befand – Häuser, Bäume und Straßen. Entfernt man danach diese Ebenen von Vegetation und menschlicher Gegenwart, zeigen Coes Karten die nackte Geomorphologie des Flusses: Eins sanft geschwungene Biegungen wurden begradigt, alte Überflutungsgebiete durch Dämme und Deiche vom Fluss abgeschnitten.

Wissenschaftler der USGS sammeln Lidar-Daten (uns stellen sie beinahe komplett der Allgemeinheit zur Verfüfung), um die Veränderungen des Landes zu visualisieren. Bei der Erstellung von Karten können diese Daten dann neu interpretiert werden. Kleinste Höhenunterschiede können den Unterschied zwischen einem friedlichen Fluss und einem verheerenden Hochwasser ausmachen. Exzessive Bodenabtragung durch die Landwirtschaft kann den Verlauf des Flusses ändern und so längere Schifffahrtsrouten entstehen lassen.

Bezieht man all diese Fakten ein, so wird deutlich, dass der beste Indikator für das zukünftige Verhalten des Flusses seine Vergangenheit ist. Damit kann prognostiziert werden, wie er möglicherweise auf Erdrutsche, Hochwasser und Erosion reagiert.
„Am erstaunlichsten ist es jedoch, wie viele seiner Spuren nach wie vor in der Landschaft zu entdecken sind“, sagt Coe. „Man hat den Eindruck, die Fingerabdrücke sehen zu können, die der Fluss hinterlassen hat.“

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

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