Geschichte und Kultur

Spontane Selbstentzündung von Tutanchamun vermutet

Neben einem spektakulären Streitwagenunfall als Todesursache soll sich der Leichnam des Pharaos in seinem Sarg selbst entzündet haben. Freitag, 3 November

Von A. R. Williams

König Tutachamun war noch ein Jugendlicher, als er starb. Für einen altägyptischen Pharao, der vermutlich gut ernährt und erbittert beschützt wurde, war es ein vorzeitiger Tod.

Zudem war er folgenschwer, denn sein Ableben läutete das Ende der 18. Dynastie Ägyptens ein.

Wie konnte das passieren?

Experten spekulieren über mögliche Todesursachen, seit der britische Archäologe Howard Carter das Grab 1922 im Tal der Könige entdeckte. 

2013 gab es sogar eine Dokumentation mit dem Titel „Tutankhamun: The Mystery of the Burnt Mummy“ (Tutanchamun: Das Geheimnis der verbrannten Mumie), welche die Erkenntnisse eines britischen Teams zum Tode des jungen Pharao auf den Bildschirm brachte.

Aber wurde das Geheimnis wirklich gelöst?

Laut Presseberichten aus dem Vereinigten Königreich hatte das Team mit Röntgenscans der Mumie gearbeitet, die 1968 gemacht wurden.

Ein Bericht enthält Bilder, die wie CT-Scans wirken. Dabei handelt es sich vermutlich um Röntgenbilder, die mit Imaging-Software verarbeitet wurden. Darauf ist zu erkennen, dass das Brustbein fehlt und entlang des Rückgrats mitunter nur noch Rippenstümpfe vorhanden sind – vermutlich wurden die Rippen sie von den Balsamierern zertrümmert und entnommen.

2005 wurde unter Anleitung von Zahi Hawass, damals der Leiter der obersten Denkmalpflegebehörde Ägyptens, ein richtiger CT-Scan durchgeführt. Die Bilder wurden nie veröffentlicht, aber zeigten die schweren Schäden am Brustkorb und ein gebrochenes Bein.

VERHÄNGNISVOLLE VERLETZUNGEN

König Tutanchamun hatte offensichtlich ein massives Trauma erlitten.

Die britischen Forscher nutzen Simulationen von Autounfällen, um zu zeigen, dass ein herannahender Streitwagen den Pharao getroffen haben könnte, als dieser am Boden kniete.

Es ist ein wahrscheinliches Szenario, aber es gibt auch noch andere Möglichkeiten.

Eine mögliche Todesursache, die zum Zeitpunkt des CT-Scans vorgeschlagen wurde, war ein Zusammenstoß von Streitwägen.

Der König war vielleicht während einer Jagd oder eines Kampfes auf solch einem Wagen gefahren. Diese Aktivitäten gehörten zur Routine der königlichen Pflichten.

Die Verletzungen am Brustkorb des Pharaos könnten auch durch das Austreten eines Pferdes erklärt werden. Auch das liegt absolut im Bereich des Möglichen, da die Tiere den Streitwagen Tutanchamuns zogen.

Womöglich war es auch ein Nilpferd, das ihn getötet hat. Vielleicht war er zur falschen Zeit am falschen Ort – zum Beispiel zu Fuß auf der Jagd in einem Feuchtgebiet, wo ihn ein Nilpferd angriff.

Mittlerweile sind Nilpferde in Ägypten ausgestorben, aber weiter südlich sind die aggressiven und 1,3 Tonnen schweren Säugetiere mit den mächtigen Kiefern und scharfen Schneidezähnen berüchtigt für ihre Angriffe. Opfer der Dickhäuter können mit tiefen Bisswunden, gebrochenen Knochen und anderen tödlichen Verletzungen rechnen.

Andere Experten haben sich gar gefragt, ob moderne Diebe – wie jene, die während des Zweiten Weltkriegs operierten, als das Grab des Pharaos unbewacht war – die Rippen der Mumie durchgesägt haben, um an die letzten Perlen zu kommen, die in der klebrigen Masse auf seiner Brust steckten.

ENTZÜNDBARE MATERIALIEN

Diese klebrige Masse spielt auch in der überraschendsten Offenbarung der erwähnten Dokumentation eine Rolle: Die große Menge an Harzen und Ölen, die während der Mumifizierung über Tutanchamuns Körper verteilt wurde, sollen sich irgendwie entzündet haben, nachdem der Pharao in verschiedenen Särgen eingeschlossen wurde, die ineinanderlagen.

Diese Schlussfolgerung basiert auf Tests von einem kleinen Stück von Tutanchamuns Fleisch, das anscheinend 1968 während der Untersuchung der Mumie als Probe genommen wurde.

Die Mumie ist tatsächlich sehr schwarz. Aber war daran tatsächlich ein Feuer schuld?

Einige Ägyptologen glauben, dass eine chemische Reaktion zwischen der Mumie und den Harzen, die durch die schwüle Hitze des Grabes entstand, Tutanchamun zu dieser Färbung verholfen hat.

Aber eine Selbstentzündung? Es gibt Punkte, die dagegensprechen.

Die Mumie des Pharaos ist schließlich noch erhalten.

Bedeutet das, dass das Feuer heiß genug war, um ihn zu verkohlen, aber nicht so heiß, dass er zu Asche zerfiel? Laut den Berichten über die Dokumentation glauben die Forscher, dass das Feuer 200 °C heiß war. Eine moderne Einäscherung ist mit 760 bis 982 °C deutlich heißer.

Aber selbst, wenn ein bloßes Verkohlen möglich wäre, sprechen etliche Details von Tutanchamuns Bestattung dagegen.

Er trug eine mit Perlen bestickte Kappe aus Leinen auf seinem Kopf. Wenn sein Körper gebrannt hatte, wäre dann nicht auch diese Stoffkappe betroffen gewesen?

Außerdem war seine Mumie mit kostbaren Schmuckstücken übersät – Armreifen, Halsketten, Anhänger, Ohrringe, Fingerringe und zahlreiche Amulette aus Gold und Silber, die mit kostbaren Steinen wie Karneol, Lapislazuli, Quarz und Türkisen verziert waren. Viele dieser Schmuckstücke sind im Ägyptischen Museum in Kairo zu sehen und scheinen keinerlei Feuerschäden erlitten zu haben.

Noch dazu hatte Tutanchamun drei Särge. Der Innerste besteht aus massivem Gold. Die zwei äußeren Särge bestehen aus vergoldetem Holz. Wenn es wirklich ein Feuer im Goldsarg gegeben hat, hätte dieser dann nicht mindestens Brandflecken an den Holzsärgen hinterlassen?

ZARTE BLUMENKRÄNZE

Und dann sind da noch die Kränze. Als Howard Carter den Deckel des äußersten Sarges entfernte, fand er ein Leinentuch voller Pflanzenreste – Schnüre mit Blättern von Olivenbäumen, Weiden und Echtem Sellerie, Papyrusstreifen mit Lotusblüten und Kornblumen sowie einem Kranz aus Kornblüten am Kopf. Sie sind brüchig und getrocknet, wie man es von Pflanzen erwarten würde, die vor 3.000 Jahren gepflückt wurden und in einem Wüstengrab verweilten. Es gibt keine Anzeichen davon, dass sie durch die Hitze eines Feuers verschrumpelten.

Als Carter schließlich den innersten Sarg aus purem Gold entdeckte, fand er darauf ein weiteres Leichentuch, welches über die obere Hälfte des Torsos gelegt war. Unter dem schimmernden Abbild des Pharaonengesichts befand sich ein großer, mehrstufiger Kranz aus Perlen, Beeren, Blumen und Blättern.

Trotz der Erkenntnisse der Dokumentation, dass es aufgrund der Balsamierungsöle zu einer Selbstentzündung innerhalb des Sargs gekommen sei, bleiben einige Fragen offen.

Vermutlich wird Tutanchamun einige seiner Geheimnisse noch lange für sich behalten – darunter auch seine genaue Todesursache –, wie er es schon seit vielen Jahrhunderten tut.