Geschichte und Kultur

Tutanchamun, Nofretete und ein verzweigter Stammbaum

Archäologen, die das Grab des berühmten Pharaos untersuchen, versuchen das Geheimnis um seine verschollene Stiefmutter Nofretete zu lösen.

Von A. R. Williams
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Wenn bei den neuen Erkundungen in Tutanchamuns Grab verborgene Kammern entdeckt werden, befindet sich darunter vielleicht auch die Grabstätte von Nofretete, der verschollenen Königin, die mit dem jungen Pharao über zwei Linien verwandt war. Wenn dem so ist, gesellt sich womöglich bald eine weitere Mumie zu dieser faszinierenden, verzweigten Familie.

Im Laufe von mehr als hundert Jahren haben Ausgrabungen im ägyptischen Tal der Könige und dessen Umgebung 64 Gräber und weitere dazugehörige Kammern zutage gefördert. Das berühmteste unter ihnen ist die mit Schätzen gefüllte Grabkammer von Tutanchamun, die auch als KV62 bezeichnet wird. Aber auch viele andere königliche Gräber und Mumien aus der 18. und 19. Dynastie des Alten Ägypten wurden entdeckt.

2007 begannen ägyptische Wissenschaftler damit, Gentests an 16 königlichen Mumien durchzuführen. Hier dargestellt sind seine engsten Verwandten: die Großeltern, Eltern, seine Frau und zwei mumifizierte Föten, die in seinem Grab gefunden wurden und vermutlich seine Töchter waren.

Doch eine legendäre Mumie aus dieser Zeit, deren Name jedes Mal fällt, wenn eine neue Entdeckung in diesem königlichen Friedhof gemacht wird, fehlt: die wunderschöne Königin Nofretete. Sie war die Hauptfrau von Tutanchamuns Vater Echnaton. Seine Mutter war eine andere Frau, deren Name nicht bekannt ist. Damit ist Nofretete die Stiefmutter Tutanchamuns.

Die Verwandtschaftsverhältnisse Tutanchamuns werden durch den königlichen Brauch des Inzests in dieser Zeit weiter verkompliziert. Er selbst heiratete seine Halbschwester Anchesenamun, eine Tochter von Nofretete und Echnaton. Somit ist Nofretete also auch seine Schwiegermutter.

Artikel in englischer Sprache veröffentlicht am 29. September 2015