Geschichte und Kultur

Putzkolonne am Eiffelturm

Ein Blick hinter die Kulissen dieses ikonischen Wahrzeichens. Donnerstag, 9 November

Von Christine Blau

Um den charakteristischen Glanz des Eiffelturms zu erhalten, sind Bemühungen von monumentalem Ausmaß notwendig. Das aufragende Gittergebilde aus Eisen erhält circa alle sieben Jahre einen frischen Anstrich – keine kleine Leistung. Mit seinen 324 m Höhe hatte er sich den Titel des höchsten Bauwerks der Welt gesichert, als Gustave Eiffel ihn als temporäres Ausstellungsstück für die Weltausstellung 1889 entwarf.

Die Frequenz der Anstriche hält ihn rostfrei, die Farbwahl ist aber allein der Ästhetik unterworfen. Monsieur Eiffel hatte sich damals für einen Rotton entschieden. Seitdem hat der Eiffelturm die Farbe mehrmals gewechselt, von einem rötlichen Braun über Senfgelb bis hin zu den neueren Brauntönen. Die drei aktuellen Schattierungen des speziell angefertigten „Eiffelturm-Brauns“ – unten der dunkelste und oben der hellste – passen perfekt zum Pariser Himmel.

Etwa 25 Mitglieder der Malermannschaft erklommen während des letzten Anstrichs, der 2009 begann, furchtlos die Höhen des Turms. Dabei verwendeten sie insgesamt etwa 56 km Kletterseil über einen Zeitraum von 18 Monaten. Etwa 66 Tonnen bleifreier Farbe waren nötig, um jede Ritze, jeden Balken, jede Mutter und Schraube zu streichen.

Das geschah alles auf die altmodische Art. Der Eiffelturm wird noch immer mit derselben altbewährten Methode seines ersten Anstrichs im 19. Jahrhundert bepinselt – vollständig von Hand und mit kleinen, runden Pinseln. Auf diese Weise muss der Turm für die Arbeiten nicht abgedeckt werden und es tropft auch niemandem Farbe auf den Kopf.

Die Schönheitskur endet damit aber nicht. Die fortwährenden Säuberung- und Restaurierungsarbeiten verschlingen jedes Jahr vier Tonnen Putztücher, 25.000 Mülltüten und fast 400 Liter Metallreinigungsmittel. Dabei werden keine Abstriche gemacht, nicht mal in schwierigen Zeiten. Als die Stromrationierung nach dem Zweiten Weltkrieg 1946 die Fahrstühle ausschaltete, verbrachten die Arbeiter den halben Tag allein damit, die 1.665 Stufen (108 Stockwerke) des Eiffelturms zu erklimmen, um mit dem Putzen zu beginnen.

Obwohl er nie für die Ewigkeit gebaut wurde, hält sich der Eiffelturm als das Wahrzeichen von Paris. Der 128 Jahre alte Bau aus Eisen heißt jedes Jahr sieben Millionen Besucher willkommen. Damit ist er die meistbesuchte Attraktion der Welt, für die Eintritt bezahlt werden muss.

Die Stadt plant eine große Restaurierung über die nächsten 15 Jahre, um den Zugang und die Sicherheit zu verbessern. Paris hat sich als Austragungsort für die Olympischen Sommerspiele 2024 und für die Weltausstellung 2025 beworben. Mit einem blitzblanken Eiffelturm kann sich die Stadt dann von ihrer besten Seite zeigen.

Wei­ter­le­sen