„Vierfachregenbogen“ ist nicht, was er scheint

Ein Bild aus Long Island zeigt vier Regenbögen am Himmel. Allerdings ist die Sache nicht ganz so einfach …Mittwoch, 28. August 2019

An einem Bahnhof im Bundesstaat New York fotografierte eine Frau auf dem Weg zur Arbeit diese vier Regenbögen.
An einem Bahnhof im Bundesstaat New York fotografierte eine Frau auf dem Weg zur Arbeit diese vier Regenbögen.
bild Amanda Curtis, Nineteenth Amendment

Einen doppelten Regenbogen hat der ein oder andere sicher schon mal gesehen, aber einen vierfachen Regenbogen? Ein vermeintliches Exemplar dieser seltenen Art versetzte das Internet 2015 in Aufruhr. Technisch gesehen handelte es sich dabei allerdings um zwei doppelte Regenbögen.

Auf ihrem Weg zur Arbeit postete Amanda Curtis ein Bild von vier vermeintlichen Regenbögen über dem Bahnhof Glen Cove auf Long Island im US-Bundesstaat New York. Neben großer Begeisterung löste das Bild auch eine gewisse Skepsis aus, aber Wissenschaftler bestätigen, dass es absolut möglich ist, vier Regenbögen so dicht beieinander zu sehen.

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„Was man [auf dem Foto] tatsächlich sieht, sind zwei versetzte Doppelregenbögen“, sagte Raymond Lee, ein Meteorologe der U.S. Naval Academy in Annapolis, Maryland.

Bei den beiden kräftigeren Bögen handelt es sich um den Hauptbogen und dessen Nebenbogen. Die blasseren Regenbögen weiter oben am Himmel sind das Ergebnis von Sonnenlicht, das von einer Wasseroberfläche hinter der Fotografin reflektiert wird, sagte Lee. Ein kurzer Blick auf Satellitenbilder ergab laut dem Meteorologen, dass zwei Buchten infrage kommen, die für die Reflexion verantwortlich sein könnten: Oyster Bay und Hempstead Bay.

Wie entstehen Regenbögen?

Ein Regenbogen entsteht durch die Brechung von Sonnenlicht in Regentropfen, die wie ein Prisma wirken. Zu einem Doppelregenbogen kommt es, wenn das Sonnenlicht, das schon die erste Reflexion erzeugt, innerhalb einiger Tropfen zweimal reflektiert wird.

Die beiden Doppelregenbögen gelten damit nicht als echter Vierfachregenbögen, die enorm selten auftreten, wie Lee erzählte. Seit dem Jahr 1700 gab es nur vier oder fünf wissenschaftlich dokumentierte Sichtungen von Dreifach- oder Vierfachregenbögen, sagte er.

Vierfachregenbögen entstehen, wenn Sonnenlicht viermal in den Regentropfen reflektiert wird. Mit jeder Brechung wird die Lichtmenge reduziert, weshalb Dreifach- und Vierfachregenbögen sehr blass sind.

Damit ein solches Phänomen zustande kommt, sind ganz bestimmte Bedingungen nötig: direktes Sonnenlicht in Kombination mit sintflutartigen Regenfällen. „In der Wolkendecke muss während des Starkregens zufällig ein Loch entstehen“, sagte Lee.

Außerdem muss man als Betrachter zur Sonne gucken, um einen Vierfachregenbogen zu sehen, da diese sich gegenüber von den Haupt- und Nebenbögen bilden. „Die optischen Vorbedingungen bedeuten, dass wir ziemlich schlechte Chancen haben, je einen Dreifach- oder Vierfachregenbogen zu sehen.“

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

 

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