Eine Welt voller Star Wars

Vor 42 Jahren begann eine Saga, deren Abschluss nun in den Kinos zu sehen ist. Doch für eingefleischte Jedi-Jünger gibt es einige der Drehorte hier auf der Erde zu entdecken – live und hautnah.Freitag, 27. Dezember 2019

Nur wenige Filmreihen – außer vielleicht James Bond – bieten so vielfältige optische Eindrücke und Orte wie Star Wars. Das fällt schon auf den ersten Blick auf, wenn man sich die Farbpalette der neun Filme der berühmten Weltraum-Saga zu Gemüte führt – die nun, nach 42 Jahren, mit dem letzten Kino-Blockbuster Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers ihr Ende findet.

Die planetarische Bandbreite reicht vom Orange-Rot eines Wüstenplaneten über grelles Weiß im ewigen Eis bis hin zum kühl-steril wirkendem Inneren von Raumschiffen. Archaische Höhlen, Sümpfe, Wälder, Wasserwelten – es gibt fast nichts, was es nicht gibt. Natürlich ist das alles nicht real – aber in Zeiten vor der Verfügbarkeit von 3D-Computergrafiken mussten die Produzenten entsprechend geeignete Drehorte hier auf der Erde finden.

Selbst heutzutage – in einer Zeit, in der filmisch mithilfe digitaler Technik alles möglich scheint – ist eine authentische Realumgebung oft die Basis, auf der phantastische Welten entstehen. Sie fungiert als eine Art Anker und bietet dem Publikum leichter zugängliche Referenzpunkte.

(Die Walt Disney Company ist Hauptanteilseigner von National Geographic Partners.)

Im Star Wars-Universum befinden sich unser Planet und seine Zivilisation – um den berühmten Eingangssatz ein wenig anders auszudrücken – weit in der Zukunft und in einer weit, weit entfernten Galaxis. Doch viele der Spielorte verkörpern durchaus Landschaften, die uns zugleich exotisch und seltsam vertraut vorkommen. An welchen dieser Star Wars-Pilgerorte würdet ihr zuerst reisen?

Tunesien

Eine neue Hoffnung (1977) und Die dunkle Bedrohung (1999)

Der Name des Planeten Tatooine basiert auf der tunesischen Stadt Tataouine und ist wahrscheinlich der einzige Schauplatz im Star Wars-Universum, dessen Name von seinem Drehort stammt. Die dürren Wüsten des nordafrikanischen Landes bilden den optischen Rahmen für den allerersten Star Wars-Film Krieg der Sterne, der später den Untertitel Eine neue Hoffnung bekam – ebenso wie für die Vorgeschichte Eine dunkle Bedrohung.

Einige Gebäude des ersten Films stehen heute noch in der näheren Umgebung der Hafenstadt Ajim und auf der Insel Djerba. Viele der entlegeneren Filmsets, die George Lucas errichten ließ, verfallen jedoch langsam und werden zunehmen vom Wüstensand verschlungen – auch wenn die meisten von engagierten Einheimischen instand gehalten werden, um sie für den Tourismus zu nutzen.

Unglücklicherweise leidet die tunesische Tourismusindustrie nach wie vor unter den Terrorangriffen von 2015 und den darauf folgenden Unruhen. Viele der Sehenswürdigkeiten werden daher von weit weniger Menschen besucht als zuvor. Einige Unternehmen haben sich jedoch halten können, wie beispielsweise das Sidi El Driss Hotel, ein traditionelles Höhlenhaus der Berber, in dem Luke Skywalker in Eine neue Hoffnung aufwuchs.

Skellig Michael, Irland

Die letzten Jedi  (2017)

Diese beiden Felsinseln befinden sich rund 13 Kilometer vor der Südwestküste Irlands. Ihre steilen Klippen ragen bis zu 600 Meter aus dem Nordatlantik empor. Die größte Insel, Skellig Michael (gälisch: Sceilg Mhichíl) gehört als wichtiges Vogelhabitat zum UNESCO-Welterbe – und auch aufgrund ihres einsamen Klosters.
St. Fionan wurde zwischen dem 6. und 8. Jahrhundert gegründet und war damit eins der ersten Klöster in Irland. Die Mönche wohnten in einer kleinen Siedlung aus Rundhütten und lebten vom Fischfang. Bewusst isoliert vom Festland konnten sie hier ihren Glauben ohne Angst vor Verfolgung ausleben.

In Die letzten Jedi diente die Insel mit ihren Klosterruinen dem alternden Luke Skywalker als Rückzugsort.

Hardangervidda, Norwegen

Das Imperium schlägt zurück (1980)

Die Vorlage für die eisige Ödnis des Planeten Hoth bildete dieser norwegische Landstrich, inklusive einiger echter Schneestürme, mit denen die Filmcrew zu kämpfen hatte. In einigen Fällen mussten die Beteiligten, die im Dorf Finse untergebracht waren, nur ein paar Schritte zur Haustür hinaus machen, um zum Set zu gelangen.

Die meisten der größeren Szenen wurden auf dem nahegelegenen Hardangerjøkulen-Gletscher gedreht, zu dem das Finse 1222 Hotel heute noch Touren anbietet. In diesem Hotel war auch die Filmcrew untergebracht.

Puzzlewood, Forest of Dean

Das Erwachen der Macht (2015)

Die düstere Umgebung von Puzzlewood im Forest of Dean bietet den idealen Schauplatz für einen Teil der Filmreihe, der vom Publikum mit großer Spannung erwartet wurde: Das Erwachen der Macht. Die uralten Wälder mit ihren Felsformationen, knorrigen und moosbedeckten Bäumen, Höhlen und Wurzelgebilden sind wahrlich etwas Besonderes – und angeblich geht ihr Name auf den rätselhaften Charakter ihres Ursprungs zurück.

Death Valley, Kalifornien

Die Rückkehr der Jedi-Ritter (1983)

Zwei Kontinente standen für die trockene, orange-rote Ödnis des Wüstenplaneten Tatooine Modell: Afrika und Nordamerika. Das Death Valley in Kalifornien wurde genutzt, als ein Sturm die Filmcrew in Tunesien zum Abbruch zwang. In den Schluchten von Golden Canyon, Desolation Canyon und 20 Mule Team Canyon wurden mehrere große Szenen von Eine neue Hoffnung gedreht und ebenso der Weg, den die beiden Roboter zu Jabbas Palast in Die Rückkehr der Jedi-Ritter nehmen.

Tikal, Guatemala

Eine neue Hoffnung (1977)

Dichter Regenwald mit uralten Maya-Bauten war die optische Vorlage für den Höhepunkt des ersten Star Wars-Films. Tikal, das inzwischen zum UNESCO-Welterbe zählt, war einst über 1.500 Jahre lang eine Zeremonienstätte, die jedoch erst in jüngster Zeit näher erforscht wurde. Einige der Pyramiden - wie beispielsweise die Pyramide IV mit 65 Metern Höhe – ragen deutlich aus den Baumkronen hervor. Während ihrer Blütezeit war die Siedlung eine Stadt, die noch heute einen kleinen Einblick in den Erfindungsreichtum der Maya gewährt. Laut der UNESCO besitzt Tikals „Reichtum an Architektur und künstlerischem Ausdruck auch wichtige Elemente, wie zum Beispiel das Konzept der pyramidenförmigen Berge, die ein Universum definieren, in dem der Mensch mit seiner Umwelt koexistiert.“

Ätna, Sizilien

Die Rache der Sith (2005)

Viele Schauplätze der Trilogie, die die Vorgeschichte bildet, sind computergeneriert, doch einige wurden mit realem Bildmaterial ergänzt. Ein Ausbruch dieses sizilianischen Vulkans im Jahr 2002 wurde gefilmt und in das legendäre Lichtschwert-Duell zwischen den Figuren Obi Wan Kenobi und Anakin Skywalker integriert.

Cheatham Grove, Kalifornien

Die Rückkehr der Jedi-Ritter (1983)

Der Waldmond Endor – die Heimat der bis an die Zähne bewaffneten, teddybär-ähnlichen Ewoks – wurde in einigen Mammutbaumwäldern in Kalifornien gedreht. Die Verfolgungsjagd fand im Cheatham Grove außerhalb von Crescent City vor der Kulisse des nahegelegenen Redwood-Nationalparks statt. Dieser ist die Heimat der höchsten Bäume der Erde von denen einige die stolze Größe eines 35-stöckigen Gebäudes erreichen. Der höchste von ihnen ist angeblich 115 Meter hoch und trägt den Namen Hyperion – sein genauer Standort wird jedoch geheim gehalten.

Thirlmere und Derwent Water, Lake District, Großbritannien

Das Erwachen der Macht (2015)

Nicht nur einem Briten dürfte die Szenerie bekannt vorgekommen sein, als der erste Trailer von Das Erwachen der Macht im Jahr 2015 veröffentlicht wurde. Zu sehen war unter anderem eine Flotte von X-Wing Starfightern, die über die Wasseroberfläche eines äußerst bekannten Sees jagen. Viele spekulierten, dass sich der Drehort im englischen Lake District befunden haben musste – und sie hatten recht. Einige der Nationalparkseen in der Grafschaft Cumbria wurden als Basis für die Kulisse benutzt, die jedoch zusätzlich computertechnisch nachbearbeitet wurden. Dennoch ist die Ähnlichkeit mit dem beliebten Ausflugsziel in Großbritannien nicht zu leugnen. Einige bekannte Fjells der Seenlandschaft sind auch im fertigen Film noch zu erkennen, darunter Raven Crag und Blencathra.

Comer See, Italien

Angriff der Klonkrieger (2002)

Der opulente königliche Rückzugsort auf dem Planeten Naboo wurde von der Villa del Balbianello an den Ufern des italienischen Comer Sees inspiriert. Der See ist mit 410 Metern der tiefste Europas und das riesige Anwesen an seinem Ufer wurde im 18. Jahrhundert als Rückzugsort für Schriftsteller erbaut. Später kaufte es Graf Guido Monzino, ein Weltenbummler und Abenteurer, der unter anderem als erster Italiener den Mount Everest bestieg. Viele seiner Reisen sind in dem Museum verewigt, das das Anwesen heute beherbergt. Seit dem Tod des Grafen im Jahr 1988 wird es vom Fondo Ambiente Italiano, einer italienischen Organisation für Denkmalpflege, verwaltet.

Tesco, Elstree

Das Imperium schlägt zurück (1980)

Die geistige Heimat von Star Wars ist – neben einigen anderen – dieser altehrwürdige Studiokomplex nördlich von London. Viele der Studios wurden hauptsächlich für die Produktion der ursprünglichen Trilogie genutzt, doch das riesige Studio 6, fertiggestellt im Jahr 1979, wurde speziell für Das Imperium schlägt zurück gebaut – was ihm später den Namen ‚Star Wars-Studio‘ einbrachte. 1989 wurde der Komplex komplett abgerissen und das Grundstück an eine Supermarktkette verkauft. Seitdem wandeln Kunden des Geschäfts in Elstree auf dem selben Boden, auf dem einst Szenen von Das Imperium schlägt zurück und Die Rückkehr der Jedi-Ritter gedreht worden waren. Vom Parkplatz aus sieht man das George-Lucas-Studio, das neue Studio 6, das nach dem Schöpfer von Star Wars benannt wurde, und in dem auch die Indiana Jones-Filme gedreht wurden.

Star Wars: Der Aufstieg der Skywalkers – jetzt im Kino!

 

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