Ein schwimmender Urzeitjäger erwacht zum Leben

Folgt den Spuren der Wissenschaftler und erfahrt mehr über das größte Raubtier, das je im Wasser gelebt und gejagt hat.

Monday, May 4, 2020,
Von Jason Treat, Mesa Schumacher
Spinosaurus-Animation
Spinosaurus-Animation
Mithilfe seines paddelartigen Schwanzes manövrierte ein Spinosaurus aegyptiacus vor über 97 Millionen Jahren in einem Flusslauf im heutigen Marokko. Neu entdeckte Fossilien zeigen, dass der Schwanz des Tieres bestens zum Schwimmen geeignet war – was die Theorie untermauert, dass der Spinosaurus den Großteil seiner Zeit im Wasser verbrachte. (Model: Davide Bonadonna und Fabio Manucci; Animation und Texturierung: Fabio Manucci; Farbgestaltung: Davide Bonadonna, Di.Ma. Dino makers; Wissenschaftliche Betreuung: Simone Maganuco und Marco Auditore; Rekonstruktion basierend auf: Nizar Ibrahim und weitere, „Nature“, 2020).

Wenige Fossilien

Vor dem Jahr 2014 lagen den Forschern nur eine Handvoll Schwanzknochen von Spinosaurus zur Untersuchung vor. Ihre Theorie ließ vermuten, dass der Schwanz des Theropoden – wie auch bei anderen Vertretern seiner Gruppe – hauptsächlich dazu diente, die nach vorne orientierte Körpermitte auszubalancieren. Die Wissenschaftler gingen davon aus, dass der Schwanz deswegen eher unbeweglich war und bei der Fortbewegung im Wasser nur eine untergeordnete Rolle spielte. Die Hauptarbeit verichteten ihrer Annahme nach die Beine, wenn Spinosaurus durch seichte Gewässer kroch und watete.

(Exklusiv | Spinosaurus schreibt Geschichte: Der erste schwimmende Dinosaurier der Welt)

 

Quelle: Nizar Ibrahim, University of Detroit Mercy.

Bild National Geographic

Knochenarbeit, die sich auszahlt

Im Jahr 2018 wurden bei Ausgrabungen in Marokko weitere 131 Knochenfragmente gefunden, darunter 36 Wirbel. Das veränderte unsere Sicht auf den Schwanz von Spinosaurus grundlegend.

Quelle: Nizar Ibrahim, University of Detroit Mercy.

Bild National Geographic

Länger und beweglicher

Der jüngste Fund verschafft ein wesentlich genaueres Bild vom Schwanz des Dinosauriers. Er ist deutlich länger und wesentlich weniger steif, als bislang angenommen. Das deutet darauf hin, dass der Schwanz für viel Schub bei der Fortbewegung im Wasser sorgte. 

Quelle: Nizar Ibrahim, University of Detroit Mercy.

Bild National Geographic
3D-Animation eines Spinosaurus
Die Videoanimation zeigt ein 360°-Modell eines Spinosaurus. (Model: Davide Bonadonna und Fabio Manucci; Animation und Texturierung: Fabio Manucci; Farbgestaltung: Davide Bonadonna, Di.Ma. Dino makers; Wissenschaftliche Betreuung: Simone Maganuco und Marco Auditore; Rekonstruktion basierend auf: Nizar Ibrahim und weitere, „Nature“, 2020)

Studien belegen, dass der Schwanz bis zu achtmal mehr Kraft besaß als bei anderen Theropoden, wodurch Spinosaurus gegen starke Strömungen anschwimmen und ruckartig beschleunigen konnte, um seine Beute zu fangen.

Animation: Schwimmender Spinosaurus
Die Videoanimation zeigt einen Spinosaurus beim Schwimmen im Meer. (Model: Davide Bonadonna und Fabio Manucci; Animation und Texturierung: Fabio Manucci; Farbgestaltung: Davide Bonadonna, Di.Ma. Dino makers; Wissenschaftliche Betreuung: Simone Maganuco und Marco Auditore; Rekonstruktion basierend auf: Nizar Ibrahim und weitere, „Nature“, 2020)

Prähistorische Sümpfe

Vor 95 Millionen Jahren besaß Nordafrika ein artenreiches und ausgedehntes Flusssystem. 1912 entdeckte Ernst Stromer als erster ein Spinosaurus-Fossil in Ägypten; die jüngsten Funde stammen aus Marokko.

Karte: NG Staff. Quelle: Ron Blakey, Colorado Plateau Geosystems.

Bild National Geographic

Das Puzzle fügt sich zusammen

Zu Beginn der Forschung gaben nur wenige Fossilien Aufschluss über das mögliche Aussehen von Spinosaurus und tiefgründiges Wissen über Dinosaurier im Allgemeinen war quasi nicht existent. Weitere Funde lieferten immer mehr Puzzleteile zu unserer Vorstellung, wie Spinosaurus aussah, bis wir schließlich zum heutigen Bild des im Wasser lebenden Dinosauriers gelangten. 

Quelle: Nizar Ibrahim, University of Detroit Mercy.

Bild National Geographic

Quelle: Nizar Ibrahim, University of Detroit Mercy. Karte: NG Staff. Quelle: Ron Blakey, Colorado Plateau Geosystems.

 

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