Tiere

Mysteriöse Spinne mit blutroten Fängen in Australien entdeckt

Unter einem Stein entdeckte ein Wissenschaftler zufällig einen ungewöhnlich gefärbten Mutanten der giftigen Trichternetzspinne.Donnerstag, 9. November 2017

Von Carrie Arnold
Die Trichternetzspinne mit den rotgefärbten Fängen ist bereit zum Angriff.

Eigentlich war es für Mark Wong ein ganz gewöhnlicher Tag, an dem er im Tallaganda State Forest im australischen Bundesstaat New South Wales nach Spinnen Ausschau hielt. Dann aber entdeckte der Umweltschützer den Bau einer Atrax sutherlandi, einer Trichternetzspinne.

„Als ich mit einem Stock darin herumstocherte, war ich fasziniert, was mir da entgegeneilte. Das erste, was mir ins Auge fiel, waren die roten Fänge“, sagt Wong.

Normalerweise sind Rücken und Fänge der A. sutherlandi glänzend schwarz und der Unterbauch tiefbraun oder pflaumenblau. Diese Spinne hatte jedoch blutrote Fänge und einen ebensolchen Bauch.

Wong war sofort klar, dass er es hier mit einer einmaligen Entdeckung zu tun hat.

„Nie zuvor hatte ich eine Trichternetzspinne mit dieser Farbkombination gesehen – und wie sich herausstellt, auch niemand anders“, sagt Wong, ein National Geographic Young Explorer und Doktorand an der Australian National University in Canberra.

„Es ist nicht ungewöhnlich, dass einzelne Tiere, auch Spinnen, eine abweichende Farbgebung aufweisen“, sagt Amber Beavis, Spinnenexpertin und leitende Wissenschaftlerin am Regional Australia Institute, einem unabhängigen Thinktank in Canberra.

„Es gibt mehr Abwechslung, als man denkt“, stimmt Beavis zu. Die Spinne mit den roten Fängen wertet sie allerdings als sehr ungewöhnliche Entdeckung.

„Ich habe in diesem Gebiet fünf Jahre lang nach Spinnen gesucht, und mir ist nichts Vergleichbares untergekommen.“

WARUM SO ROT?

„Eine sorgfältige Durchsuchung des Gebiets brachte kein weiteres Exemplar mit dieser Farbgebung zum Vorschein“, berichtet Wong. Er nahm die seltsam gefärbte Spinne mit ins Labor, doch sie starb.

Er ist sich nicht sicher, was ihren besonderen roten Farbton ausgelöst hat. Aller Wahrscheinlichkeit nach handelt es sich um eine Art genetische Mutation

„Es ist auch unwahrscheinlich, dass die Farbe zur Kommunikation mit anderen Trichternetzspinnen genutzt wurde“, sagt er weiter. A. sutherlandi leben zum einen in kompletter Dunkelheit, und zum anderen sind sie Einzelgänger. Außerdem sind sie für ihr schlechtes Sehvermögen bekannt.

Trichternetzspinnen, die ungefähr fünf Zentimeter lang werden können, verbringen den Großteil ihres Lebens in unterirdischen Höhlen. Die Männchen verlassen diese nur, um nach einer Partnerin zu suchen.

Die Spinnentiere versehen ihre Höhlen mit Spinnfäden, die vibrieren, wenn sich Beute am Höhleneingang vorbeibewegt. Dann reagieren die Spinnen blitzschnell – so wie es Wong aus erster Hand erlebt hat.

Trichternetzspinnen sind in Australien außerdem wegen ihres Giftes sehr bekannt: Bis es Wissenschaftlern gelang, ein wirksames Gegengift zu entwickeln, haben Bisse der eng verwandten Sydney-Trichternetzspinne (A. robustus) jedes Jahr zahlreiche Menschenleben gekostet.

A. sutherlandi sind ebenfalls giftig, haben aber aufgrund ihres abgelegenen Lebensraums bei weitem weniger Menschen getötet.

Ein normal gefärbtes Trichternetzspinnen-Weibchen (links) neben dem Exemplar mit der außergewöhnlichen roten Färbung.

IMAGEPROBLEM

„Auch wenn das Spinnentier mit seinen roten Fängen für die Wissenschaft kein Novum ist, ist sie doch etwas Besonderes“, fügt Beavis hinzu.

„Einzigartige Exemplare einer Art bringen die Menschen dazu, Spinnen mit neuen Augen zu sehen“, findet sie.

„Spinnen haben ein kleines Imageproblem. Viele Menschen haben Angst vor ihnen“, sagt sie.

Eine von ihnen war Beavis. Zu Beginn ihrer Doktorandenzeit hat sie noch gekreischt, als sich eine der Spinnen bewegt hat. „Das war ganz schön peinlich“, gesteht Beavis.

Inzwischen hat sie Spinnen allerdings lieben gelernt – sowohl in ihrer Funktion als Schädlingsbekämpfer als auch schlicht und einfach als wunderschöne Kreaturen.

Carrie Arnold auf Twitter folgen

Artikel in englischer Sprache veröffentlicht am 3. September 2015

Wei­ter­le­sen