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Seoul – dynamisch, weltoffen und voller Tradition

Die südkoreanische Hauptstadt ist eine der inspirierendsten Metropolen Asiens. Ein Streifzug zwischen Hochhäusern und alten Tempeln.

Veröffentlicht am 9. Feb. 2018, 09:57 MEZ
Seoul
Die Dächer von alten Hanok-Häusern prägen das Stadtbild von Seoul genauso wie der 235 Meter hohe Namsan Tower.
Bild Colourbox / Insung Choi

Am Tag meiner Ankunft in Seoul drohte Nordkorea wieder mal mit seinen Atomwaffen. Seoul liegt nur gut 50 Kilometer von der Grenze entfernt, und zudem nur zwei Fahrtstunden westlich von Pyeongchang, wo dieses Jahr die Olympischen Winterspiele stattfinden.


Und die Menschen in Seoul? Natürlich haben viele Angst, aber sie reagieren erstaunlich gelassen. Die Notfallübungen, die es alle paar Monate in der Stadt gibt, sind Routine. Im Nobelviertel Gangnam, das der Sänger Psy in seinem Song „Gangnam Style“ parodiert hat, schlendern die Menschen scheinbar unbekümmert durch die Filialen von Valentino, Dior und Maserati. Eilen in ihre Büros in Hochhäusern, die Hunderte Meter in den Himmel ragen. Strömen abends in die Bars. „Nordkorea ist ein fremdes Land wie alle anderen. Also machen wir uns nichts draus und leben weiter wie zuvor“, sagte mir eine neue Freundin, die ich in einem Café in Gangnam kennengelernt hatte.

Das Viertel Gangnam liegt südlich des Flusses Hangang, der das alte Seoul im Norden mit seinen Palästen, Märkten und Regierungsministerien vom neuen Teil der Stadt trennt, in dem Wolkenkratzer das Bild prägen. Ich beobachte elegant angezogene Menschen: modebewusste Frauen in hohen Schuhen, Männer in teuren Anzügen. Viele Macher und Entscheider wohnen und arbeiten in Gangnam. Koffein, so scheint es, ist ihr Lebenselixier. In jedem Straßenblock fand ich an die 30 Cafés. Koffeinfreien Kaffee sucht man vergebens. „Die Energie hier ist ansteckend“, sagte meine Freundin, während wir uns Espresso bestellten. „Wir Koreaner haben das ständige Bedürfnis nach Veränderung. Es gibt bei uns ein Sprichwort: Ändere alles – außer der Frau und den Kindern.“

Wenn man das erste Mal zu Besuch ist, wirken die Ausmaße dieser Stadt einschüchternd. Im Großraum Seoul leben 25 Millionen Menschen, in der City rund zehn Millionen – mehr als in New York. Seoul hat sich zu einer der spannendsten Städte der Welt entwickelt. Es weist nach Tokio die zweithöchste Dichte an Restaurants weltweit auf, darunter teils seltsame, teils amüsante Themenlokale. Zum Beispiel das Meerkat-Café: Hier gibt es zwölf Erdmännchen, die Besucher können sie streicheln, während sie essen. Seoul ist ein riesiger pulsierender Stern, der seine Energie in die fernsten Winkel aussendet.

“Wir Koreaner haben das ständige Bedürfnis nach Veränderung. ”

Eine Freundin des Autors.

Wo, fragte ich mich, beginnt man, eine solche Stadt zu erkunden? „Am besten mitten im Zentrum“, sagte meine Begleiterin. Und das befindet sich, zumindest geografisch, auf dem Namsan, dem 262 Meter hohen Hausberg, auf dem der Namsan Seoul Tower wie ein Wächter über der Stadt steht: ein ehemaliger Fernsehturm, 236 Meter hoch. Ich starte gern in aller Ruhe in den Tag, und einer der wenigen Orte, an denen ich in diesem urbanen Wunderland etwas Beschaulichkeit fand, ist der Rundweg, der sich um diesen Berg schlängelt.

Ich kaufte mir eine Eintrittskarte zur Aussichtsplattform des Namsan-Seoul-Tower und sauste im Fahrstuhl nach oben. Von hier aus bot sich ein atemraubender Blick auf eine Stadt, die sich ins Unendliche auszudehnen scheint. Die Hochhäuser wirkten, als wollten sie einander übertrumpfen, vom 2017 eröffneten Lotte World Tower (mit 555 Metern das fünfthöchste Gebäude der Welt) bis zu Wohnblöcken, die aussehen, als fänden in ihnen die Menschen einer Kleinstadt Platz.

Aber Seoul ist mehr als eine dynamische, hochmoderne Stadt mit gut gekleideten Menschen. Oft überrascht ein Hunderte Jahre alter Tempel mit geschwungenem Schindeldach, der neben einem Glas-Stahl-Giganten wie ein Zwerg wirkt. Das kaiserliche Korea findet man nach einer Fahrt mit der Kabelbahn im Changdeokgung, dem Palast der glänzenden Tugend. Vor der Residenz des letzten Kaisers von Korea erstreckt sich ein wunderschöner Park, der „geheime Garten“, mit Lotusteichen, rosafarbenen Azaleen und im Herbst rot leuchtenden Ahornbäumen. Auch das Hanok-Dorf Bukchon erinnert daran, dass Seoul einst nur eine Kleinstadt war: Mehr als 900 Hanoks, traditionelle koreanische Wohnhäuser, wurden hier sorgfältig restauriert. Zwischen winkligen Dächern, schweren Holztüren und Ziermauern zeigt sich die Megacity von einer ganz anderen Seite.

Nach all diesen Eindrücken bekam ich Hunger, hatte aber keine Ahnung, wo ich hingehen sollte. Zum Glück kann Seoul eines richtig gut: Streetfood. Über die ganze Stadt verteilt gibt es Dutzende Märkte. Einige wie Dongdaemun sind bekannt für Mode. Andere wie Namdaemun sind bekannt für – na ja alles: Was man in Namdaemun nicht findet, gibt es wahrscheinlich nirgendwo auf der Erde. Während ich an den Ständen vorbeiging, stieg mir der Geruch von scharf gewürztem Reiskuchen und frittiertem Hähnchen in die Nase. Ich beschloss aber, es zu machen wie die Menschen dieser Stadt: einfach mal etwas völlig Neues ausprobieren. Also kaufte ich mir unerschrocken einen Pappbecher mit Beondegi – gekochten Larven des Seidenwurms – und ein mit Rote-Bohnen-Paste oder Walnüssen gefülltes Brot in Form eines Hundehaufens. Das Brot war wirklich köstlich. Und die Larven? Vergesse ich lieber schnell.

Dieser Artikel wurde gekürzt und bearbeitet. Die ganze Geschichte steht in der Ausgabe 4/2017 des National Geographic Travelers. Jetzt ein Magazin-Abo abschließen!

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