Horoskope – warum sie irgendwie immer zutreffen

Viele Menschen werfen gerne einen Blick auf ihr Horoskop in Zeitungen und Zeitschriften. Überraschend oft scheint es auf das eigene Leben zuzutreffen. Astrologische Zeichen wie Sternbilder, Aszendent und Co. haben damit allerdings wenig zu tun.

Von Isabella Neber
Veröffentlicht am 6. Okt. 2022, 14:08 MESZ
Teleskop vor Abendhimmel

Dass Horoskope so oft zutreffen, hat laut Wissenschaft nichts mit den Sternen zu tun. 

Foto von AdobeStock/Peakstock

Kann ein Blick in die Sterne die Zukunft voraussagen? Was Wissenschaftler verneinen, scheint viele Menschen im Alltag zumindest so sehr zu interessieren, dass sie sich bei der Lektüre von Zeitung oder Zeitschrift die Zeit nehmen, ihr Horoskop zu lesen – oder beim geselligen Zusammensitzen mit Freunden sogar aus einem Zeitungshoroskop vorlesen. Beinahe in jedem Lifestyle-Magazin und in jeder Tageszeitung ist ein Horoskop zu finden, das verraten will, welche Überraschung die Sterne an diesem Tag, in dieser Woche oder in diesem Monat für die einzelnen Sternzeichen bereithalten. Und irgendwie scheint das Horoskop immer auf die eigenen Lebensumstände zuzutreffen, egal ob man daran glaubt oder nicht.

Laut einer Statista-Umfrage aus dem Jahr 2021 liest etwa die Hälfte der Befragten aus Deutschland in unterschiedlicher Regelmäßigkeit Horoskope. Rund 39 Prozent der Befragten gaben dabei an, zumindest unregelmäßig Horoskope zu lesen, 13 Prozent sogar täglich, wöchentlich oder monatlich.

Von königlicher Geburt: Das erste Zeitungshoroskop

Hinter sogenannten Zeitungshoroskopen steckt aber weniger eine Zukunftsdeutung als vielmehr eine geschickte Art der Leserbindung. Das erste Zeitungshoroskop wurde am 24. August 1930 vom britischen Journalisten und Astrologen Richard Naylor in der Boulevardzeitung Sunday Express veröffentlicht. Anlass war die Geburt von Prinzessin Margeret aus dem Haus Windsor. Naylor hatte nach astrologischen Grundsätzen ein umfangreiches Geburtshoroskop für die neugeborene Prinzessin erstellt, in das er auch verschiedene Voraussagen für die laufende Woche einfließen ließ.

Bei den Lesern des Sunday Express kam das Horoskop so gut an, dass Naylor im Folgemonat ein weiteres Horoskop veröffentlichte: Diesmal für alle Personen, die in diesem Monat geboren waren. Nur einen Monat später entwickelte Naylor daraus schließlich eine wöchentliche Kolumne mit einer Horoskopdeutung, die nicht auf den Tag der Geburt abgestimmt war, sondern auf das Sternzeichen. Es dauerte nicht lange und andere Magazine und Zeitungen griffen diese Vorgehensweise auf, um ihre Leser zu unterhalten.

Das Geburtshoroskop für Prinzessin Margaret in der britischen Boulevardzeitung Sunday Express (1930).

Foto von Sunday Express, 24.8.1930

Warum scheinen Zeitungshoroskope immer zuzutreffen?

Juri Viktor Stork, beratender Astrologe und Fachmitglied im Schweizer Astrologenbund, weiß, warum sich von Zeitungshoroskopen auch heute noch so viele Menschen angesprochen fühlen: „In Zeitungshoroskopen werden nur generische Aussagen über Sternzeichen und Sternbilder getroffen. Die Texte sind so verfasst, dass sich möglichst viele mit den einzelnen Elementen identifizieren können.“ Dies geschieht in den Horoskopen durch bewusst offene Formulierungen. Wenn das Horoskop zum Beispiel „bald“ Glück in der Liebe voraussagt, bleibt völlig offen, ob dieses Ereignis schon in der nächsten Woche, im nächsten Monat oder im nächsten Jahr stattfinden wird.

Auch das Nennen mehrerer Bereiche ist ein beliebtes Stilmittel im Zeitungshoroskop. „Eine positive Wendung in Karriere, Partnerschaft und Familie“ umfasst gleich mehrere Lebensbereiche, die der Lesende so auf seine eigene Situation beziehen kann, wie es für ihn am besten passt. Die Ersteller eines Zeitungshoroskops bedienen sich ebenso gerne an Metaphern, Sprichwörtern und Allgemeinplätzen. Der sprachliche Rahmen lässt also bewusst so viel Interpretationsraum, dass jeder das Genannte auf sich beziehen kann.

Die meisten Zeitungen und Zeitschriften passen ihre Horoskope zudem möglichst zielgruppengenau an. So finden sich zum Beispiel in hochpreisigen Frauenmagazinen gerne Sätze wie: „Gönnen Sie sich ein Wellness-Wochenende.“ Die Ersteller von Zeitungshoroskopen wissen in der Regel aus Zielgruppen- und Marktanalysen, was am besten auf die Lebenswelt ihrer Leser zielt, und passen die Horoskoptexte daran an.

Was das Sternzeichen über den Charakter verrät

Zeitungshoroskope basieren häufig auch auf generalisierten Aussagen über Sternzeichen. So wird der Widder als dickköpfig beschrieben, Fische eher friedfertig und Wassermänner gelten als besonders zuverlässig. In einer Studie haben die Psychologen P. Hartmann und H. Nyborg von der Universität Aarhus gemeinsam mit M. Reuter von der Universität Gießen untersucht, ob sich einzelnen Sternzeichen kennzeichnende Charaktereigenschaften zuschreiben lassen. Dabei werteten die Wissenschaftler Daten von über 15.000 Studienteilnehmern aus.

Das Ergebnis lässt stark an der Zuverlässigkeit von Zeitungshoroskopen zweifeln, die alle auf Sternzeichen basieren: Laut der Studie scheinen die Charaktereigenschaften eines Menschen keine Verbindung zu seinem Sternzeichen zu haben.

Um im Zeitungshoroskop neben dem Bezug zum Sternzeichen noch einen Hauch von Geheimnisvollem zu schaffen und eine Erklärung abzugeben, woher das Horoskop sein Wissen bezieht, tauchen neben Sternzeichen gerne auch andere astrologische Begrifflichkeiten, wie besondere Planetenstellungen und Horoskophäuser etwa „Venus im vierten Haus“, auf.

In einer Studie konnten den Sternzeichen keine prägenden Charaktereigenschaften zugeordnet werden. 

Foto von AdobeStock/YummyBuum

Horoskopdeutung in der Astrologie

„Mit Astrologie haben Zeitungshoroskope gar nichts zu tun“, erklärt Astrologe Juri Stork. „Ein astrologisches Horoskop muss immer auf die individuellen Geburtsdaten einer Person erstellt werden. Astrologen betrachtet die Stellung der Himmelskörper in Bezug zu einem bestimmten Zeitpunkt und einem bestimmten Ort.“ Alle Aspekte, die bei dieser Analyse bestimmt werden, müssten anschließend vom Astrologen gedeutet werden. „Dabei gibt es keine Wiederholungen. Jeder Mensch hat ein absolut individuelles Horoskop, das der Astrologe deuten muss“, so Stork.

Die Geschichte der westlichen Astrologie ist alt und reicht weit in vorchristliche Zeit zurück. Ihre heute noch praktizierten Deutungs- und Berechnungsgrundlagen stammen aus hellenistischer Zeit. Das Horoskop ist dabei das wichtigste Hilfsmittel der Astrologie und enthält Aussagen zu Aszendent, Medium coeli, Horoskophäusern, Himmelskörpern, Tierkreiszeichen und Mondknoten.

Bis ins 17. Jahrhundert zählte die Astrologie zu den sieben freien Künsten, einem Kanon von wichtigen Studienfächern, um die Fakultäten für Theologie, Medizin oder Jura besuchen zu können. Die Astrologie war zu dieser Zeit noch ein Teilbereich der Astronomie als Lehre von Sphären, Himmelskörpern und ihren Bewegungen. Der Glaube an deren Auswirkungen auf den Menschen, die in der Astrologie gedeutet werden, verlor schon im Zeitalter der Aufklärung unter Forschern stark an Bedeutung. In wissenschaftlichen Fachkreisen wird die Astrologie heute nur noch als „Kunstlehre“ oder „Nicht-Wissenschaft“ bezeichnet (Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie. Band 1: A–B. Springer, Stuttgart/Weimar 2005, S. 267 f., Astrologie).

Trotzdem erfreut sich die Astrologie seit den späten 1960er Jahren wieder großer Beliebtheit, vorrangig als Lebenshilfe und Mittel der Selbstfindung im persönlichen Bereich. Im Gegensatz zu früheren Zeiten legen Astrologen heutzutage vermehrt den Fokus auf das Individuum und verzichten auf spekulative Prognosen. Ein ausschlaggebender Faktor zur steigenden Popularität der Astrologie in den letzten Jahrzehnten war das Konzept des Wassermannzeitalters, welches durch das Musical „Hair“ Bekanntheit erlangte. Dieses Zeitalter soll von geistiger Klarheit, Kreativität und neuem spirituellem Wissen geprägt sein – den Qualitäten des Wassermanns. Eine einheitliche Datierung dieses Zeitalters wird von Astrologen und anderen Esoterikern jedoch nicht gegeben.

Wer einen Astrologen aufsucht, um die Sterne über die eigene Zukunft zu befragen, oder seinem Zeitungshoroskop Glauben schenken will, kann nach Ansicht der Wissenschaft sicherlich keinen Blick in die eigene Zukunft werfen. Doch manchmal reichen auch schon gewissen Motivationshilfen und aufmunternde Worte, um sich für die kommende Zeit besser gerüstet zu fühlen.

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