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Sprung über Babys: Spaniens ungewöhnliches Festival

Die eigentümliche Taufe geht auf das 17. Jahrhundert zurück und ist in heidnischen Riten verwurzelt. Donnerstag, 9 November

Von Gulnaz Khan

Einmal im Jahr drehen die Teufel im spanischen Dorf Castrillo de Murcia durch.

Ein Gemisch aus katholischen und heidnischen Ritualen soll dort den Triumph des Guten über das Böse darstellen. Das Festival El Colacho, das Mitte Juni stattfindet, geht auf die 1620er zurück und fällt auf den Sonntag nach Fronleichnam. Seine genauen Ursprünge sind ungeklärt, aber einige Historiker glauben, dass das Festival als Fruchtbarkeitsritual begonnen haben könnte.

Während der Feierlichkeiten laufen „Teufel“ in gelb-roten Masken durch die Straßen, beleidigen Dorfbewohner und peitschen mit Pferdeschweifennach ihnen, die an Stöcken befestigt sind. Wenn die Trommeln die Ankunft der schwarz gekleideten Atabalero verkünden – gottesfürchtigen Männern, die gekommen sind, das Böse zu vertreiben – beginnt El Salto del Colacho: die Flucht des Teufels.

In einer dramatischen Vorführung werden dann im Vorjahr geborene Babys auf der Straße auf Matratzen gelegt, während kostümierte Männer über sie hinwegspringen. Es ist eine Art Taufe. Man glaubt, dass der Teufel die Sünden der Babys in sich aufnimmt und ihnen Schutz vor Krankheit und Unglück gewährt. Die Zuschauer auf den Straßen beschimpfen den Colacho ebenfalls, um für das kommende Jahr Unglück von sich selbst abzuwenden. Im Anschluss lässt man Rosenblätter auf die Babys rieseln, bevor ihre Eltern sie wieder an sich nehmen.

Traditionell fand das Spektakel nur mit Babys aus dem Dorf statt, aber in den letzten Jahren sind Menschen aus aller Welt in den Norden Spaniens gereist, um an dem Fest teilzunehmen. Bisher gab es keinerlei Berichte über Verletzungen. Trotzdem bleibt das Festival innerhalb der katholischen Kirche ein Diskussionsthema.

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