Reise und Abenteuer

Japans unerwartet schöne Sanddünen

Entkommt den Lichtern der Großstadt und verliert euch in der spektakulären Wüstenlandschaft. Donnerstag, 9 November

Von Alexandra E. Petri

Entlang des Japanischen Meers erstreckt sich vor der Stadt Tottori ein unerwartet goldener Streifen: die einzigen Sanddünen Japans. Im Gegensatz zu klassisch japanischen Bildern – Sushi, Hochgeschwindigkeitszüge, Straßenkreuzungen in Shibuya und Hello Kitty – mutet Tottori eher wie eine Szene aus Tausendundeiner Nacht an. Die Dünen, auf denen Kamele als Transportmittel zum Einsatz kommen, erstrecken sich fast 50 m hoch. Die traumartigen Luftspiegelungen der Wüste ersetzen hier die sonst so verbreiteten Großstadtlichter.

Die Tottori-Dünen, oder auch Tottori Sakyū, bildeten sich vor Tausenden von Jahren, als Sand, der vom nahegelegenen Fluss Sendai mitgetragen wurde, ins Meer gespült wurde. Starke Winde und eine starke Meeresströmung lagerten den Sand dann entlang der Küste ab und erschufen so eine Wüstenoase im Land des Sushis.

Mit seiner Ausdehnung von 2,4 km mal 16 km ist der Dünenabschnitt ein kleiner Teil eines größeren Ganzen: dem Sanin Kaigan Nationalpark, ein UNESCO Global Geopark und ein Symbol für das Engagement des Landes für den Naturschutz, kulturelle Geschichte und Biodiversität.

Tottori mag nicht in Tausendundeiner Nacht aufgetaucht sein, aber die Dünen werden in einer Reihe anderer namhafter Werke der japanischen Literatur erwähnt und zeugen von ihrer langjährigen kulturellen Bedeutung. Der japanische Dichter Takeo Arishima machte die Dünen berühmt, als er ein Gedicht über eine Affäre schrieb, die er mit einer verheirateten Frau hatte. Er beschrieb das tiefe Elend, das er empfand, als er von dem Sand umgeben war. Er und die Frau begingen kurz darauf einen Doppelselbstmord.

Jahrzehnte später bereitete Tottori in den 1960ern die Bühne für das Buch „Woman in the Sands“ des japanischen Autors Kōbō Abe. Die Geschichte galt als ihrer Zeit voraus und diente letztendlich auch als Vorlage für einen oscarnominierten Film.

Die mehr als zwei Millionen Besucher pro Jahr haben genügend Möglichkeiten, sich in den Dünen zu beschäftigen. Es gibt dort Kamelreiten, Sandboarding, Paragliding und ein beeindruckendes Museum für Sandskulpturen. Auch wenn man dort nicht über Nacht campen kann wie in Dubai, sind die eindrucksvollen Bilder der Wüste, die auf das Meer trifft und mit ihm zusammen einen erweiterten Horizont bildet, eine Reise allemal wert.

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