Wissenschaft

Was es bedeutet, ein National Geographic Explorer zu sein

Diese Wissenschaftler, Umweltschützer und Geschichtenerzähler verändern die Welt zum Guten. Mittwoch, 13 Juni

Von Alexandra E. Petri

Jedes Jahr bringt National Geographic Wissenschaftler, Umweltschützer, Entdecker sowie Fotografen und Filmemacher aus der ganzen Welt zusammen, damit sie ihre Entdeckungen, Einsichten und Lösungsvorschläge für eine nachhaltigere Zukunft miteinander teilen können. Erfahrt mehr über das Explorers Festival.

Erin Spencer befand sich noch ihrem Grundstudium der Meeresökologie, als sie die gute Neuigkeit erfuhr. Aufgeregt rannte sie in das Büro ihrer Mentorin.

„Ich bin da reingeplatzt und erzählte ihr, dass ich das Explorer-Stipendium bekommen habe“, sagt Spencer. „Ich hatte eigentlich damit gerechnet, dass ich es mehrmals versuchen muss.“

Mit 19 Jahren wurde Spencer zu einem National Geographic Explorer und so zum Teil einer Gemeinschaft, in deren Reihen sich auch bekannte Größen wie Jane Goodall und Jacques Cousteau tummeln. Spencer hatte sich noch nie zuvor für ein Stipendium beworben. Von dem Explorer-Stipendium erfuhr sie dann im Vorjahr auf dem National Geographic Explorers Festival. Das alljährliche Event bringt von National Geographic geförderte Wissenschaftler, Umweltschützer, Entdecker sowie Fotografen und Filmemacher aus der ganzen Welt zusammen, damit sie ihre Entdeckungen, Einsichten und Lösungsvorschläge für eine nachhaltigere Zukunft miteinander teilen können.

Während Goodall und Cousteau zu den berühmtesten Explorern zählen, haben auch Tausende andere ein Stipendium erhalten.

In den letzten 130 Jahren hat die National Geographic Society mehr als 13.000 Stipendien vergeben und die Arbeit von über 3.000 Explorern gefördert.

Sogenannte „Early Carreer Grants“ wie das Stipendium, das auch Spencer erhalten hat, sind oft der Einstieg für solche Forscher und Entdecker, die mit der National Geographic Society arbeiten möchten, sagt Alex Moen, der Vizepräsident für das Explorer-Programm.

Moen, der seit 17 Jahren der Society angehört, leitet das Team, das neue Explorer sucht und die Community unterstützt. Als Explorer ist man nicht bei der Society angestellt, sondern erhält einfach eine Gelegenheit, eigene Projekte und Feldarbeit mit finanzieller Förderung, Training und Ressourcen der Society zu verfolgen und einer Gemeinschaft von Gleichgesinnten anzugehören.

Ein National Geographic Explorer zu sein, bedeutet aber mehr, als einfach nur der Entdeckungen halber auf Entdeckungsreise zu gehen. Es geht darum, eine Bestimmung vor Augen zu haben.

„Es gibt eine ganze Menge Möglichkeiten für Leute, sich einzubringen, aber ich glaube, grundlegend braucht man [als Explorer] eine gewisse Leidenschaft für das Lernen, Verstehen, Wissen und Teilen“, erklärt Moen.

Außerdem haben viele Explorer das Bestreben, etwas zu beschützen – die Menschen, den Planeten, die Tiere und Pflanzen. „Ich glaube, es sind diese Eigenschaften oder diese Einstellung, die alle National Geographic Explorer haben. Das macht sie zu einem Teil dieses Teams“, so Moen.

Dr. Gladys Kalema-Zikusokas Mission, wilde Tiere und vor allem den vom Aussterben bedrohten Berggorilla zu schützen, machte sie zu einem der neusten Mitglieder in der Explorer Community.

Die 48 Jahre alte Tierärztin, die in Uganda lebt, ist die Gründerin und Leiterin von Conservation Through Public Health. Die gemeinnützige NGO mit Sitz in den USA arbeitet an der Schnittstelle von Wildtierschutz und öffentlicher Gesundheit in Gemeinden rund um afrikanische Naturschutzgebiete. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem Bwindi-Regenwald in Uganda, der Schätzungen zufolge die Hälfte alle weltweiten Berggorillas beherbergt.

In den letzten sechs Monaten haben Dr. Kalema-Zikusoka und ihr Team die Fördermittel der Society genutzt, um die Initiativen ihrer Organisation auf neue Gebiete rund um den Bwindi-Regenwald auszuweiten, in denen es vermehrt zu Konflikten zwischen Menschen und Gorillas kommt.

„Ein Teil der [Explorer] Community zu sein, hilft mir dabei, meiner Leidenschaft nachzugehen, mehr über Gorillas und andere Tiere zu lernen und mit lokalen Gemeinden zusammen  Naturschutz-Initiativen zu verwirklichen, die den vom Aussterben bedrohten Berggorillas eine bessere Zukunft ermöglichen“, sagt sie.

Außerdem versorgt das Explorer-Programm der Society Kalema-Zikusoka und ihr Team mit zusätzlichen Werkzeugen für ihre Arbeit, darunter Kameras und Fortbildungsmöglichkeiten, um sich mit anderen Explorern auszutauschen und effektiver über ihre Arbeit zu informieren.

Weiterbildungsmöglichkeiten, Kompetenzentwicklung und berufliche Weiterentwicklung seien ein wichtiger Teil des Explorer-Daseins, so Moen.

„Es geht nicht nur darum, den Leuten den Titel des National Geographic Explorers zu verleihen“, sagt er. „Wir wollen ihnen auch die Werkzeuge und Fähigkeiten mitgeben, die ihnen dabei helfen, sich als Anführer weiterzuentwickeln. Wie stellen wir ihnen nicht nur Ressourcen und finanzielle Mittel zur Verfügung, sondern wie können wir sie auch im Bereich des Geschichtenerzählens, des Umweltschutzes und in anderen Bereichen ausbilden?“

Für Spencer war das erste Stipendium 2012 der Katalysator, der sie dazu brachte, ihre wissenschaftliche Karriere mit vollem Einsatz zu verfolgen.

„Ich habe Wissenschaft schon immer gemocht und ging davon aus, dass sie ein Teil meines Berufs sein würde. Aber ich hätte nie gedacht, dass ich mal eine Wissenschaftlerin werden würde“, sagt Spencer. „Dadurch, dass ich ein Explorer wurde, begriff ich, wie sehr ich die investigative Seite [der Wissenschaft] und die Forschung liebe.“

Heute, sechs Jahre später, studiert Spencer an der UNC Chapel Hill weiter Meeresökologie. Vor Kurzem erhielt sie zum dritten Mal Förderung von der National Geographic Society, um herauszufinden, ob es an der Atlantikküste einen regionalen Trend zur falschen Beschriftung von Fisch gibt. Im Rahmen ihrer Forschung reiste Spencer von North Carolina bis nach Florida und sammelte Proben aus Sushiläden, Supermärkten und Restaurants, die allesamt als Roter Schnapper deklariert wurden.

Schlussendlich möchte sie für das Problem sensibilisieren und Konsumenten mit Werkzeugen und Methoden ausstatten, mit deren Hilfe sie falsch beschrifteten Fisch meiden können.

Im Zuge ihrer Probensammlung lernte Spencer auch ein paar neue Wege, den übriggebliebenen Fisch zuzubereiten. „Ich habe aktuell fast drei Kilogramm Fisch in meinem Gefrierschrank“, sagt sie lachend.

 

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