Reise und Abenteuer

Toronto – einfach unwiderstehlich

Die National Geographic-Fotografin Dina Litovsky fängt den Reiz Torontos ein – von den bekannten Wahrzeichen bis zu den Überraschungen. Montag, 20 November

Von Hannah Lott-Schwartz
Bilder Von Dina Litovsky

Kanada – berühmt für seine endlosen Weiten wilder Natur. Aber in Toronto tobt das urbane Leben. Der einzigartige Vibe der Stadt erstreckt sich bis in den letzten Winkel – von aufstrebenden Stadtvierteln bis zu beliebten kulturellen Wahrzeichen. Hier findet ihr eine Auswahl der Dinge, welche der Hauptstadt von Ontario ihr fesselndes Flair verleihen.

DAS KLASSISCHE TORONTO

TORONTO-SCHRIFTZUG AUF DEM NATHAN PHILLIPS SQUARE

Egal, wie ihr eure Reise nach Toronto festhalten wollt, fangt am besten mit dem Wichtigsten an: dem Toronto-Schriftzug, der vor dem Rathaus der Stadt leuchtet. Dort findet ihr zu jeder Tages- und Nachtzeit Menschen, die zwischen den drei Meter hohen Buchstaben posieren. Er wurde 2015 installiert, um die Gäste der Pan American Games in der Stadt zu begrüßen. Eigentlich sollte er nur zeitlich begrenzt dort stehen, war aber auf dem Nathan Phillips Square so beliebt, dass die Stadt – auf das Drängen der Einwohner und Touristen hin – beschloss, ihn weiterhin die Nacht erhellen zu lassen.

RIPLEY'S AQUARIUM

Das rund 5,7 Millionen Liter fassende Ripley‘s Aquarium ist alles andere als ein durchschnittliches Goldfischglas. 2013 eröffnete die Anlage mit ausgeklügelten Berührungsbecken etwa für den Bambushai sowie einem Tsunami-Simulator. Aber es sind die hypnotisierenden Quallenbecken (welche die Farbe wechseln, während fünf Quallenarten rhythmisch durch das Wasser schweben), die euch in Staunen versetzen werden. Hebt euch die Selfies jedoch für die Dangerous Lagoon auf, einen Rundgang durch den Unterwassertunnel, bei dem Meeresschildkröten, Langkamm-Sägerochen und  Haie bestaunt werden können.

CN TOWER

Das Wahrzeichen Torontos mit dem größten Wiedererkennungswert erhebt sich 116 Stockwerte hoch über die Stadt und bietet sogar einen Blick über die Landesgrenze hinaus. An klaren Tagen könnt ihr bis zu den Niagarafällen und noch weiter sehen. Betretet die Outdoor SkyTerrace oder werft durch den Glasboden einen Blick in mehr als 300 Meter Tiefe. Noch mehr Nervenkitzel bietet der Edge Walk des Wolkenkratzers. Besucher können –  ausgestattet mit einem speziellen Gurtgeschirr, das an einer Schiene über dem anderthalb Meter breiten Vorsprung befestigt ist – zwischen Himmel und Erde am Gebäuderand entlanglaufen und sich über den Vorsprung lehnen. Ungefähr 356 Meter weiter unten wartet die Stadt.

ST. LAWRENCE MARKET

Im St. Lawrence Market treffen kunsthandwerkliche Traditionen auf moderne Kultur. Der Markt strotzt nur so vor Leuchtkraft,  und das schon seit 200 Jahren. Er befindet sich in der historischen Altstadt Torontos in einem gewaltigen Backsteinkomplex, der aus drei Gebäuden besteht. In der St. Lawrence Hall (in der sich auch das Gebäude befindet, das 1845 bis 1899 als Rathaus diente) warten zahlreiche Ladengeschäfte, während der North Market eher am Wochenende lockt, beispielsweise mit einem Bauernmarkt, der bis auf das Jahr 1803 zurückgeht, oder mit einem Antiquitätenflohmarkt am Sonntag. Im South Market herrscht an fünf Tagen die Woche reges Treiben. Dann reihen sich dort mehr als 120 Verkäufer aneinander, die frisches Obst und Gemüse, Fleisch, Käse und Backwaren nebst lokalen Waren und Erzeugnissen anbieten.

TORONTO EATON CENTRE

Es mag nach normalem Einkaufszentrum klingen, aber der wahre Reiz des Eaton Centre liegt trotz der zahlreichen Möglichkeiten zum Kauf von Markenware in seiner Innenarchitektur. Die Glashaus-Ästhetik und hohen Decken beherbergen vier Etagen, die mit einem geschwungenen Dach voller Fenster abschließen. Dieses lässt das gesamte Gebäude eher wie ein Atrium denn wie ein Shopping-Mekka wirken.

THOMPSON HOTEL

Auf dem Dach des Thompson Hotels warten ein Pool und ein Lounge-Bereich mit Panoramasicht auf die Stadt. Das elegante, aber minimalistische Hotel unterstreicht die mondäne Ästhetik Torontos. Es befindet sich zwischen den historischen Fabrikgebäuden von King West Village und ist teils Wohngebäude, teils Hotel. Hier verkehrt alles und jeder, von Geschäftskunden und Einheimischen bis zu Touristen und berühmten Persönlichkeiten, die das im Hotel tobende Nachtleben genießen – sowohl im Kellerclub Wildflower als auch 16 Stockwerke weiter oben in der Dach-Lounge.

DER GESCHMACK TORONTOS

DISTILLERY DISTRICT

Der Name Distillery District mag etwas in die Irre führen. Tatsächlich war der Bezirk, dessen Pflastersteinstraßen von viktorianischen Häusern gesäumt werden, der Standort der ersten Brauerei Torontos. Vor etwa 145 Jahren wurden dort fast die Hälfte aller Spirituosen ganz Ontarios gebraut. Heutzutage finden sich dort allerdings Boutiquen, Galerien und bekannte Restaurants – aber noch immer strömen die Stammkunden glücklich hinaus auf die Straßen.

BAR RAVAL

Hinter den Türen der Bar Raval wartet ein Vorgeschmack auf die wundervoll wilde Welt. Das fast rund um die Uhr geöffnete Restaurant wurde von dem tröpfelnden Gebäudestil von Antoni Gaudí inspiriert, der auch Barcelona sein entrücktes Flair verleiht. Hier werden spanische Spezialitäten wie Sherry und Wermut ausgeschenkt, aber auch kreative Cocktails. Baskisch inspirierte Pinchos und Tapas stillen den Hunger.

CAMPECHANO TAQUERÍA

Seit ihrer Eröffnung im Winter 2015 ist die Campechano Taquería eine verlässliche Anlaufstelle – dort gibt’s unvergessliche Geschmacksvariationen und mit ziemlicher Sicherheit eine Schlange vor der Tür. Ein Bissen genügt, um zu verstehen, warum die Leute hier gern anstehen, um die gebräunten, frisch gebackenen Maistortillas mit den weichen Füllungen wie Rajas con crema zu ergattern.

PLANTA

Cocktails und kaltgepresste Säfte runden die Speisekarte im Planta ab. Das gemütliche, lässige Restaurant ist bekannt für seine Burger mit saftigem Käse – komplett aus pflanzlichen Inhaltsstoffen. Das ganze Menü ist vegan (auch wenn sie es vermeiden, das zu sagen) und voller vertrauter Gerichte – Ceviche, Trüffel-Pommes-frites, Caesar Salad und cremiger Pasta – die der veggie-freundlichen Kundschaft als ausgefallene Kreationen serviert werden.

KING STREET

Die historische King Street verläuft durch das Finanz-, Entertainment- und Modeviertel der Stadt. Tagsüber ziehen dort Shopper von einer umfunktionierten Lagerhalle zur nächsten, auf der Suche nach einzigartigen Waren in den zahllosen Shops und Edelboutiquen. Aber nachts verrutscht die Krone des Königs und die lange Straße wird zu einem Treffpunkt für die jungen Stadtmenschen. Dort gibt es genügend Bars, Clubs und noch bis in die Nacht geöffnete Lokale für jeden Geschmack. Portland Variety bedient die Frühaufsteher ebenso wie die Nachteulen. Hier werden drei anständige Mahlzeiten pro Tag serviert – und am Wochenende noch ein ausgezeichneter Brunch. Dazu gibt es große, farbenfrohe Craft Cocktails.

JIMMY’S COFFEE

Jimmy‘s Coffee hat seine Türen – und die knallgelben Deckel seiner To-go-Becher – in King West vor fast zehn Jahren zum ersten Mal geöffnet und ist aus der Stadt nicht mehr wegzudenken. Die Fair Trade Bio-Kaffeebohnen für das Café, das nach Jimmy Hendrix benannt ist, werden lokal geröstet. Mittlerweile gibt es in der ganzen Stadt schon sechs Jimmy‘s, von denen sich jedes gänzlich der Kunst des Kaffeebrauens verschrieben hat. Die Kreationen sehen ebenso gut aus wie sie schmecken.

CHINATOWN

Entlang der Spadina Avenue und der Dundas Street West erstreckt sich Torontos Chinatown – eines der größten und buntesten Viertel dieser Art in ganz Nordamerika. Dort gibt es zahlreiche asiatische Restaurants mit Spezialitäten, die alles von Dim sum bis Modern Fusion anbieten. Probiert ein paar exotische Früchte auf den Märkten, die sich bis in die Straßen erstecken, und seht euch die Wandgemälde an den Gebäuden an, die zum Flair des Viertels beitragen.

EIN TORONTO VOLLER ÜBERRASCHUNGEN

KENSINGTON MARKET

In den schmalen Straßen und Gassen von Kensington Market herrschte schon vor 100 Jahren ein geschäftiges Treiben, als es noch ein vorwiegend jüdisches Viertel war. Hier eröffneten Familien Läden, um untereinander zu handeln. Diese Markmentalität lebt auch heute noch weiter und in den Läden und an den Ständen des Straßenmarkts sind mittlerweile Kulturen aus aller Welt vertreten. Hier muss niemand hungrig umherziehen: Schaut bei einem der zahlreichen Lokale wie Seven Lives Tacos y Mariscos vorbei, wo schnelle Mahlzeiten wie Tacos im Tijuana-Style serviert werden, die man auch gut unterwegs verzehren kann.

DIE GASSEN DER QUEEN STREET

Toronto ist eine bemalte Stadt, die stolz auf die Wandgemälde ihrer Street Artists ist – ob nun schon berühmt oder noch auf dem Weg dahin. Selbst der weltbekannte, geheimnisvolle Künstler Banksy hat hier schon seine Spuren hinterlassen. Schlendert durch die Gassen an der Queen Street, aber haltet die Augen offen, denn die Kunst dort beschränkt sich nicht nur auf die Wände. Seht euch auch nach einem von Torontos berühmtesten Werken um: einem großen, bemalten Baumstumpf, der als Hug Me Tree (dt. Umarme-mich-Baum) bekannt ist und auf der Queen Street West zwischen der Peter Street und der Spadina Avenue steht.

LESLIEVILLE

Auf der anderen Seite der Brücke in Torontos East End findet ihr Leslieville, das einst die historischen Filmstudios der Stadt beherbergte. Das ehemalige Arbeiterviertel ist in den letzten Jahren recht hip geworden. Überbleibsel seiner Vergangenheit tauchen in Form von Antiquitätenläden mit vortrefflichen Möbelstücken auf, die einst als Geheimtipp unter Set-Designern galten. Jeden dritten Sonntag im Monat findet auf einem Anwesen aus dem 19. Jahrhundert zudem ein grandioser Flohmarkt statt. Die Gegend ist zu einer Oase für Kreative und alle anderen am Puls der Zeit geworden. Das Nachtleben bringt Licht in die einst dunklen Straßen und moderne Restaurants mit vielversprechenden Angeboten locken Einheimische und Touristen über den Fluss.

ART GALLERY OF ONTARIO

Die Art Gallery of Ontario ist an sich schon ein künstlerisches Wunderwerk monumentalen Ausmaßes. Es beherbergt zudem mehr als 90.000 Kunstwerke aus der Geschichte Kanadas, Europas und Afrikas sowie zeitgenössische Galerien. Vor fast zehn Jahren wurde die AGO beträchtlich erweitert. Das Design für den Ausbau stammt vom weltbekannten Architekten Frank Gehry, dessen bemerkenswerte Galleria Italia aus Holz und Glas sich über einen gesamten Häuserblock erstreckt. Erkundigt euch nach Filmvorstellungen, Gesprächen mit Künstlern und Autoren sowie yogischen Galerieerlebnissen – oder wandert einfach durch die wechselnden Ausstellungen, die eure Erwartungen sicher übertreffen werden.

HIGH PARK, EDWARDS GARDENS UND TRINITY BELLWOODS

Der freien Natur kann man in Kanada nicht entkommen – nicht einmal als Stadtbewohner. Allein in Toronto gibt es mehr als 1.500 Parks, von denen jeder sein ganz eigenes Flair hat. Die Millennials versammeln sich gern zum Frisbee spielen und Abhängen in Trinity Bellwoods. Sportlich Aktive steuern die Swimmingpools,  Tennisplätze sowie Wander- und Joggingwege im High Park an.  Romantiker und Fotografen auf der Suche nach Motiven für ihr Portfolio zieht es in die Edwards Gardens. Dort stehen die botanischen Gärten im Mittelpunkt, die gern für zahlreiche Veranstaltungen und Hochzeiten genutzt werden.

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