Reise und Abenteuer

Legendäre Wanderrouten

Wir stellen drei berühmte Wanderwege vor: Von den Hochebenen Australiens über die weiten Täler im Norden Indiens bis an die wilde Küste Westkanadas.

Von Franziska Bossy / Siebo Heinken
Wanderer können Tasmanien noch fast so naturbelassen erleben wie der Seefahrer Abel Tasman im Jahr 1642.

Unser Sinnesapparat ist wie eine Polaroidkamera: Jede Momentaufnahme ist einmalig. Die Kombination der Eindrücke, die wir sehen, schmecken, riechen, ertasten und hören, ist sekündlich anders und neu. Besonders dicht ist die Fülle der Impressionen an den legendären Wanderrouten der Welt. Sie kitzeln die Netzhaut mit atemraubenden Panoramen oder schmeicheln den Ohren mit rhythmischem Meeresrauschen – in den Hochebenen von Australien, in den weiten Tälern im Norden Indiens oder an der wilden Küste Westkanadas.

Overland Track, Australien

Wanderer können Tasmanien noch fast so naturbelassen erleben wie der Seefahrer Abel Tasman im Jahr 1642.

Zerklüftet zeigte sich dem Niederländer Abel Tasman in der Ferne eine Gebirgskette. An einem Novembertag des Jahres 1642 entdeckte er ein Stück Erde, für das er das Namensrecht beanspruchen darf: Tasmanien, eine Insel Australiens. So steil wie die Hänge dort ansteigen, so sanft wölben sich die Hügel am Horizont. Gegensätze wie dieser prägen die Landschaft am Overland Track. Der beliebteste Wanderweg des Fünften Kontinents führt über 65 Kilometer vom Nationalpark Cradle Mountain bis zum tiefsten See Australiens, dem Lake St. Clair. Um den höchsten Gipfel, den 1617 Meter hohen Mount Ossa, tosen die „Roaring Forties“, deren Westwinddrift in den 40. Breitengraden schon Tasman nutzte. Eine ideale Trekking-Tour für Menschen, die gern die Natur am eigenen Leibe spüren und Begegnungen mit Tieren in freier Wildbahn nicht scheuen: Freche Opossums rauben nur allzu gern den Proviant.

Weitere Informationen: www.overlandtrack.com.au

Zanskar Trek, Nordindien

Ausdauer gefragt: Trekker müssen entlang des Zanskar Trek fünf etwa 5000 Meter hohe Pässe überqueren.

Hoch im Norden von Indien liegt eine sagenumwobene Gebirgsregion. In der Provinz Zanskar, wo man sich von erleuchteten Yogis erzählt, die durch die Lüfte fliegen, steht in fast jedem Ort ein buddhistisches Kloster, eine Gompa. Die schönsten von ihnen können Wanderer über den 350 Kilometer langen Zanskar Trek erreichen, der von Lamayuru über Padum nach Darsha führt. Als das faszinierendste Höhlenkloster gilt die Phuktal Gompa. Hier wohnen Mönche des tibetischen Gelbmützenordens – der Gelugpa-Schule, der auch der Dalai Lama angehört. Dessen jüngerer Bruder, Ngari Rinpoche, steht der Rangdum Gompa vor, die etwas abseits des Trek liegt. Ihre beeindruckende Lage in der Einsamkeit der Berge ist einen Abstecher wert. Wer diese gut dreiwöchige Abenteuerreise antreten möchte, sollte über viel Erfahrung und Kondition verfügen: Auf der Strecke müssen die Trekker fünf etwa 5000 Meter hohe Pässe überqueren. Hoch droben, im entlegensten Himalaja, lebt auch der Schneeleopard. Die Forschung über das scheue Tier wird von der National Geographic Society gefördert.

Weitere Informationen: www.tourisminindia.com

West Coast Trail, Kanada

Auf dem Weg durch die Wildnis von Vancouver Island erleben Wanderer dichte Urwälder und die raue Pazifikküste.

Die Brandung des Pazifik, dichte Wälder mit umgestürzten Baumriesen, tiefer Schlamm: Die Südwestküste von Vancouver Island wäre eine unzugängliche Wildnis, gäbe es nicht diesen vor gut hundert Jahren zur Rettung Schiffbrüchiger angelegten Pfad. Ranger des Nationalparks Pacific Rim halten ihn instand, aber was bedeutet das schon? Der West Coast Trail ist eine Strapaze. Bis zu sieben Tage dauert die gut 75 Kilometer lange Wanderung. Seilbahnen führen über Bäche, lange Leitern die Böschungen hinauf, Plankenwege über Sümpfe. Anhand des Gezeitenkalenders orientieren sich Wanderer, wann sie auf Strandpassagen vor dem Hochwasser sicher sind. Die Belohnung: das grandiose Panorama des Stillen Ozeans und des Olympic-Nationalparks im US-Bundesstaat Washington. Und der Triumph: I made it.

Weitere Informationen: www.pc.gc.ca

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