Tiere

Neu entdeckt und schon gefährdet: Schwarz-gelber Frosch aus Ecuador

Der seltene Lurch lebt in einer Region Ecuadors, die bisher nicht groß beachtet wurde, sagen Wissenschaftler. Donnerstag, 9 November

Von Jennifer S. Holland

Wissenschaftler haben das Amphibium lange mit seinem nahen Verwandten, Pristimantis ornatissimus, verwechselt, einem gut bekannten Frosch mit einer markanten, gelb-schwarzen Körperfärbung.

Juan Manual Guayasamin, ein Evolutionsbiologe an der San Francisco University in Quito, und seine Kollegen waren gar nicht auf der Suche nach einer neuen Art – stattdessen wollten sie sich die bekannte näher ansehen.

Aber dem Team fiel – erst auf Fotos und später bei Exemplaren im Labor – auf, dass sich die Zeichnungen der Tiere von der nördlichen Chocó-Küstenregion überraschend deutlich von denen der Frösche unterschieden, die sich auf den Gebirgsausläufen der Anden finden.

„Uns fiel auf, dass die nördlichen Frösche längs verlaufende Linien aufwiesen, während die südlichen Frösche ein eher netzartiges Muster hatten“, erzählt Guayasamin. Auch ihre Augenfarben unterschieden sich. „Also haben wir beschlossen, uns die Genetik anzusehen.“

Die Gene bestätigten, was das wissenschaftliche Auge vermutet hatte: Es handelte sich bei diesen farbenfrohen Schönheiten um zwei verschiedene Arten. Die neue Art, P. ecuadorensis, wurde kürzlich in der Fachzeitschrift „PLOS ONE“ vorgestellt.

Aber noch feiern die Wissenschaftler ihren Fund nicht. Die Seltenheit des Frosches und sein winziger, bedrohter Lebensraum bedeuten, dass er die Kriterien der Weltnaturschutzunion IUCN erfüllt, um als stark gefährdet eingestuft zu werden, so Guayasamin.

EIN BESONDERER FROSCH

Neue Arten könnten sich entwickeln, wenn geografische Hindernisse wie Berge oder Flüsse Populationen derselben Art voneinander trennen.

In diesem Fall hat sich eine Gruppe von Fröschen vermutlich aufgrund einer physischen Trennung vor Langem vom Rest abgelöst, zum Beispiel durch einen Fluss. Schlussendlich haben sie sich an ihre neue Umgebung angepasst und unterscheiden sich nun auch genetisch.

Ihr Lebensraum sind steile Hänge: Der seltene neue Frosch, der nur in einem bestimmten Gebiet in Ecuadors dunstigen Nebelwäldern vorkommt, lebt etwa 350 m höher gelegen als sein Verwandter.

Diese Wälder brachten eine ganz spezielle Art hervor. „Der typische Frosch aus dem Lehrbuch setzt auf ein Gewässer, um seine Eier abzulegen. Aber diese Wälder sind so steil, dass es dort kaum Seen und Tümpel gibt“, erklärt Guayasamin.

Das führte zu einer Anpassung, die man als direkte Entwicklung bezeichnet. „Die Weibchen legen ihre Eier auf eine nasse Stelle – auf eine Bromelie oder Laubstreu – und die Embryos schlüpfen als voll entwickelte Fröschlein“ – und überspringen das Kaulquappenstadium gänzlich.

„Dadurch waren sie in der Lage, Gebiete, in denen es sonst keine amphibische Diversität gibt, zu kolonisieren und dort zu gedeihen.

SCHWINDENDE WÄLDER

Aber diese Gegenden sind alles andere als unberührt. „Ein Großteil des Küstenwaldes in Ecuador wurde gefällt und in Grasland und Landwirtschaftsflächen umgewandelt“, sagt Guayasamin.

„Es ist immer aufregend, etwas Neues zu finden, besonders, wenn es so hübsch ist“, fügt er hinzu. „Aber alles, was wir hier entdecken, speziell an der Küste, steckt schon in Schwierigkeiten.“

Dass sich P. ecuadorensis unmittelbar in so einer fatalen Lage befindet, „ist auf jeden Fall entmutigend“, sagt Kelly Zamudio per E-Mail, eine Evolutionsbiologin an der Cornell Universität, die nicht an der Studie beteiligt war.

Dass die Art so einen kleinen Lebensraum hat und an bestimmte örtliche Beschaffenheiten angepasst ist, „ist doppeltes Pech“, fügt sie hinzu.

„Das Positive ist, dass wir jetzt von der Art wissen und etwas dagegen tun können.“

Studienleiter Guayasamin hegt die Hoffnung, dass seine Studie die Aufmerksamkeit hinsichtlich Naturschutzbelangen auf Ecuadors Nordküste lenken wird, die zwar artenreich ist, aber weniger geschützte Gebiete als tropischere Landesteile hat.

„Jeder unterstellt, dass die Arten des Amazonasregenwaldes die größten Schwierigkeiten haben“, sagt er. „Es wird Zeit zu verdeutlichen, dass Chocó und die westlichen Vorgebirge eine Priorität sein sollten.“

Jennifer Holland auf Twitter folgen

Wei­ter­le­sen