Tiere

Insektenwelt: Wenn Königinnen zu Bestattern werden

Um ihre Kolonien zu schützen, kümmern sich nicht nur Arbeiter um die Entsorgung ihrer Toten. Donnerstag, 9. November 2017

Ameisen und andere Insekten nutzen oft ihre Mandibeln, um die Leichname in der Kolonie zu entsorgen.
Ameisen und andere Insekten nutzen oft ihre Mandibeln, um die Leichname in der Kolonie zu entsorgen.

Wie sich herausstellt, sind Menschen nicht die einzige Art mit Bestattern. Ameisen, Bienen und Termiten kümmern sich ebenfalls um ihre Toten, indem sie sie aus der Kolonie entfernen oder begraben.

Da diese Insekten dicht an dicht in Gemeinschaften leben und dort vielen Krankheitserregern ausgesetzt sind, ist die Beseitigung der Toten eine Art Krankheitsprävention.

AMEISEN

Arbeiterinnen fungieren in Ameisenkolonien als Bestatter. Sie tragen tote Individuen zu einem Abfallhaufen weit weg von der Kolonie oder in eine besondere Kammer in ihrem Nest. Manche Arten begraben ihre Toten stattdessen auch.

Laut einer neuen Studie in „BMC Evolutionary Biology“ sind neu gegründete Kolonien, die noch keine Arbeiterinnen haben, ein Sonderfall: Die Königinnen der Schwarzen Wegameisen begraben ihre Kolonie-Mitbegründerin, sollte diese sterben. Die überlebende Königin zerteilt den Leichnam und begräbt die Teile dann, sagt der Studienautor und Evolutionsbiologe Chris Pull vom Royal Holloway College der Universität von London.

 „Wenn wir an Ameisenköniginnen denken, stellen wir uns normalerweise diese Monarchinnen vor, die tief in der Kolonie leben und von ihren Arbeiterinnen beschützt werden. Sie beteiligen sich nicht an den riskanten und gefährlichen Aufgaben innerhalb der Kolonie“, sagt Pull. „Unsere Studie zeigt, dass sie die Fähigkeit besitzen, dieses Verhalten zu zeigen.“

Indem sie die Tote begräbt, reduziert die überlebende Königin ihre eigene Überlebenschance um ein Siebenfaches, wie Pull und sein Co-Autor herausgefunden haben. Damit erhöht sie die Wahrscheinlichkeit, dass ihre neu gegründete Kolonie überlebt.

BIENEN

Honigbienen entledigen sich ihrer toten und kranken Individuen sehr schnell. Zuerst berührt die Bestatter-Biene den verstorbenen Artgenossen kurz mit ihren Fühlern, dann greift sie dessen Körper mit ihren Mandibeln und lässt ihn draußen fallen.

Die Art entfernt tote Individuen nicht nur schneller aus der Kolonie als anderen Unrat: Eine Studie in „Animal Behaviour“ aus dem Jahr 1983 fand auch heraus, dass Honigbienen einen eine Stunde alten Leichnam schneller entfernen als einen frischen. Diese kleine Gruppe spezialisierter Arbeiterinnen macht nur ein bis zwei Prozent der gesamten Kolonie aus.

TERMITEN

Die meisten Insekten, die in sozialen Gemeinschaften leben, entfernen ihre Toten aus ihren Nestern und Stöcken – Termiten hingegen graben sie in ihrem Nest ein. Wie andere soziale Insekten können auch Termiten die Veränderungen in der chemischen Signatur nach dem Tod eines Artgenossen wahrnehmen und so schnell feststellen, dass ein Mitglied der Kolonie verstorben ist.

Die Gelbfüßige Bodentermine (Reticulitermes flavipes) kümmert sich schon wenige Minuten nach dem Versterben eines Artgenossen um den Leichnam. Wie auch bei Bienen berührt der Bestatter den Leichnam mit seinen Fühlern, bevor er ihn mit seinen Mandibeln greift.

Laut einer Studie, die 2013 in „Scientific Reports“ veröffentlicht wurde, verhalten sich Gelbfüßige Bodentermiten unterschiedlich, je nachdem, ob der Tote ihrer eigenen Kolonie oder einer eng verwandten Art angehörte.

Bei Toten ihrer eigenen Art war es auch egal, ob sie aus der eigenen oder einer anderen Kolonie stammten – sie wurden in die Vorratskammer gezogen, um ihre Nährstoffe zu verwerten und eine gewisse Hygiene in der Kolonie zu wahren. Gehörte das tote Individuum jedoch der Art Reticulitermes virginicus an, wurde es von Arbeitern an Ort und Stelle begraben, während eine große Gruppe von Soldaten Wache stand.

Für das Begräbnis dieser eng verwandten Art waren zehnmal mehr Termiten nötig als für die Entsorgung der eigenen Toten. Aber dieser zusätzliche Aufwand von Zeit, Energie und Arbeit lohnte sich den Forschern zufolge angesichts der fremden Pathogene.

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