Umwelt

Hurrikans: Sturmfluten sind die größte Gefahr

Wenn Tropenstürme auf Land treffen, sollte man sich in erster Linie nicht vor dem Wind, sondern vor ihren Wassermassen in Acht nehmen. Donnerstag, 13 September

Von Sarah Gibbens

Der Hurrikan Florence wird von den Medien schon als Monster bezeichnet. 

In South Carolina werden einige Regionen bereits evakuiert, während die Behörden in North Carolina die Anwohner dazu auffordern, sich vor Freitagmorgen, wenn der Sturm auf Land treffen soll, auf höher gelegene Gebiete zu flüchten. 

Das National Hurricane Center warnt vor „lebensbedrohlichen“ Sturmfluten an mehreren Küstenbereichen von North und South Carolina. Zusätzlich rechnet man mit nicht weniger gefährlichen Überschwemmungen. An einigen Teilen der Küste erwartet man sogar bis zu 100 Zentimeter Regen – nur ein bisschen weniger als die 127 Zentimeter, die letztes Jahr in Houston bei Hurrikan Harvey gefallen sind. 

Zwischen Windgeschwindigkeiten von bis zu 210 km/h, gefährlichem Hochwasser und schon jetzt durchnässten Böden nähert sich Florence unaufhaltsam der Küste, im Gepäck eine ganze Reihe weiterer Gefahren.  

Sturmfluten 

Experten zufolge sind Sturmfluten einer der größten Gefahrenfaktoren.  

„Vor der modernen Technologie gingen die meisten Todesfälle auf Sturmfluten zurück“, erzählt der Meteorologe Joel Cline vom National Hurricane Center der USA. „Heutzutage haben sie das Potenzial, die meisten Todesfälle zu verursachen.“ 

Durch die verbesserte Wetterüberwachung kann man die Menschen Cline zufolge vor hereinbrechen Sturmfluten warnen, bevor sie eintreffen. Sind die Menschen aber erst mal in der Gefahrenzone, sinken ihre Überlebenschancen. 

Bei Sturmfluten handelt es sich um Meerwasser, das von starken Winden landeinwärts gedrückt wird. Im Falle von Florence gibt es verschiedene Prognosen. Wenn die Sturmflut mit der Gezeitenflut einhergeht, rechnet der Meteorologe Jason Samenow von der „Washington Post“ mit einer bis zu vier Meter hohen Flut. Laut Jeff Masters von „Weather Underground“ könnten sogar viereinhalb bis sechs Meter denkbar sein. 

Laut einer Studie aus dem Jahr 2014 von Ed Rappaport, dem stellvertretenden Direktor des National Hurricane Center, gingen knapp die Hälfte der Todesfälle durch atlantische Tropenstürme von 1963 bis 2012 auf Sturmfluten zurück. Als Hurrikan Katrina 2005 über den Südosten der USA zog, waren sie ebenfalls die häufigste Todesursache. Die meisten Menschen ertranken. 

Cline zufolge besteht die einzige Möglichkeit, einer großen Sturmflut zu entkommen, in der Evakuierung von Regionen nahe Küstenlinien und Flüssen. 

Regen 

Auf dem zweiten Platz folgte Regen als Todesursache für 25 Prozent der Hurrikanopfer. 

Florence profitiert von den warmen Wassertemperaturen in seiner Umgebung. Dadurch kann der Hurrikan mehr Feuchtigkeit aufnehmen als Stürme, die sich aus kälteren Luftströmungen speisen. Sobald Florence auf Land trifft, wird er vermutlich langsamer werden und beträchtliche Wassermassen über den Küstenregionen abregnen. Wenn er nach Westen abdreht, wird er Cline zufolge vermutlich auf die Appalachen treffen. Das Gebirge könnte den Sturm nach oben drücken, sodass noch mehr Regen niedergeht. 

Laut Klein könnten Überschwemmungen auch noch eine Gefahr darstellen, nachdem sich der Sturm aufgelöst hat. Das National Hurricane Center rechnet damit, für den südöstlichen Bereich des Landes noch bis Anfang nächster Woche Hochwasserwarnungen herauszugeben. Da ein großer Teil der Region bereits sehr feucht ist, besteht eine erhöhte Chance, dass zusätzliche Regenfälle reißende Ströme bilden. 

Wind

Starke Winde und Tornados, die sich im Umfeld der Hurrikans bilden, sind in Rappaports Studie als Todesursache für etwa 10 Prozent der Sturmopfer aufgeführt. Am Mittwochnachmittag wurde Florence von Kategorie 4 auf Kategorie 3 heruntergestuft. Wenn sich der Sturm über Land bewegt, wird die Windgeschwindigkeit noch weiter sinken. 

Im Rahmen seiner Studie fand Rappaport heraus, dass die meisten Todesfälle durch Wind auf herumfliegende Trümmer und herabfallende Gegenstände zurückgingen.  

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht. 

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