Tasmanien & Südaustralien

Tasmanien: Australiens Wildeste Insel

Regenwälder, Buchten mit spektakulär schönen Stränden, Gletscherseen und Wasserfälle – Tasmanien stand lange nur für wilde Natur. Jetzt kommt hinzu: spektakuläre Kultur in der Hauptstadt Hobart. Donnerstag, 20 Dezember

Von Julica Jungehülsing
Bilder Von GULLIVER THEIS

Könnt ihr euch schlecht zwischen Städtetrip und Wanderurlaub entscheiden? Ausgezeichnet! Australiens größte Insel bietet nämlich gleich beides. Autorin Julica Jungehülsing zeigt euch atemberaubende Ausblicke, spektakuläre Küsten und eine pulsierende Hauptstadt. Die Reise beginnt ...

Mitten in Tasmaniens Hauptstadt schaukeln die Segelboote im Wind, Möwen kreisen über Fischkuttern, und neben einem historischen Dreimaster liegen Forschungsschiffe, die von hier aus zu ihren Expeditionen in die Antarktis aufbrechen. Der Hafen, zugleich Hobarts Zentrum, strahlt maritimes Fernweh aus.

Gegenüber dem Pier strahlt die Abendsonne die restaurierten Fassaden einer alten Marmeladenfabrik an. Vor den Lokalen sitzen Gäste auch jetzt, im noch kühlen Frühjahr, lieber draußen und genießen die würzige Seeluft. Wo vor 180 Jahren Walöl, Tee und Holz umgeschlagen wurden, findet man nun Kneipen, Galerien und die Läden von Kunsthandwerkern.

Fast die Hälfte der 520000 Tasmanier lebt in Australiens zweitältester Stadt. Noch bis vor ein paar Jahren galt sie als zwar charmant, aber provinziell. Junge Leute nannten sie „Slowbart“ und verschwanden in Richtung Festland.

Dieses Image hat sich gründlich geändert. Das liegt wesentlich am Museum of Old and New Art, das der Tasmanier David Walsh 2011 eröffnete. Es ist nicht nur Australiens größtes privates Kunstmuseum in einem spektakulären Bau aus Stahl, Glas und Fels am Derwent-Fluss, sondern bietet zugleich Erlebnis, Experiment und Spaß. Mit Erfolg: Jeden Tag wollen gut tausend Besucher das Kulturspektakel im Arbeiterviertel Berriedale erleben. Jahr für Jahr reisen mehr Gäste an, die Gastro-Szene boomt, Kreative und Start-ups ziehen aus Melbourne und Sydney hierher.

Kurz bevor meine Maschine in Hobart landete, sah ich tief unten eine Kette scharfkantiger Berge aus dem Meer ragen. Die Abendsonne ließ die Granitgipfel rosafarben leuchten, hier und da blitzten weiße Ränder in zerfransten Buchten. Die Freycinet Peninsula wirkte aus der Luft wie der Rücken eines Dinosauriers. „Doppeltes Glück“, sagte mein Sitznachbar, der sich auskennt: „Klarer Himmel, und dann hat der Pilot auch noch einen kleinen Umweg für uns gemacht.“

Die wild-schöne Freycinet-Halbinsel an Tasmaniens Ostküste ist eigentlich nur zweieinhalb Autostunden von Hobart entfernt, ich brauche deutlich länger. Stände mit frischen Austern, Weingüter und schneeweiße Strände, dazu der Blick auf die Hazards-Berge lassen mich immer wieder anhalten auf dem Weg zu der 23 Kilometer langen Landzunge. 

Tasmaniens Schönheit hat sich in der Welt herumgesprochen: eine große und 334 kleine, meist unbewohnte Inseln. Gletscherseen und Flüsse. Klippen und Hunderte Wasserfälle. Aussichtspunkte wie der Bergsattel zwischen Mount Amos und Mount Mayson mit Blick auf die berühmte Wineglass Bay sind in der Hochsaison so beliebt, dass die perfekt gerundete Bucht zuweilen von ihren Fans regelrecht belagert ist. Doch an diesem Morgen bewundern nur drei Frauen den Blick auf die Küste.

An Tasmaniens Ostküste gibt es viele einsame Buchten, an denen Pelikane, Möwen und hin und wieder gänsegroße Australtölpel nach Nahrung suchen. Würde ich an jedem Strand halten, wäre ich wochenlang unterwegs. Aber ein Stopp muss sein: gut hundert Kilometer nördlich der Freycinet-Halbinsel an der Bay of Fires.

Ihren klangvollen Namen verdankt sie dem Seefahrer Tobias Furneaux. Als der 1773 hier entlangsegelte, will er immer wieder Feuer der Aborigines am Ufer gesichtet haben. Schon möglich, dass die Ureinwohner sich daran wärmten. Wahrscheinlicher ist es wohl, dass Furneaux die Felsen für Flammen hielt. Wegen der knallroten und orangefarbenen Flechten leuchten sie wie Riesenmurmeln entlang der mehr als 50 Kilometer langen Bucht. Den Farbenrausch vollendet das Meer, das in fast unwirklichem Türkis schillert.

Von der Küste ins Gebirge schlängelt sich eine der so typischen Straßen dieser Insel. Auf der Karte sehen die Entfernungen kurz aus, doch die Fahrt zieht sich. Zumal, wenn man sich Zeit für Überraschungen lässt: für die herrlichen Wasserfälle hinter einem Dschungel aus Baumfarnen und Sassafras-Bäumen nahe dem Örtchen Pyengana. Für die Pyengana Dairy, eine Molkerei, deren Käse jeden Umweg wert ist. Für das Bergdorf Derby mit seinen mehr als hundert Kilometern anspruchsvoller Mountainbike-Trails. In alten Cottages des Orts findet man Bed-and-Break-fasts, Cafés, Pubs und allerlei hübsche Läden.

Tasmaniens zweitgrößte Stadt Launceston ist eine weitere Überraschung. Ich staune, wie viele alte Kolonialbauten, stattliche Herrenhäuser, hübsche viktorianische Wohnhäuser erhalten sind. „Die Stadt war einfach immer zu arm, daher blieben uns Abriss- und Neubauwahn erspart“ erklärt Jen, die im Designzentrum über eine vorzügliche Sammlung tasmanischer Holzmöbel wacht.

Tasmanien ist etwa so groß wie Irland, hat aber nur ein Zehntel der Einwohner. Und so ist es auf den kurvenreichen Landstraßen meist still; vor allem in der Dämmerung teilen Reisende sie sich immer wieder mit Wombats, Wallabys und anderen Beuteltieren. Man fährt eher langsam – aber wer will hier schon schnell unterwegs sein?

Über dem Cradle Valley, einem der bekanntesten Orte in den Bergen, hängen dicke Wolken. „Wenn Ihnen unser Wetter nicht gefällt, kommen Sie in zehn Minuten wieder“, rät die Shuttlebus-Fahrerin auf dem Weg zum Dove Lake und lächelt. Die Tasmanier versichern gern, dass jeder Tag auf ihrer Insel mindestens vier Jahreszeiten hat. Die Fahrerin behält Recht.

Auf dem Pfad zu einem kleinen Bootshaus am Bergsee stecken plötzlich die Granitgipfel des 1545 Meter hohen Cradle Mountain ihre Felszacken durch den Dunst, frischer Schnee bedeckt den sichelförmigen Bergsattel. Vor einem gold leuchtenden Buttongrass-Moor schultern zwei junge Frauen ihre Rucksäcke und ziehen ihre Wollmützen über die Ohren. Sie starten zum Overland Track, der sie in sechs Tagesetappen durch imposante Gebirgskulisse und Regenwald zu Australiens tiefstem Bergsee, dem Lake St. Clair, führen wird.

Tasmanien ist etwa so groß wie Irland, hat aber nur ein Zehntel der Einwohner. Und so ist es auf den kurvenreichen Landstraßen meist still; vor allem in der Dämmerung teilen Reisende sie sich immer wieder mit Wombats, Wallabys und anderen Beuteltieren. Man fährt eher langsam – aber wer will hier schon schnell unterwegs sein?„Tasmanien ist ein Synonym für Abgeschiedenheit”, schreibt der britische Autor Nicholas Shakespeare in seinem Porträt der Insel. Für die Wild Rivers am südlichen Rand des Cradle -Mountain/Lake St. Clair National Park trifft das unbedingt zu. Riesige Scheinulmen tragen Mäntel aus Moos, auf dem Boden wuchern olivfarbene Flechten, dazwischen bahnt sich der Franklin River einen Weg über Gestein und zerborstene Stämme durchs herrlich unaufgeräumte Grün des gemäßigten Regenwaldes. Hoch oben im Geäst fiepst ein Gelbbauchsittich, sonst ist es still. Der Franklin Nature Trail entfernt sich nicht weit vom Lyell Highway – aber schon dieser kurze Rundweg vermittelt einen Eindruck der Wildnisregion, die sich über ein Gebiet so groß wie Thüringen erstreckt. Fast jeder spricht im Schatten der Baumriesen unwillkürlich leiser. Der alte Wald flößt Respekt ein, vielleicht auch, weil er so wichtig für die Existenz des Welterbes Tasmanische Wildnis ist.

Kaum zu glauben, dass dieses Paradies vor gut 200 Jahren noch eine Hölle war. Damals hieß Tasmanien noch Van Diemen’s Land und war eine Strafkolonie Großbritanniens. Auf Sarah Island vor Strahan im Macquarie Harbour stand von 1822 an eines der gefürchtetsten Gefängnisse des Empires. Die Insassen litten unter brutaler Behandlung, Kälte und den ewigen Stürmen der „Roaring Forties“. Und sie mussten als Holzfäller und Schiffsbauer schuften.

Der moderne Katamaran „Spirit of the Wild“ bringt mich von Strahan auf die Insel, wo Schauspieler das Schicksal der Sträflinge darstellen, weiter zum Hell’s Gate und den Leuchttürmen an der Mündung der Bucht und schließlich zurück zum Gordons River. Der Kapitän schaltet auf Solarbetrieb um, fast geräuschlos gleitet das Schiff unter Nebelschwaden und Wolken in ein grünes Märchenland. Schuppenfichten, Huon Pines und hohe Eukalyptusbäume spiegeln sich im klaren Wasser. Ein Seeadler kreist über den Hügeln.

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Reiselust geweckt? Diese Tipps erleichtern euch die Planung:

Route

Auf der hier vorgestellten Tour erlebt man die landschaftliche Vielfalt und die Geschichte der Insel. Sie führt von Hobart entlang der Ostküste in Richtung Norden, durch den nördlichen Teil des Cradle Mountain/Lake St. Clair National Park zur Westküste nach Strahan und zurück mit Abstechern in die Franklin-Gordon-River-Region und den Southwest National Park. Dauer: zehn bis zwölf Tage.

Unterkunft

The Henry Jones | Direkt am Hafen in einer restaurierten Marmeladenfabrik. Moderne Kunst, warme Farben und enorme Deckenbalken geben den Zimmern Charakter.

Freycinet Lodge | Das einzige Quartier im Nationalpark bietet einfache Blockhaus-Cottages und moderne neue Pavillons mit Berg- oder Wasserblick.

Cradle Mountain Lodge| Schönes Hotel mitten in der Wildnis. Die schlicht-eleganten Cottages und Suiten sind  im Buschland verstreut

Museum of Old and New Art | Man kann mühelos einen Tag in dem modernen, mutigen Kunstbau am Wasser verbringen. Perfekt für Pausen: Tapas oder frische Meeresfrüchte im Faro

Mehr Reise-Informationen unter www.discovertasmania.com.au

 

In Partnerschaft mit Tourism Tasmania und South Australian Tourism Commission