Geschichte und Kultur

Gefrorene Höhlenlöwenjunge aus Steinzeit in Sibirien entdeckt

Ein außergewöhnlich gut erhaltener Fund bietet neue Informationen über den ausgestorbenen Fleischfresser.

Von Brian Switek

Russische Forscher haben die Entdeckung von Höhlenlöwenjungen im eiszeitlichen Permafrost von Jakutien in Sibirien bekanntgegeben. Es ist das erste Mal, dass ein Vertreter dieser Art in einem so gut erhaltenen Zustand gefunden wurde.

Bei mindestens einer der Katzen, von der ein Foto gezeigt wurde, ist sogar das Fell noch intakt. Das Kätzchen war mindestens 10.000 Jahre lang eingefroren, wobei der erste Bericht sogar von einem noch früheren Datum ausgeht.

„Soweit ich weiß, wurde noch nie eine so gut erhaltene prähistorische Katze entdeckt“, meint Julie Meachen, Expertin für Katzenfossilien von der Des Moines University. „Es ist also ein wirklich außergewöhnlicher Fund.“

Seit 1810 wurden immer wieder Überreste von Höhlenlöwen in Eurasien und Nordamerika gefunden. Bisher hatten sich die fossilen Zeichen der Großkatze jedoch auf Knochen und Spuren beschränkt.

Zurzeit untersuchen die Wissenschaftler die Jungen und äußern sich nicht weiter zu der Entdeckung. Albert Protopopov, Paläontologe an der Akademie der Wissenschaften der Republik Sacha, möchte keine Fragen zu den Katzen beantworten. Die ersten Ergebnisse sollen auf einer für den 17. November geplanten Pressekonferenz verkündet werden. Dort sollen auch andere spektakuläre Funde in der Region besprochen werden, wie beispielsweise das haarige Mammut „Yuka“.

Da Katzen jedoch bekanntermaßen das Internet beherrschen, lässt das Foto des Eiszeitkätzchens die Herzen von Katzenfreunden ebenso wie von Paläontologen schon jetzt höher schlagen. „Anfangs konnte ich es gar nicht glauben. Doch als mir klar wurde, dass es echt zu sein scheint, war ich absolut begeistert“, erzählt Meachen.

Höhlenlöwen werden manchmal auch als Steppenlöwen bezeichnet, weil sie sich nicht nur in Felsen verbargen, sondern auch offene Grasebenen durchstreiften. Sie sind eine ausgestorbene Unterart des Panthera leo, unseres modernen Löwen.

So niedlich die gefrorenen Tiere sind: Die Bedeutung des Fundes geht unter die Haut. „Die Forscher werden Informationen zur Todesursache, zur Parasitenbelastung und vieles mehr erfahren“, berichtet Meachen und ergänzt: „Wenn die Mägen der Jungen noch Muttermilch enthalten, können wir vielleicht herausfinden, was die erwachsenen Löwen fraßen.“

„Wir haben gerade erst begonnen zu überlegen, welche Fragen wir alle stellen können“, so Meachen weiter. Die Löwenjungen werden neue Einblicke in eine kalte Welt bieten, die gar nicht allzu lange zurückliegt.

Hier geht es zu Brian Switeks Blog „Laelaps“ auf NationalGeographic.com.

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Artikel in englischer Sprache veröffentlicht am 28. Oktober 2015

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