Tiere

Nach Smaug benannte „Drachen“-Eidechse verliert gegen Wilderer

Der Riesen-Gürtelschweif erfreut sich bedauernswerter Beliebtheit als Haustier und als traditionelle Medizin.Montag, 6. November 2017

Von Traci Watson
Der Lebensraum und die Zahlen der drachenähnlichen Eidechse namens Riesen-Gürtelschweif in ihrer Heimat Südafrika gehen zurück.

Smaug ist in Gefahr. Allerdings handelt es sich nicht um den bösen Drachen Smaug aus Tolkiens „Der Hobbit“. Das Unheil hat stattdessen Smaug giganteus befallen, eine stachelige Eidechse, die wie ein Miniaturdrache aussieht. Ihre Population wird durch Bebauung und Wilderei dezimiert.

Tolkiens Smaug ist riesig und feurig. Auf die Eidechsen trifft beides nicht zu. Sie speien keine Flammen und die meisten sind kaum länger als eine Tube Zahnpasta. (Aber sie sind doppelt so groß wie ihre nahen Eidechsenverwandten und haben daher den Namen „giganteus“ erhalten.)

Wie alle Drachen, die was auf sich halten, sind sie schwer gepanzert. Ihre Körper sind mit bedrohlichen Knochenstacheln übersät, sehr zum Leidwesen von Schakalen und Raubvögeln – und wohlmeinenden Forschern, welche die Eidechsen in Grasländern im östlichen Südafrika studieren, wo sie heimisch sind. „Ich habe wegen ihnen schon viele, viele Male Blut gelassen“, sagt Shivan Parusnath von der Universität von Witwatersrand in Johannesburg. Der Autor einer neuen Studie über die stacheligen Eidechsen wird von National Geographic gefördert.

So effektiv seine Körperpanzerung gegen Raubtiere sein mag, so machtlos ist sie auch gegen die Straßen und Farmen, die das Land zerstückeln. Oder gegen Einheimische, die Smaug giganteus töten, um aus ihm eine traditionelle Arznei zu bereiten. Oder gegen Reptilienliebhaber, die ihn wegen seiner wilden Schönheit schätzen und das illegale Einfangen der Tiere befeuern.

„Diese Art erlebt einen rapiden Niedergang“, sagt Parusnath. Der Umweltschutzwissenschaftler Mark Auliya vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig, Deutschland, der an der Studie nicht beteiligt war, stimmt zu: Smaug giganteus „wird in den nächsten fünf bis zehn Jahren ausgerottet werden, wenn man nichts unternimmt“, beteuert er.

Der Riesen-Gürtelschweif, wie er auch genannt wird, hat sich jahrzehntelang genaueren wissenschaftlichen Untersuchungen entzogen. Also sind Parusnath und seine Kollegen für eine gründliche Inventur losgezogen und haben fast 80 Orte aufgesucht, an denen die Bauten der Eidechsen in den 1970ern gesehen wurden.

Sie haben erfahren, dass die Tiere heutzutage auf einer Fläche von etwa 1160 km² heimisch sind – das entspricht ungefähr einem Drittel ihrer ursprünglichen Verbreitung, sagt Auliya. Schlimmer noch – ein Drittel der Fläche, auf der die Eidechsen 1987 zu finden waren, sind nun bar jeglicher Reptilien, berichten Wissenschaftler im „Journal for Nature Conservation“.

Statt kleiner Drachen fanden sie Spuren von Wilderei: Schlingen, Drähte mit Widerhaken und freigelegte Bauten. Die Wissenschaftler hatten sich einen Bereich mit Bauten der Eidechsen für detaillierte Langzeitstudien ausgesucht, aber Ende letzten Jahres entdeckten sie, dass dort viele Bauten ausgegraben wurden und ihre einstigen Bewohner verschwunden waren. „Das hat mich wirklich getroffen“, erzählt Parusnath.

Der Haustierhandel fordert seinen Tribut von den Eidechsen. Sie werden auch gefangen, um traditionelle Liebesmittel herzustellen.

SMAUG-SCHMUGGEL

Es ist schwer, wenn nicht unmöglich, von der Regierung eine Erlaubnis für das Einfangen von Riesen-Gürtelschweifen zu erhalten, da es wegen der sinkenden Zahlen der Tiere Bedenken gibt. Bisher hat auch noch niemand eine Technik entwickelt, um die Art in Gefangenschaft zu züchten. Trotzdem sind die bei der Regierung gemeldeten Exporte der Tiere in die Höhe geschossen, von 357 in den Jahren 1985 bis 1994 auf 660 zwischen 2005 und 2014.

Das führt Parusnath und andere zu der Annahme, dass Wilderer wilde Eidechsen einfangen und sie in Exportdokumenten als „in Gefangenschaft gezüchtet“ deklarieren. (Parusnath arbeitet aktuell an genetischen Methoden, um zwischen in Gefangenschaft gezüchteten und in der Wildnis gefangenen Eidechsen zu unterscheiden.)

Die Wissenschaftler wissen nicht, wie viele der Eidechsen das Land verlassen, ohne dass die Behörden informiert werden – aber es sind eindeutig mehr als null. Im August 2016 fanden niederländische Beamte 19 Riesen-Gürtelschweife im Koffer eines Mannes, der von Südafrika über Amsterdam auf eine Reptilienmesse nach Deutschland unterwegs war.

Auf Webseiten für Reptilienliebhaber findet man sowohl Gesuche als auch Verkaufsanzeigen für Smaug giganteus, und Parusnath sagt, dass der Handel auf dem Schwarzmarkt vermutlich „deutlich größer“ als der offiziell gemeldete Handel ist.

Ebenso ist es unmöglich, eine Zahl für die Tiere zu nennen, die zum Verkauf auf Südafrikas Muthis oder Medizinmärken gefangen und getötet werden. Traditionell glaubt man dort, dass eine Frau, die ein Pulver aus getrockneten Riesen-Gürtelschweifen isst, es tolerieren wird, dass ihr Partner mehr Liebhaberinnen hat.

Die neue Studie schätzt die Zahl der ausgewachsenen Eidechsen auf etwa 680.000. Das mag nach viel klingen, aber die Tiere erreichen nur langsam die Geschlechtsreife, haben kleine Gelege und pflanzen sich nur alle paar Jahre fort. Die Studie empfiehlt, Smaug giganteus auf der Liste gefährdeter Arten der Weltnaturschutzunion weiterhin als „gefährdet“ zu führen.

Die Wissenschaftler haben Schlingen und Drähte mit Widerhaken in viele Bauten gefunden – aber keine Eidechsen mehr darin.

„Leider gefährdet die Kombination aus diesen drei Faktoren die Art sehr“, sagt Ernst Baard. Er ist der verantwortliche Direktor für den Bereich der Biodiversitätsförderung bei CapeNature, einer Behörde für Biodiversität in der Westkap-Provinz Südafrikas.

Um zum Schutz der Tiere beizutragen, arbeiten die Wissenschaftler auch mit Landeigentümern zusammen, die freiwillige Reservate für Riesen-Gürtelschweife einrichten und Anzeichen von Wilderei melden.

Eine andere Option wäre es, auch den legalen Export zu verbieten. Aber das, so Parusnath, könnte dazu führen, dass skrupellose Sammler die Tiere dann erst recht haben wollen.

Wenn er sieht, wie „diese wunderschönen Tiere aus der Wildnis genommen werden, um dann in einem Glaskasten in Japan oder den USA zu sitzen“, sagt er, „fragt man sich schon, was der Sinn dahinter sein soll.“

Traci Watson schreibt Artikel über die Minibestien in unseren Häusern, riesige Galaxien in Millionen Lichtjahren Entfernung und über alles dazwischen. Sie wohnt in Washington, D. C.

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