Die erste schwimmende Windfarm der Welt

Mit ihren schwimmenden Windkrafträdern haben Ingenieure neue Räume für die Erzeugung erneuerbarer Energie gefunden.Donnerstag, 9. November 2017

Die erste schwimmende Windanlage der Welt erobert das Meer
Die erste schwimmende Windanlage der Welt erobert das Meer

Schottland ist bekannt für seine malerischen Highlands samt den Einwohnern mit ihren traditionellen Kilts. Aber nun macht das Land mit der weltweit ersten schwimmenden Windfarm auf sich aufmerksam. Die großen Windkrafträder schwimmen etwa 24 Kilometer vor der Küstenstadt Peterhead in der Nordsee.

Die Windfarm besteht aus fünf großen, über 250 Meter hohen Windkrafträdern, die sich zu etwa 78 Metern unter der Wasseroberfläche befinden.

Verfechter erneuerbarer Energien hoffen, mit diesem neuen Hywind-Projekt auch ein Modell für andere Regionen zu liefern, welche dieselbe Technologie nutzen könnten.

WIE FUNKTIONIERT ES?

Die gewaltigen Windkrafträder wurden in Norwegen von der einheimischen Erdölfirma Statoil zusammengebaut und etwa 1.600 Kilometer gen Süden nach Schottland verschifft. Statoil hat sich für die Produktion dieser riesigen Objekte mit der Firma Masdar der Vereinigten Arabischen Emirate zusammengetan. Jedes der Windkrafträder wird von drei gewaltigen Saugankern am Meeresboden verankert, die 16 Meter hoch und fünf Meter breit sind. Jeder Anker wiegt ungefähr 111 Tonnen und stellt sicher, dass die Windkrafträder aufrecht stehen.

Schon seit den 1990ern hat man Windkrafträder im Wasser installiert, aber diese konnten nur bis zu einer Tiefe von etwa 60 Metern am Boden befestigt werden. Die schwimmenden Windkrafträder in Schottland hingegen sind in einer Tiefe von etwa 78 Metern befestigt und können in Tiefen von bis zu 793 Metern am Meeresboden verankert werden.

Sobald sie einmal aufrecht stehen und in Betrieb genommen werden, verbinden Kabel die Räder mit dem Stromnetz. Laut Statoil können die Turbinen 20.000 Haushalte mit Strom versorgen.

„Es schwimmt zwar, aber es ist ziemlich stabil, wenn es einmal steht“, sagte Elin Isaksen, eine Vertreterin von Statoil.

Sie erklärte, dass Ingenieure im Bereich der Energiewirtschaft seit 2001 am Konzept eines schwimmenden Windkraftrads arbeiteten. 2009 wurde ein einzelner Prototyp gebaut und 2015 begann die schottische Regierung schließlich mit der offiziellen Finanzierung von Statoil, damit die fünf Windkrafträder gebaut wurden, die nun in der Nordsee schwimmen.

Jedes der Räder kann sechs Megawatt in das Stromnetz einspeisen, wodurch das Projekt insgesamt auf etwa 30 Megawatt kommt. Wenn der Strom gerade nicht gebraucht wird, wird er in Lithiumbatterien gespeichert, welch eine Kapazität von mehr als zwei Millionen iPhones haben.

IST DAS DIE ZUKUNFT DER WINDENERGIE?

Im Gegensatz zu Windkrafträdern an Land müssen die schwimmenden Anlagen nicht speziell auf das Terrain zugeschnitten werden, auf dem sie sich befinden. Das bedeutet, dass sie in die Massenproduktion gehen können, was die Produktionskosten senkt.

Trotzdem sind die Kosten noch hoch genug.

Die Installation der fünf Windkrafträder in Schottland hat 200 Millionen britische Pfund gekostet – umgerechnet ungefähr 224 Millionen Euro. Um die Kosten zu decken, war Statoil auf große Zuschüsse der schottischen Regierung angewiesen.

„Schottland hat ein Unterstützungssystem, welches [die Windfarm] ermöglicht hat“, sagte Isaksen.

Das Vereinigte Königreich hat eine Direktive zur erneuerbaren Energie, laut der 30 Prozent des landesweiten Stroms aus erneuerbaren Energiequellen kommen müssen. Laut einem Bericht der schottischen Regierung stammt bereits die Hälfte des Stroms der Region aus solchen Quellen.

Isaksen betont, dass die fünf Windkrafträder in Schottland ein Pilotprojekt sind, von dem sich das Energieunternehmen neue Erkenntnisse erhofft, um die Effizienz zu erhöhen. Sogar noch größere Windkrafträder, die bis zu zwölf Megawatt an Strom erzeugen könnten, werden laut Isaksen schon entworfen. Das momentan größte Windkraftrad der Welt kann „nur“ 9,5 Megawatt an Strom erzeugen. Aber Größe und Effizienz sind in diesem Bereich in den letzten Jahren rasant angestiegen.

Moment gibt es keine konkreten Pläne für weitere Windfarmen, so Isaksen. Aber ihr Unternehmen orientiert sich in Richtung Hawaii, Japan und Kalifornien als nächste mögliche Standorte für diese Windkraftanlagen.

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