Wir hoffen, dass Sie diese Geschichte schockiert

„Gestohlene Leben“ ist ein Investigativbericht von National Geographic in eine Menschenrechtstragödie: die sexuelle Versklavung von Kindern zu Profitzwecken.

Von Susan Goldberg, Editor in Chief
Veröffentlicht am 27. Okt. 2020, 13:45 MEZ, Aktualisiert am 5. Nov. 2020, 05:58 MEZ
M., heute 18 Jahre alt, wird bei einem Spaziergang durch ein Feld im indischen Bundesstaat Westbengalen ...

M., heute 18 Jahre alt, wird bei einem Spaziergang durch ein Feld im indischen Bundesstaat Westbengalen von ihren Cousinen flankiert. Als M. 15 Jahre alt war, setzte ein 21-jähriger Mann, den sie getroffen hatte, sie unter Drogen, brachte sie von ihrem Dorf nach Delhi, schlug und vergewaltigte sie tagelang und verkaufte sie dann an ein Bordell in der Stadt. Später wurde sie gerettet.

Bild PHOTOGRAPH BY SMITA SHARMA

„Bevor sie an dasselbe Bordell verkauft wurden, waren Sayeda und Anjali typische Teenager, die einige hundert Kilometer voneinander entfernt unter ähnlichen Umständen aufwuchsen.“

So beginnt eine Geschichte, von der ich hoffe, dass sie jeden unserer Leser schockiert, alarmiert und zum Handeln bewegt. „Gestohlene Leben“ von Yudhijit Bhattacharjee ist eine aufschlussreiche Untersuchung einer Menschenrechtstragödie: die sexuelle Versklavung von Kindern zu Profitzwecken.

Der Sexhandel mit Minderjährigen ist eine Multimilliarden-Dollar-Industrie, die den gesamten Globus umspannt und Millionen von Kindern in ihrem Würgegriff hält. Die meisten fliehen vor bitterster Armut, schlechter Bildung und völliger Chancenlosigkeit. Die meisten Opfer sind Mädchen.

Praktisch kein Land ist von dieser Tragödie unberührt, aber einige Teile der Welt sind besonders stark betroffen. Dazu gehören der indische Bundesstaat Westbengalen und sein Nachbar Bangladesch, die einst eine einzige Provinz namens Bengalen waren.

„Allein im Jahr 2017 wurden 8.178 Kinder in Westbengalen als vermisst gemeldet – fast ein Achtel aller Kinder in Indien in diesem Jahr. Eine beträchtliche Anzahl von Mädchen unter ihnen wurde mit ziemlicher Sicherheit an Bordelle verkauft“, schreibt Bhattacharjee. „Für Bangladesch könnte es noch schlimmer aussehen: Eine Schätzung der Regierung geht davon aus, dass jedes Jahr 50.000 Mädchen aus dem Land nach oder über Indien verschleppt werden.“

Um auf diese globale Tragödie aufmerksam zu machen, erscheint Bhattacharjees herzzerreißender Bericht über zwei bengalische Mädchen, Sayeda und Anjali, in der Oktober-Ausgabe des National Geographic-Magazins. Sie wurden von ihrem vorgeblichen Freund zur Flucht überredet und dann in ein Bordell verschleppt, wo sie bis zu 20 Mal am Tag für Sex verkauft und brutal geschlagen wurden, wenn sie sich weigerten.

Diese Geschichte können wir nur dank des Engagements von Bhattacharjee – einem National Geographic-Autor, der seine Karriere mit der Berichterstattung über Verbrechen in Kalkutta begann – und Smita Sharma erzählen. Sharma ist eine in Delhi ansässige Fotografin, die das Problem seit Jahren dokumentiert und deren Bilder die Berichterstattung begleiten.

In den 132 Jahren seit unserer Gründung hat National Geographic oft auf Menschenrechtsverletzungen und unmenschliche Handlungen aufmerksam gemacht. Und wieder und wieder wurden wir durch die Reaktion unserer Leser dazu ermutigt, weiterzumachen.

Danke, dass Sie National Geographic lesen.

Sie können die Insta Story zu diesem Titelthema hier aufrufen, wenn sie bei Instagram eingeloggt sind: Gestohlene Leben.

Die geschmuggelten Mädchen in diesem Bericht werden nur mit dem ersten Buchstaben ihres Vornamens bezeichnet und wurden so fotografiert, dass sie nicht identifizierbar sind. In dem Artikel „Gestohlene Leben“ werden Pseudonyme – Sayeda und Anjali – für die beiden vorgestellten Mädchen verwendet. Das stellt eine Ausnahme von unseren Richtlinien und unserer journalistischen Praxis bei National Geographic dar. Wir verschleiern ihre Identitäten, um die Sicherheit und die Zukunft dieser jungen Frauen und zu schützen. Die indischen Gesetze verlangen zudem den Schutz der Identität von Opfern von Sexualverbrechen.

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

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