Reise und Abenteuer

Kaliforniens Traumstraße

Strände, Felsenküste, perfekte Wellen: Wer auf dem Highway 1 entlang des Pazifik reist, lernt Kalifornien von seiner schönsten Seite kennen. Freitag, 8 Juni

Von Christine Kruttschnitt

Der Pazifik ist noch etwas frisch um diese Jahreszeit, erst im Spätsommer hat er Badetemperatur. Den Kids ist das egal, sie stürzen sich mit ihren Brettern ins Wasser, ich höre sie kreischen. Weiter draußen baumeln Angeln vom Pier. Die Luft hier in Cayucos, auf halbem Weg zwischen San Francisco und Los Angeles, riecht nach Salz und Sonne. Ich schaue und genieße. Der Pazifik und dahinter die Berge. Die Wärme. Kein Wunder, dass diese Küste jährlich Tausende Aussteiger, Surfer, Urlauber anzieht. Kilometer für Kilometer verfolgen sie auf dem legendären Highway 1 mit, wie sich das Traumland Kalifornien dem Meer ergibt.

Berühmt ist Amerikas wohl schönste Panoramastraße vor allem wegen der Naturdramen am Wegesrand: der zerklüfteten Klippen bei Big Sur, der Buchten mit türkisfarbenem Wasser und rotem Sand oder Mondstein, der filmreifen Kurven im Küstengebirge. Der Highway 1 führt aber auch an Orte, die Kalifornien groß gemacht haben: nach Los Angeles, Zentrum der Unterhaltungsindustrie und pulsierende Großmacht im Süden; nach Huntington Beach und Santa Cruz, wo die Amerikaner aus dem Surfen eine globale Industrie gemacht haben; nach San Francisco, der noblen Schönen im Nebel.

Am besten fährt man Number One von Nord nach Süd, man kann leichter rechts ranfahren, wenn die Natur mal wieder so überwältigend schön ist. Ein guter Startpunkt ist Mendocino mit seinem hübschen Point­ Cabrillo­ Leuchtturm und einem Strand, auf dem man mysteriöse Sandsteine findet – so rund und groß wie Bowlingkugeln. Im Hinterland gedeiht Marihuana: In de 1960er Jahren schürten die Hippies aus San Francisco den „Summer of Love“ mit Gras aus Mendocino.

Aus dem Blumenkinderparadies Mendocino führt der Highway 1 durchs verträumte Point Arena bis ins Herz der Gegenkultur 320 Kilometer südlich, nach San Francisco. Das Wetter auf dem Weg dorthin ist launisch, Sonne im einen, Nebel im nächsten Moment. Und viele Kurven. Strände, leer und sensationell. Noch mehr Kurven. Dann der Stillwater Cove Regional Park: ein grünes Paradies mit Campingplatz und einem Regenwald aus Baumriesen und Farnen, in dem man immer wieder „Wow!, Wow! Wow!“ rufen möchte. Nahe den imposanten Klippen von Jenner ergießt sich gemächlich der Russian River in den Pazifik, nachdem er die Chardonnay­Weinstöcke im nahen Anbaugebiet Healdsburg genährt hat. Den Sonnenuntergang erlebe ich mit einem Glas Wein aus dem umliegenden Sonoma County.

“In Kalifornien gehört der Strand eindeutig allen.”

Etwas nördlich von San Francisco, fahre ich in das größte Naherholungsgebiet der USA: die Marin Headlands. Hier wurde schon mal ein Bär gesehen, meistens aber sind es Wildkatzen und Kojoten, die vor Spaziergängern ins Dickicht flüchten. Auf der dem Meer zugewandten Westseite wachsen Mammutbäume im Muir Woods National Monument, für einen Tagesausflug fahren die Einwohner von San Francisco gern noch ein Stück weiter nach Norden: zur Halbinsel Point Reyes. Dort stürzen die Alamere Falls fotogen ins Meer, und in der von Zypressen bestandenen Allee „Cypress Tree Tunnel“ entstehen die populärsten Selfies der Region.

Ein ziemliches Kontrastprogramm zu dem von Silicon-Valley-Millionären bevölkerten San Francisco. Die einstige Hochburg der Subkultur hat sich in eine Boomtown der Computerindustrie verwandelt. Touristen finden hier vor allem hypergestylte Coffeeshops, in denen junge Start-up-Unternehmer versuchen, sich das nächste große Ding auszudenken.

Nach all der Natur des Nordens muss ein paar Tage Stadtkultur sein. Genauer: Esskultur. In San Franciscos Mission District finde ich auf einer einzigen Straßenseite Burritos, Dim-Sum, Kimchi und Hotdogs: Gibt es ein besseres Symbol für geglückte kalifornische Völkerverständigung? Und dann lese ich, dass der Silicon-Valley-Milliardär Vinod Khosla sich ein Anwesen südlich von San Francisco gekauft hat und diesen Meeresabschnitt fürs Volk sperren will! Ein US-Gericht beschied: Der Strand gehört eindeutig allen. Denn der Strand ist Kalifornien.

Richtige Brecher werfen sich in der Half Moon Bay an Land, bei Maverick’s Beach türmen sich gefährliche Wellen haushoch. Der beste Surfstrand aber liegt angeblich in Santa Cruz. „Steamer Lane“ nennen die Sportler ihn. Ich sehe ihnen von einer Klippe aus zu, an der Uferpromenade rumpelt eine nostalgische Achterbahn aus den 1920er-Jahren.

Nun fahre ich immer weiter nach Süden, durch die gepflegten Orte der Monterey Bay, vorbei am berühmten Monterey Aquarium und an den Golfplätzen von Pebble Beach. Jenseits von Carmel-by-the-Sea (ehemaliger Bürgermeister: Clint Eastwood) kann man im Point Lobos State Reserve schwimmen, tauchen, segeln und See-Elefanten beobachten.

An den Ausläufern des Santa-Lucia-Gebirges schraubt sich der Highway in die Höhe und führt an dichtem Grün und Blockhütten vorbei. Vor einigen Jahrzehnten zogen sich Boheme-Größen aus San Francisco hierher zurück, die Hollywood-Stars Orson Welles und Rita Hayworth bauten ein Haus mit grandiosem Meerblick, in dem auch Henry Miller unterkam. An der Stelle befindet sich heute das Open-Air-Restaurant Nepenthe, auf dessen Terrasse schon Liz Taylor, der Fotograf Man Ray und der Dichter Dylan Thomas speisten.

Weiter südlich am Highway 1 ist es in Santa Barbara Zeit für Krabben an der Stearns Wharf. Und für Kultur, immerhin handelt es sich um eine Universitätsstadt. Ich nehme noch einen Drink im Biltmore Hotel und schaue auf die Strandpromenade. Spaziert da gerade Kevin Costner? Nicht ausgeschlossen. Santa Barbara und die Nachbargemeinde Montecito sind Heimat vieler Berühmtheiten, denen das Leben in Los Angeles zu anstrengend wurde.

Wenn der Highway 1 mit einem Mal Pacific Coast Highway heißt, befindet man sich schon halb im Schlund der Riesenstadt Los Angeles, die nirgends richtig anfängt und unentschlossen bei Malibu aufhört. Doch mittendrin liegt der Griffith Park, in dem sich sogar ein Berglöwe namens P-22 wohlfühlt. In seinem Revier lädt außerdem die Griffith- Sternwarte zum Blick über die Stadt der Stars ein.

Von da oben kann man den Highway 1 fast verschwinden sehen. Noch etwa 120 Kilometer zieht er sich südwärts, im Badeort Dana Point, endet – oder beginnt? – der Highway 1. Ganz bescheiden löst er sich aus dem Autobahngebinde – und findet zögerlich das Meer.

Dieser Artikel wurde gekürzt und bearbeitet. Die vollständige Reportage von Christine Kruttschnitt finden Sie in Ausgabe 2/2018 des National Geographic Traveler.

 

Ein ebenfalls unvergesslicher Roadtrip führt in Colorado von Steamboat Springs nach Boulder.

Stopp 1: Wandern in Steamboat Springs
. Eine Reise durch eine outdoorverrückte Gegend wie Colorado beginnt am besten mit einer ordentlichen Mahlzeit. Schon allein wegen seiner guten Restaurants ist Steamboat Springs das ideale Sprungbrett für einen Roadtrip durch den Bundesstaat in den Rocky Mountains, in dem es jetzt allerorten grünt. Zu sehen ist das zum Beispiel entlang des knapp zweieinhalb Kilometer langen Mad Creek Trail, der an säuselnden Pappelwäldchen und Wiesen vorbeiführt. Im Sommer blühen hier rund 100 verschiedene Wildblumen. Elf Kilometer außerhalb von Steamboat Springs liegen die Thermalquellen von Strawberry Park mit ihrem 38 bis 40 Grad warmen, mineralreichen Wasser. Nach Sonnenuntergang darf jeder, der möchte, hier sogar nackt baden (Eintritt: 12 Euro, strawberryhotsprings.com).

Stopp 2: Badetag in Glenwood Springs
. Glenwood Springs verteidigt schon seit 1888 seinen Titel als Ort mit dem weltweit größten Pool, der durch heiße Quellen geheizt wird. Das Becken mit Bahnen und Riesenrutsche erstreckt sich vor einer herrlichen Bergkulisse mit Kiefernwäldern. Wer es eine Nummer kleiner mag, findet in den Iron Mountains ein Spa mit 16 Minibecken, eines mit 42 Grad warmem Wasser. Aber man kann sich ja abkühlen, zum Beispiel mit einem „Fountain Drink“ oder mit „Vitamin Water“ aus dem Café (Eintritt: jeweils 20 Euro, hotspringspool.com, ironmountainhotsprings.com).

Stopp 3: Alles im Fluss am Mount Princeton
. Über die Route 24 kommt man zum Mount Princeton Hot Springs Resort mit seinen historischen Badehäusern. Doch auch Naturburschen werden in diesem Spa glücklich. Erstens ist der Wanderweg Colorado Trail von hier nicht weit, und zweitens: Wer zu einem der 30 fachen Becken entlang des Chalk Creek möchte, muss durch den flachen Fluss waten (Eintritt: 16 Euro, mtprinceton.com).

Stopp 4: Cowboyfrühstück in Leadville. Der Colorado State Highway 91 führt in Richtung Norden in die ehemalige Bergbaustadt Leadville auf fast 3100 Meter Höhe. Die historische Innenstadt ist denkmalgeschützt. Zu ihr gehört auch das aus Backstein errichtete Tabor Opernhaus in der Harrison Avenue, in dem schon Harry Houdini auf der Bühne stand und Oscar Wilde im Publikum saß. Für ein Cowboyfrühstück kehrt man am besten im Golden Burro Cafe ein und speist überbackene Kartoffeln. Oder doch lieber das panierte Steak mit Rührei und reichlich Soße? In jedem Fall: deftig und wohlschmeckend (taboroperahouse.net, goldenburro.com).

Stopp 5: Boulders Bio-Snacks. Nirgendwo in Colorado wird die Liebe der Amerikaner zu „the great outdoors“ so spürbar wie in Boulder. Die Stadt liegt günstig für Ausflüge am Rocky Mountain National Park und nicht weit von diversen Wanderrouten wie dem Royal Arch Trail. Naturnähe versprechen auch die vielen Bioprodukte und Foodtrucks auf dem Farmers Market in Boulder (köstlich: die Riegel von Fortuna Chocolate). Und weil man sich in dem Unistädtchen gern gesund ernährt, gibt es in der örtlichen Brauerei Shine neben gutem Craft-Bier auch alkoholfreie Getränke auf Kräuterbasis, zum Beispiel die Saftmischung „The Three Laughing Monks“ mit Kirsche und Basilikum. Cheers! bcfm.org, shineboulder.com

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