Breitfußbeutelmäuse - Leb wild, stirb jung

Das Leben der männlichen Breitfußbeutelmäuse in Australien ist kurz, aber heftig: Kaum sind sie geschlechtsreif, haben sie Sex, bis sie tot umfallen.

Von National Gegraphic
Bilder Von Joel Sartore

Das Leben der männlichen Breitfußbeutelmäuse in Australien ist kurz, aber heftig: Kaum sind sie geschlechtsreif, haben sie Sex, bis sie tot umfallen.

Schon sechs Monate nach ihrer Geburt sind die spitzmausähnlichen Beuteltiere der Gattung Antechinus ausgewachsen. In den nächsten fünf Monaten beschäftigen sie sich vor allem damit, Insekten zu fressen und Gewicht zuzulegen. Dann folgt eine ein- bis dreiwöchige Phase, in der die Beutelmäuse die meisten Kalorien wieder verbrauchen – durch unablässigen Sex: Die Männchen kämpfen miteinander um die Weibchen, sie paaren sich so oft wie möglich und mit jeder Partnerin, die frei ist.

In dieser Zeit artet der Sex zu purem Stress aus, die kleinen Körper produzieren deshalb massenhaft Cortisol, ein Hormon, das ihnen hilft, Energie freizusetzen. Bei den kämpfenden Männchen kommt eine Testosteronschwemme hinzu. Dieses Hormon bewirkt, dass immer weiter Cortisol ausgeschüttet wird – selbst wenn die Paarungszeit vorbei ist. In kleinen Mengen ist Cortisol nützlich, in größeren Dosen aber giftig. Irgendwann bricht deshalb das Immunsystem der Männchen zusammen. Sie sterben, noch ehe sie ein Jahr alt sind. Die Antechinus-Population halbiert sich dadurch schlagartig – bis die Weibchen ihre Jungen zur Welt bringen. Sechs Monate später geht der hemmungslose Zyklus aus Fressen, Paarung und Tod in die nächste Runde.

HABITAT
Wald und Grassavanne in Australien

STATUS
Von den 15 Arten der Breitfußbeutelmäuse gelten drei als bedroht. Von der kürzlich entdeckten Art Antechinus arctos leben wohl nur noch 500 Tiere.

AUCH INTERESSANT
Die Mäuse der kleinsten Art wiegen rund 14, die schwersten bis zu 200 Gramm.

(NG, Heft 06 / 2016, Seite(n) 162)

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