Verspielte Robbe stößt beinahe eine Kajakfahrerin um

Auf Robbenbeobachtungstouren können Menschen diesen von Natur aus neugierigen Tieren ganz nah kommen. Experten warnen aber, dass das für Mensch und Tier gefährlich sein kann.Donnerstag, 9. November 2017

Verspielte Robbe stößt beinahe eine Kajakfahrerin um
Verspielte Robbe stößt beinahe eine Kajakfahrerin um

Manchmal verpasst einem das Leben einen Schlag ins Gesicht, und manchmal ist dieser Schlag eine 45 kg schwere Robbe.

Während einer Robbenbeobachtungstour vor der Küste von Walvis Bay in Namibia begegneten Kajakfahrer einer Gruppe Südafrikanischer Seebären, die im Wasser herumtollten. Das Video, das von Mikhail Samon und seiner Frau aufgenommen wurde, zeigt, wie die Tiere aus dem Wasser springen. Eines von ihnen stößt dabei schließlich mit dem Kajak zusammen.

Zum Glück für die Fahrerin und die Robbe kam keiner von beiden bei dem Vorfall zu Schaden – diese Robben können bis zu 90 kg wiegen.

Samon, der hinter seiner Frau paddelte, als die Robbe ihr Kajak traf, erinnert sich an den Vorfall. Laut ihm schien es, als „flog etwas Schwarzes aus dem Wasser“ und traf sie plötzlich.

Seine Frau, die man im Video während des Vorfalls lachen sehen kann, war gefasst.

„Außer nassen Hosen gab es keinen Schaden“, sagte Samon. „Wir haben alle vermutet, dass sich das arme Tier viel mehr erschrocken haben muss.“

Der Vorfall kam durch ein Verhalten zustande, bei dem die Robben ähnlich wie Delfine mit hoher Geschwindigkeit knapp über der Oberfläche aus dem Wasser springen. Die von Natur aus neugierigen und verspielten Robben versuchten vermutlich, einen besseren Blick auf die Kajakfahrer zu erhaschen. An Land können Robben Menschen gegenüber misstrauisch sein. Im Wasser aber, wo sie besser und schneller die Flucht ergreifen können, nähern sie sich Menschen und Booten oft an.

Man nennt sie nicht ohne Grund die Hunde der See. Mit ihren großen Augen und ihrer verspielten Persönlichkeit können sie sehr einnehmend wirken. Menschen sollten aber nicht vergessen, dass sie wilde Tiere sind und keine Haustiere, und dass man ihnen entsprechend Raum geben sollte.

„Als Wissenschaftler gefällt es mir nicht zu sehen, wie wohl sie sich in der Nähe von Menschen fühlen“, sagt Leanna Matthews, eine Forschungsstipendiatin an der Universität von Syracuse, die Robben untersucht.

„Ich kann zustimmen, dass das wirklich süß ist“, erklärte Matthews den Reiz des Schwimmens mit den Robben. „Das ist eine verlockende Sache.“ Robben sind allerdings wilde Tiere, die beißen können, wenn sie sich in die Enge getrieben oder bedroht fühlen. Ihre Zähne können durch Fleisch beißen und Krankheiten übertragen.

Auch für die Tiere selbst haben die Interaktionen mit den Menschen ihre Nachteile. Störungen im normalen Verhalten der Meeressäuger können wichtige Tätigkeiten der Tiere beeinträchtigen, so zum Beispiel Migration, Fressverhalten und das Aufsuchen von Zufluchtsorten.

In Namibia mag der menschliche Einfluss durch Ökotourismus und Wildtierbeobachtung jedoch die tiergerechtere Alternative zu den lukrativen Robbenschlachtungen sein, die in dem Land jährlich stattfinden. In und um Walvis Bay befinden sich bis zu 100.000 Robben.

Die Regierung gewährt einen jährlichen Fang von 80.000 Robbenjungen und 6.000 erwachsenen Männchen. Der Handel mit importierten Robbenprodukten wurde 2010 von der EU verboten, aber ihr Fell wird regelmäßig in die Türkei und ihr Blubber nach China exportiert.

Wenn die Kajakfahrer sich in den USA ähnlich nah bei den Robben aufgehalten hätten, hätten sie womöglich gegen die Verordnung zum Schutz von Meeressäugern verstoßen. Diese illegalisiert gewisses Verhalten zwischen Menschen und Meeressäugern und bestimmt Richtlinien für den Umgang mit den Tieren.

In diesem Fall empfiehlt die Verordnung, die Tiere aus einem Abstand von mindestens 45 m zu beobachten.

Die Samon-Robbenbeobachtungstour fand etwa 130 km nördlich der Walvis Bay statt, wo sich bis zu 50.000 Robben in der größten Kolonie der Region tummeln. Das Unternehmen erlaubt es den Kajakfahrern, etwa 45 bis 180 m vom Ufer entfernt zu paddeln. Diese Entfernung soll Interaktionen mit territorialen Robben vermeiden.

Die Robben, die mehr Zeit im Wasser verbringen, sind oft Teenager im Alter von etwa zwei Jahren. Sie sind von Natur aus fasziniert von allem, das bunt ist und sich durch das Wasser bewegt. Die Tourgruppe durfte mit den Robben über ihre Paddel interagieren, in welche die Robben testweise hineinbissen.

„Sie sind sehr neugierig und interessieren sich für alles Neue“, erklärt Matthews. Außerdem fügt sie hinzu, dass man Robben schon beim Spielen mit anderen Meeressäugern wie Schweinswalen beobachtet hat.

Auch, wenn sie versteht, was für eine Versuchung es ist, sich mit diesen charmanten Meeressäugern einzulassen, rät sie von solchem Verhalten ab, da es einfach Risiken für die Sicherheit von Tier und Mensch birgt.

Eine gute Faustregel sei ihrer Meinung nach: „Wenn das Tier Blickkontakt mit einem herstellen kann, ist man für gewöhnlich zu nah dran.“

Sarah Gibbens auf Twitter und Instagram folgen.

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