Wissenschaft

Zwischen Farbpracht & Camouflage: Schmetterlingsfarben entschlüsselt

Schmetterlingspuppen müssen tagelang reglos in der Wildnis verharren. Ihr einziger Schutz: eine gute Tarnung.Donnerstag, 18. Juli 2019

Von Liz Langley
Der Glanz dieser goldgelben Schmetterlingspuppen der Weißen Baumnymphe dient der Tarnung.

Man stelle sich vor, man müsste mehrere Tage allein in der Wildnis verbringen, umgeben von allerhand Getier, das auf der Suche nach der nächsten Mahlzeit ist. Noch dazu ist man völlig wehrlos, weil man sich nicht bewegen kann. Für Schmetterlinge gehört diese Phase zum Leben – und sie haben gelernt, das Beste daraus zu machen.

Die Weiße Baumnymphe (Idea leuconoe) ist ein asiatischer Falter, der durch die kunstvollen schwarzen Linien und Punkte auf seinen weißen bis gelblichen Flügeln auffällt. Die Puppe, in der die Raupen dieser Art ihre Metamorphose vollziehen, ist allerdings noch auffälliger: Sie glänzt ein einem kräftigen Goldgelb, auf dem ebenfalls schwarze Punkte leuchten.

Warum genau der Kokon in gerade diesen Farben erstrahlt, ist nicht bekannt. Aber zumindest für sein Schimmern hat die Biologin Katy Prudic von der Oregon State University in Corvallis eine Erklärung: Es dient der Tarnung.

Der Glanz soll insbesondere Fressfeinde täuschen, denn er mache die Puppe „in einer komplexen Umgebung schwer zu entdecken“, so Prudic. Für einen hungrigen Vogel könnte sie sogar einfach wie ein Wassertropfen aussehen.

Wehrlose Puppen

Gute Tarnung ist für Insektenpuppen überlebenswichtig. Wenn sich die werdenden Schmetterlinge in diesem Stadium befinden, können sie sich nicht bewegen und laufen leicht Gefahr, gefressen oder von Parasiten befallen zu werden. „Sie sind leichte Beute“, so Prudic.

Der Große Schwalbenschwanz (Papilio cresphontes) ist ein weiteres Beispiel für eine ausgeklügelte Tarnung. Die Puppe ähnelt optisch der Rinde jener Bäume, in denen sie zu finden – oder sieht ein bisschen wie eine Schlange aus, je nachdem, von welchem Winkel man sie betrachtet.

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Schon die Raupen des Großen Schwalbenschwanzes verlassen sich auf ihre unappetitliche Tarnung: Sie sehen aus wie Vogelkot und wirken für Fressfeinde daher nicht gerade wie eine leckere Mahlzeit.

Der Kokon des Monarchfalters (Danaus plexippus) ist grün und mit goldenen Punkten und Bändern verziert, um inmitten der Blätter nicht aufzufallen.

Farbvorteil

Auch ausgewachsene Schmetterlinge setzen ihre Farben geschickt ein – nicht nur zur Tarnung, sondern auch als Warnung.

Monarchfalter fallen beispielsweise durch ihr leuchtendes Orange mit dem charakteristischen schwarzen Muster auf – ein klares Signal an potenzielle Fressfeinde, dass es sich um ein giftiges Tier handelt, das nicht besonders schmackhaft ist.

Eine andere Art namens Limenitis archippus hat sich auf die Nachahmung des Monarchfalters spezialisiert, um sich Fressfeinde vom Leib zu halten, wie Prudic erklärt.

Ein besonders eindrucksvolles Gewand trägt auch der Blaue Morphofalter (Morpho peleides), der in den Regenwäldern Mittel- und Südamerikas heimisch ist.

Mit ihrer leuchtend blauen Farbe kommunizieren die Schmetterlinge untereinander.

Die strahlend blauen Flügel „dienen zur Kommunikation mit anderen Schmetterlingen und werden zur Balz und Paarung präsentiert“, sagt sie.

Die Unterseite der Flügel ist hingegen in einem schlichten Braun gehalten und verfügt über Augenflecken, die Fressfeinde verwirren sollen.

Mehr als das Auge sieht

Was wir als bunte Schmetterlingsfarben wahrnehmen, ist manchmal nur ein Trick des Lichts. Bei einigen Insektenfarben handelt es sich zwar durchaus um echte Pigmente, aber in manchen Fällen nehmen wir eine sogenannte Strukturfarbe wahr, die entsteht, wenn nur bestimmte Teile des einfallenden Lichts von einer Struktur reflektiert werden.

Wenn man Blau, Lila oder Weiß auf einem Schmetterling sieht, dann sind das Strukturfarben, während es sich bei Orange, Gelb und Schwarz um Pigmentfarben handelt, erklärt Prudic.

„Die Nanostruktur des Chitins an den Flügeln beeinflusst, welches Licht auf welche Weise reflektiert wird“, sagt sie.

Dadurch entsteht laut Prudic auch das Schillern der Flügel – also die unterschiedlichen Farben, die man aus verschiedenen Blickwinkeln sehen kann.

Raupen-Diät

Auch für einige Schmetterlingsarten gilt: Man ist, was man isst. Pflanzenstoffe namens Flavonoide, die in den Blättern, Blüten und Samen von Pflanzen vorkommen, können sich auf die Puppenfarbe einiger Arten auswirken, erklärt Prudic.

Der schwarzweiße Tagfalter Protographium marcellus frisst im Raupenstadium die Blätter von Papaugewächsen – ihre frische Puppe weist ein eben solches Grün wie das dieser Blätter auf.

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

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