Tasmanien & Südaustralien

Südaustralien: Wecke deine Abenteuerlust im Outback!

Von Adelaide ins Outback: eine Reise in die große Weite, eine unterirdische Stadt und ein Gourmetrestaurant im Nirgendwo. Donnerstag, 20 Dezember

Von Don Fuchs

Autor Don Fuchs war auf großer Entdeckungstour von Adelaide über die Flinders Ranges, Parachilna und Coober Pedy. Er erzählt begeistert davon, wie er vor der Morgendämmerung auf den Lake Gairdner, einen der großen Salzseen Südaustraliens, wanderte und sich bei Sonnenaufgang die Wolken wie in einem riesigen Spiegel abbildeten. „Kaum zu fassen“, sagt er, „ich war ganz allein in dieser gewaltigen Landschaft.“ Doch das ist nur eines seiner Highlights: In seinem Reisebericht nimmt er euch mit auf sein ganzes Abenteuer. Die Reise kann beginnen ...

„Willst du mitkommen, Schafe zählen?“, fragt mich Ian Fargher, der Besitzer der Angorichina Station in den Flinders Ranges. Sein löchriger Filzhut ist nach hinten geschoben. Verschwitzte Haare kleben an der Stirn, tiefe Lachfalten zieren seine verschmitzten Augen. In ihm steckt der larrikin – so nennt man in Australien jemanden mit einem lausbubenhaften Charakter. Eine halbe Stunde später bin ich in der Luft, in seiner Cessna. Auf der Farm fast von der Größe Hamburgs werden Schafe vom Flugzeug aus gezählt. Das vergesse ich allerdings sehr schnell und klebe am Fenster wie ein Kind vor dem Spielwarenladen. Unter mir liegt eine uralte Landschaft, die der südaustralische Landschafts-maler Hans Heysen „die entblößten Knochen der Erde“ nannte. Wir gleiten über die Felsschüssel des Wilpena Pound und den schrundigen Krokodilrücken der ABC Range, beide Teil des Flinders Ranges National Park. Unter mir breitet sich 800 Millionen Jahre Erdgeschichte aus: einstiger Meeresboden, aufgefaltet zu einem Hochgebirge, dann durch Erosion gestutzt zu kargen Bergstümpfen.

Mit einem Allradfahrzeug verließ ich die Stadt in Richtung Norden. Hinter den Weinanbaugebieten des Barossa Valley und des Clare Valley nahm das Land einen goldenen Ton an.

In Jamestown, einem Landstädtchen mit hübschen alten Häusern und Pubs entlang der Hauptstraße, verriet mir der Blick auf die Karte: Das bisher dichte Straßennetz würde nun immer dünner werden. Kurz hinter der Stadt überfuhr ich die Goyder Line, 1865 definiert vom Generalinspekteur George Goyder. Sie markiert, wo Landwirtschaft noch möglich ist und wo das Outback beginnt. Die Landschaft dehnte sich, darüber erstreckte sich ein enormer Himmel mit flauschigen Wolkenbäuschen. Was für ein Kontrast! Vor vier Tagen fuhr ich in Adelaide noch mit der Tram zum Strandvorort Glenelg. Saß auf dem Steg, um die Sonne ins Meer gleiten zu sehen. Das Wasser war vom Wind zerzaust, es roch nach Seetang. Von hier bis zur Antarktis ist nicht mehr viel außer Meer. Die südaustralische Hauptstadt liegt zwischen zwei Wüsten: den Weiten des Südlichen Ozeans und dem Outback in Norden.

Ich verlor mich im monotonen Rhythmus der B80. Welliges Land, so weit ich blicken konnte. Hawker mit seinen imposanten, mehrstöckigen Pubs war der nächste nennenswerte Ort. Einst verlief die berühmte Bahnstrecke des Fernzugs The Ghan von Adelaide nach Alice Springs durch die Stadt, mit der Eröffnung einer neuen Trasse 1980 fiel sie in einen Dornröschenschlaf. Eine Weile danach rückte die schroffe Silhouette der Flinders Ranges ins Bild.

Südaustraliens größtes Gebirge zieht sich vom Spencer Gulf wie ein Boomerang in einem weiten Bogen nach Norden bis nahe der gigantischen Salzpfanne des Lake Eyre.

Am Abend nach unserem Rundflug nimmt Fargher mich erneut mit, diesmal im Allradfahrzeug. Ein paar Kilometer westlich von Angorichina liegt der ehemalige Bergwerksort Blinman. Ein paar historische Häuser mit durchhängenden Veranden säumen die Hauptstraße: die Kulisse einer Westernstadt. Davor parken Autos, alle von Staub bedeckt. 1859 fand der Schäfer Robert Blinman hier durch Zufall Kupfererz, das bald in größerem Stil abgebaut wurde. Heute leben noch 17 Menschen in Blinman, und alle scheinen sich an diesem Freitag im North Blinman Hotel zu treffen. Es ist Pizza-Abend, und Farmer der Umgebung mischen sich mit Touristen, plaudern, trinken. Das Hemd meines Begleiters ist verschwitzt, die Jeans sind dreckig, aber niemand stört sich daran. Die Angorichina Station liegt fast im Zentrum der Flinders Ranges. Adelaide ist 500 Kilometer entfernt, es könnten Lichtjahre sein. Ich quartiere mich in den Shearer’s Quarters ein, ein Ensemble von weiß getünchten Steingebäuden aus den 1850er-Jahren. 

Von Blinman führt eine ungeteerte Straße in die Parachilna Gorge. Wilde, rote Klippen kontrastieren mit dem blassen Geröllbett des Oratanga Creek. Uralte, knorrige Eukalypten säumen den ausgetrockneten Bach. Ein paar Emus sausen über die Trasse, als ich am nächsten Nachmittag losfahre, um die Schlucht zu erkunden. Dort angekommen, sehe ich plötzlich eine huschende Bewegung: Wallabys! Eine Gruppe der gefährdeten Tiere hat hier ihr Refugium gefunden.

Nach fünf Kilometern öffnet sich die Schlucht, ich rolle in die baumlose Unendlichkeit hinaus. Ein Gefühl der Schutzlosigkeit macht sich breit, bis ich in wenigen Minuten das winzige Kaff Parachilna erreiche – und staune: Gelächter und das Klirren von Gläsern wehen durch die warme Luft. Gäste sitzen an Tischen aus Weinfässern. An der Bar komme ich kaum durch, um mir ein Bier zapfen zu lassen. Happy Hour im Prairie Hotel.
In den Weiten des südaustralischen Outbacks muss man große Sprünge machen. Von Parachilna zu Südaustraliens wohl berühmtestem Ort Coober Pedy sind es 530 Kilometer.

Die Staubfahne, die mein Auto aufwirbelt, steht minutenlang über der Piste, dem Oodnadatta Track. Die Stadt liegt in einer trostlosen, sonnenverglühten Einöde.

Flache Häuser, oft nicht mehr als Schuppen, ducken sich unter der brutalen Sonne. Im Sommer sind 40 Grad ganz normal. Trotz dieser Widrigkeiten leben rund 1900 Menschen in Coober Pedy. Das liegt allein an einer Laune der Natur: Verfestigte Kieselsäure lagerte sich in Hohlräumen ab und bildete den Regenbogenstein Opal. Etwa 80 Prozent der Weltproduktion von Schmuckopalen kommt aus Coober Pedy. Vieles ist anders hier. Viele Leute leben unter Tage, selbst Kirchen, Hotels, Restaurants und Kunstgalerien befinden sich unter der Erdoberfläche.

Nach so viel Einsamkeit wirkt Adelaide besonders lebendig. Ich wundere mich über das fantastische Nebeneinander von alten Sandsteingebäuden und moderner gläserner Bürohaus-Architektur. Zu den schönsten Gebäuden gehören die Central Markets. Seit 1869 werden in den Hallen landwirtschaftliche Produkte der Umgebung verkauft. Heute bieten hier mehr als 70 Händler feinsten Käse, zudem Wild, Geflügel, Wein und gerösteten Kaffee an. 

Einwanderer haben Adelaide und sein vielfältiges kulinarisches Angebot geprägt: In den Restaurants von Chinatown kochen Asiaten, in der Rundle Street im Osten sind es Italiener, Mexikaner und Deutsche. Entworfen wurde die Stadt am Zeichenbrett in Großbritannien, der früheren Kolonialmacht. Um den Stadtkern liegt ein großzügiger Grüngürtel aus Parks und Gärten. Im Botanischen Garten spaziere ich unter alten exotischen Bäumen und über gepflegten grünen Rasen. Plötzlich überfällt mich ein Gefühl der Sehnsucht: nach Freiheit, Helligkeit und dem süßen Geschmack von Staub.

Reiselust geweckt? Diese Tipps erleichtern euch die Planung:

Reisedauer & Mobilität

Für die Rundtour von Adelaide über die Flinders Ranges, Parachilna und Coober Pedy sollte man gut zwei Wochen einplanen. Um die Flinders Ranges und das Outback zu erkunden, ist ein Allradfahrzeug unerlässlich.

Unterkünfte

Adelaide Mayfair Hotel | Elegantes Hotel im Stadtzentrum mit Rooftop Bar und Restaurant. Jeden Nachmittag wird hier nach eng­lischem Vorbild der High Tea serviert 

Angorichina Station | Auf der Schafstation kann man entweder exklusiv in der historischen Homestead oder in den rustikalen Shearer’s Quarters übernachten 

Parachilna Prairie Hotel | Outback-Bar und Restaurant, in dem man deftige Spezialitäten wie Känguruschnitzel bekommt. Von Mitte Dezember bis Mitte Februar geschlossen 

Coober Pedy Dug Out B&B | Hier über­nachtet man, wie es sich in dieser Siedlung gehört: unter Tage. Die rauen Felswände der Zimmer sind ein reizvoller Kontrast zur eleganten Einrichtung

Touren

Nilpena Station Fossil Tour Experten ­begleiten Besucher zu der sonst für die Öffentlichkeit gesperrten Fundstätte von ­Fossilien. Buchbar im Prairie Hotel.

Rundflüge 

Gleißend helle Salzseen, ikonische Outbackorte, uralte Wüstengebirge und die Unendlichkeit des südaustralischen ­Outback kann man von Parachilna aus mit Fargher Air erleben.

Mehr Reise-Informationen unter de.southaustralia.com

 

In Partnerschaft mit Tourism Tasmania und South Australian Tourism Commission