Reise und Abenteuer

Wildnis vor der Haustür: Die Magie des Eibsees

Der Fotograf Daniel Ernst vom Kollektiv German Roamers über seinen Sehnsuchtsort in den bayerischen BergenWednesday, June 12, 2019

Von National Geographic
Bilder Von Daniel Ernst

Wo ist Deutschland am schönsten? Fünf Naturfotografen des Kollektivs „German Roamers“ haben uns ihre Lieblingsorte verraten. Den Anfang macht Daniel Ernst.

Manchmal muss man weit reisen, damit sich zuhause etwas verändert. Daniel Ernst ist tausende Kilometer entfernt von Deutschland, als sein Leben eine neue Richtung bekommt: In Banff, einem Ferienort in der kanadischen Provinz Alberta, lädt er Bilder von Bergen und blauen Seen auf Instagram hoch und nutzt den Hashtag #weroamgermany, ausgerechnet jenen Hashtag, den unter anderem die beiden Deutschen Johannes Höhn und Hannes Becker etabliert haben. Sie sind Gründungsmitglieder des Fotografen-Kollektivs German Roamers, die auf Instagram die Schönheit deutscher Natur zeigen wollen – und zufällig zeitgleich in Kanada.

Sie werden auf Daniel Ernst aufmerksam und nehmen Kontakt auf. „Wir haben uns verabredet, um den Sonnenaufgang am Moraine Lake zu fotografieren“, sagt Ernst. Die Drei verstehen sich auf Anhieb, reisen und fotografieren eine ganze Woche zusammen. Danach wird Daniel Ernst Teil der German Roamers.

Knapp eineinhalb Jahre später hat er eine halbe Million Follower und bekommt Anfragen von großen Firmen, ob er für sie fotografieren will. Für Geld. Dabei ist Daniel Ernst eigentlich Ingenieur. „Unser Treffen hat mir den Weg in die Selbständigkeit geöffnet“, sagt er heute. „Ohne die beiden hätte ich wahrscheinlich nie das Potenzial in Instagram und meiner Fotografie erkannt.“ Studiert hat der 29-Jährige Wirtschaftsingenieurwesen. In Teilzeit arbeitet er nach wie vor in seinem gelernten Beruf, als Ingenieur im Maschinenbau. Die andere Hälfte seines beruflichen Alltags wandert er durch schöne Landschaften und fängt Stimmungen und Ausblicke mit der Kamera ein. Zu seinen Kunden zählen die Lufthansa genauso wie der Tourismusverband Panamas, Smartphone-Hersteller und Outdoor-Firmen. 

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Das Reisen hat Ernst nicht nur das Fotografieren, sondern auch die Schönheit der Landschaft vor der eigenen Haustüre nähergebracht. „Früher empfand ich deutsche Natur als langweilig, ohne sie je wirklich gesehen zu haben. Wenn mich heute jemand fragt, wo es schöner ist – am Lake Moraine in Kanada oder am Eibsee in Bayern –, dann nehme ich den Eibsee.“

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Der Eibsee, südwestlich von Garmisch-Partenkirchen, am Fuß der Zugspitze gelegen, ist für ihn einer der drei spektakulärsten Orte in Deutschland – gleichauf mit Berchtesgaden und dem Taunus. Der Name des Sees kommt von seiner früheren Fauna: Lange Zeit wuchsen vor allem Eiben um den See herum, heute sind jedoch nur noch wenige zu finden. 2016 nahm Daniel Ernst dort ein Bild auf, das nun in zweieinhalb Metern Breite über seiner Couch hängt. Wenn er an den Eibsee fährt, dann nur, um Fotos zu machen. Dabei war sein erster Besuch des Alpensees, im Spätherbst 2015, eher enttäuschend. „Der See sieht toll aus, wenn das Wasser glatt ist und die Sonne scheint. Ich hatte mir eine tolle Spiegelung erhofft, aber wir hatten damals starken Wind und Wolken, also nichts fürs Foto.“ Im Sommer darauf hat er dann Glück: Der Eibsee liegt ganz ruhig vor ihm, die Berge spiegeln sich darin im Sonnenaufgang perfekt.

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Seit seinem ersten Besuch vor vier Jahren zieht es ihn immer wieder an diesen magischen Ort zurück, stets auf der Suche nach neuen Details und Perspektiven. Im Winter, erzählt Ernst, wirke die vereiste Zugspitze mit ihren schroffen Felsen besonders toll, am besten, wenn der See noch nicht gefroren ist. Im Herbst leuchten die Wälder in Dutzenden Rottönen zum türkisfarbenen Wasser, manchmal bedeckt der erste Schnee die Berge wie Puderzucker. Im Frühjahr sehe man saftiges, helles Grün und meist noch etwas Schnee auf den Bergkuppen der Ammergauer Alpen im Hintergrund. Am allerschönsten findet Ernst den Eibsee jedoch im Sommer. „Das Licht fällt im Sommer an Stellen, an die es zu anderen Jahreszeiten nicht kommt – und man kann dann auch mal in den See springen und auf eine der acht Inseln schwimmen.“

Ernsts Tipps: Im Sommer sollte man spätestens um halb sechs vor Ort sein. „Früh aufstehen lohnt sich immer. Ich empfehle, ein Boot zu leihen. Der See wirkt alle fünf Meter anders.“ Dabei gilt: Nicht von der ersten Magie, die einen am Parkplatz packt, fehlleiten lassen. „Manche denken, ‚schöner wird es nicht‘ und bleiben an dem Hotel, wo auch ein Parkplatz ist.“ Auf dem 7,5 Kilometer langen Rundweg um den See gehen nach einer halben Stunde kleine Wanderwege ab, die direkt ans Ufer führen. Am Ende laufe der Weg bis zu 80 Meter über dem See entlang. Je höher man komme, desto mehr sehe es nach Karibik aus, so Ernst. „Der Spaziergang dauert insgesamt circa eineinhalb Stunden. Für Menschen, die gerne fotografieren, können daraus aber auch mal sechs werden.“

Über German Roamers:

Wer spektakuläre Natur sehen will, muss nicht nach Island fliegen. Es reicht ein Ausflug in die Eifel, in den Harz, oder in eine der anderen vielfältigen Landschaften, die oft direkt vor der Haustür liegen. Nach dieser Maxime arbeiten die 14 Fotografen des Kollektivs German Roamers, was übersetzt so viel wie deutsche Wanderer bedeutet. Seit 2015 veröffentlichen sie auf Instagram ihre Naturaufnahmen aus Deutschland und erreichen damit heute über 350.000 Menschen. Damit sind die German Roamers die größten Influencer unter deutschen Outdoor-Fotografen. Zu sehen gibt es mystische Naturaufnahmen und spektakuläre Drohnenschüsse. Unter dem von ihnen etablierten Hashtag #weroamgermany posten mittlerweile auch tausende Hobbyfotografen ihre Aufnahmen deutscher Landschaften.

 

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