Tiere

Zum ersten Mal wurde ein Schweinswal mit zwei Köpfen gefunden

Niederländische Fischer zogen einen extrem seltenen Fang aus einem Schleppnetz in der Nordsee. Freitag, 3 November

Von Sarah Gibbens

Im letzten Monat wurde der erste dokumentierte Fall eines zweiköpfigen Gewöhnlichen Schweinswals bekannt. Zwei niederländische Fischer fingen das abnorme Tier unabsichtlich als Beifang in ihrem Schleppnetz.

Aus Angst, dass es illegal sein könnte, den verstorbenen Meeressäuger zu behalten, warfen sie ihn zurück ins Meer. Allerdings machten sie vorher noch Fotos ihres ungewöhnlichen Fundes und verständigten einige Forscher.

Obwohl es einige Fallstudien zu Doppelfehlbildungen (gemeinhin bekannt als siamesische Zwillinge) bei Menschen, Reptilien und Haustieren gibt, sieht man das Phänomen nur selten bei wilden Tieren. Vor dem jüngsten Fund wurden bisher nur neun andere Fälle von zweiköpfigen Walen verlässlich dokumentiert.

Eine Studie, die kürzlich in der Online-Fachzeitschrift „Journal of the Natural History Museum Rotterdam“ veröffentlicht wurde, liefert einen Kontext für den Fund.

„Beschreibungen von Doppelfehlbildungen bei Walen und Delfinen sind extrem selten“, merkte Erwin Kompanje vom Naturkundemuseum Rotterdam in seiner Studie an. „Uns sind nur neun [andere] veröffentlichte Fälle bekannt.“

Auch wenn die Forscher bedauerten, dass sie den Schweinswal nicht physisch untersuchen konnten, konnten sie anhand der Fotos der Fischer einige Details erkennen.

Die Wissenschaftler können mit Sicherheit sagen, dass es sich um ein neugeborenes Männchen handelte.

Die Rückenflossen waren noch nicht aufgestellt, auf den Schnauzen befanden sich noch Haare und das Tier wies noch eine Nabelschnurnarbe auf. Das deutet darauf hin, dass der Schweinswal kurz nach der Geburt verstarb. Zudem hatte sich der Schwanz noch nicht versteift – eine Entwicklung, die bei Schweinswalen notwendig ist, damit sie schwimmen können.

Im Schnitt zeugen Schweinswale alle ein bis zwei Jahre einen Nachkommen. Zwillinge sind dabei äußerst selten. Weltweit gibt es etwa 700.000 Schweinswale, von denen 345.000 in der Nordsee heimisch sind. Soweit Wissenschaftler das feststellen konnten, wurden bisher aber noch nie Exemplare mit zwei Köpfen gesehen.

Laut der Weltnaturschutzunion stellen unabsichtliche Fänge die größte Gefahr für die Tiere dar. Aus diesem Grund hat die EU Maßnahmen ergriffen, um die Auswirkungen von Fang- und Schleppnetzen auf die Populationen der Schweinswale zu überwachen.

Symmetrische Doppelfehlbildungen wie bei diesem Schweinswal entstehen vermutlich, wenn zwei Embryonen miteinander verschmelzen oder wenn sich eine Zygote nicht vollständig teilt.

Kompanje weist in seiner Studie allerdings darauf hin, dass es uns noch immer an einem vollständigen Verständnis für die Ursache von Doppelfehlbildungen mangelt.

Sarah Gibbens auf Twitter und Instagram folgen.

Wei­ter­le­sen