Umwelt

Grenzmauer bedroht Schmetterlingsschutzgebiet

In diesem 40 Hektar großen Schutzzentrum lebt eine der dichtesten Schmetterlingspopulationen der USA.Mittwoch, 20. Februar 2019

Von Sarah Gibbens
Ein Schmetterling der Art Melanis pixe ruht sich im National Butterfly Center in Mission, Texas, aus.

Auf einem rund 10 Kilometer langen Stück entlang der texanisch-mexikanischen Grenze sollen noch Ende des Monats die Bauarbeiten beginnen. Doch Umweltschützer kämpfen mit allen verfügbaren Mitteln vor Gericht gegen den Wall aus Stahl und Beton, bevor es für das National Butterfly Center zu spät ist. Das Privatland gehört der North American Butterfly Association (NABA) und schon bald könnte die Grenzmauer mitten hindurch führen.

Das Center wurde vor 17 Jahren auf einem 40 Hektar großen Landstück südlich von Mission, Texas gegründet. Mission liegt am Rio Grande, eine Autostunde nördlich von der Südspitze des Bundesstaates.

"Bevor die NABA das Landstück kaufte und zum Schmetterlingszentrum machte, befand sich dort eine Zwiebel-Farm", sagt Executive Director Marianna Treviño-Wright. Seitdem hat das Center daran gearbeitet, das Areal mit einheimischen und gefährdeten Pflanzenarten zu renaturalisieren, die den Schmetterlingen als Nektarquelle dienen.

Im unteren Rio Grande Valley findet man eine der größten Schmetterlingsdichten der USA vor – sowohl, was die Anzahl der Einzeltiere als auch der Arten angeht. Der legendäre Monarchfalter ist nur einer davon. Dank der Geographie des Tals gibt es hier 11 verschiedene ökologische Regionen und eine große Bandbreite an Blühpflanzen. Diese Pflanzen bedingen das Vorhandensein der verschiedenen Schmetterlingsarten, da die Tiere von ihrer Nahrungsquelle abhängig sind.

„Jede Art ist fest an eine oder zwei Pflanzenarten gebunden“, erklärt Treviño-Wright. „Wenn ihre Wirtspflanze verschwindet, verschwinden auch die Schmetterlinge.“

Enteignung des Schmetterlingslandes

Treviño-Wright und andere Umweltschützer machen sich Sorgen, dass die Schmetterlinge durch den Mauerbau verschwinden werden. In vielen Grenzregionen steht die Mauer nicht einfach entlang einer Linie zwischen den USA und Mexiko. In vielen Fällen, wie auch in dem, der das Zentrum betrifft, wird die Mauer ein paar Kilometer nördlich der Grenze auf US-Territorium errichtet.

Viele Naturschutzgebiete könnten so durchschnitten werden. Die Gebiete, die unter bundesstaatlicher Aufsicht geführt werden, können dem kaum etwas entgegensetzen, da das Land bereits der Regierung gehört. Theoretisch könnte der Gouverneur von Texas, Gregg Abbott, gegen den Mauerbau dort eingreifen. Experten gehen jedoch davon aus, dass dies bei dem eher rechts orientierten Gouverneur ein unwahrscheinliches Szenario ist.

Um die Rechte über Privatbesitz, wie am Beispiel des National Butterfly Centers zu erhalten, kann das Innenministerium (DHS) die Enteignung anordnen. Dieser Vorgang erlaubt es der Regierung, zum Wohl der Allgemeinheit – in diesem Fall Sicherheit –  privates Landeigentum in Besitz zu nehmen. Sie muss dem Eigentümer jedoch einen Ausgleich in einer Höhe zahlen, die sie für angemessen hält.

Diejenigen, die gegen die Enteignung durch das DHS klagen, gewinnen nur selten „und das lässt nur wenig Spielraum“, meint Raul Garcia, ein beratender Anwalt der Umweltorganisation EarthJustice. 

Im Oktober 2018 reichten das Center for Biological Diversity und Defenders of Wildlife Klage gegen das DHS ein, um die Errichtung der Grenzmauer zu stoppen. Die Begründung war eine Verletzung des Endangered Species Act (Gesetz zum Schutz bedrohter Arten).

Garcia ist der Ansicht, dass die Zukunft des Zentrums ungewiss ist und sie sowohl von dem Richter abhängt, der den Fall zugeteilt bekommt, sowie den nächsten Schritten des Trump-Kabinetts.

Treviño-Wright berichtet, dass dem Zentrum noch kein Gerichtstermin bekannt gegeben wurde.

Geteiltes Land bringt Nachteile für die Natur

Am 3. Februar, dem Super-Bowl-Sonntag, konnte Treviño-Wright beobachten, wie die ersten Baumaschinen über das Land des Zentrums fuhren und auch schon während des vergangenen Jahres, waren immer wieder Gutachter dort zugange.

Die Errichtung der Mauer im Landesinneren führt geradewegs mitten durch das Naturschutzgebiet.

„Bei der Enteignung dürfen sie nur so viel Land nehmen, wie zur öffentlichen Nutzung benötigt wird“, sagt Garcia. „Im Falle des Schmetterlings-Zentrums bedeutet das, dass sie das Land in der Mitte enteignen und die Bereiche zu beiden Seiten der Mauer weiterhin dem Zentrum gehören.“

„Wir werden ein Tor mit elektronischem Codeschloss benötigen“, sagt Treviño-Wright. Dieses Tor ermöglicht es ihnen, Zugang zu beiden Teilen des Lands zu bekommen, wenn die Mauer steht. Und sie sind nicht die einzigen. Ihre Nachbarn – unter anderem eine katholische Kirche, ein Campingplatz und Privathäuser – werden ebenfalls Zugang durch ein Tor brauchen.

Die U.S. Customs and Border Protection (Zoll- und Grenzschutz der USA) antwortete auf die Nachfrage von National Geographic in einer Email Folgendes: „CBP kommentiert laufende Verfahren grundsätzlich nicht. Die Nicht-Kommentierung kann jedoch nicht als Zustimmung zu oder Anerkennung der Vorwürfe gewertet werden. Unser ausgebildetes Personal handelt infolge des Auftrags des Innenministeriums zum Schutz unserer Gesetze, und um den Schutz und die Sicherheit unserer Nation zu gewährleisten.“

Was soll aus den Schmetterlingen werden?

„Zerstört man ihren Lebensraum, zerstört man auch die Nahrungs- und Fortpflanzungsgrundlage [der Schmetterlinge]“, erklärt Treviño-Wright.

Schmetterlinge sind, wie Bienen, wichtige Bestäuber, ohne die die Pflanzenwelt nicht wachsen und gedeihen kann, fügt sie hinzu. Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass sie einfach über die Mauer fliegen können. Viele Arten steigen nur bis zu knapp zwei Metern in die Luft auf. Flutlicht, das nachts auf der Mauer eingesetzt wird, kann ihnen und anderen Tieren außerdem die Orientierung rauben.

Die Südspitze von Texas ist biologisch gesehen sehr vielfältig. Hier finden sich sogar Tiere wie der Ozelot, die sonst nirgendwo in den USA vorkommen. Umweltschützer haben die Befürchtung, dass ihr Lebnsraum durch die neue Mauer noch mehr mit Barrieren durchzogen wird, die die Wanderrouten der Tiere und ihre Suche nach Nahrung und Paarungspartnern beeinträchtigen.

„Sie ziehen sich wie die Perlen an einer Schnur am Rio Grande entlang“, gibt Treviño-Wright über die Naturschutzgebiete des Tals an. „Einige der schönsten Tiere des Landes leben hier.“

 

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