Tiere

Größte illegale Schildkrötenfarm Europas entdeckt

Bei einer Razzia fanden spanische Behörden über 1.100 Schildkröten, darunter 14 der 50 am stärksten gefährdeten Arten.Montag, 27. August 2018

Von Richie Hertzberg, Douglas Main

Die spanische Guardia Civil hat auf der Insel Mallorca die wohl „größte illegale Schildkröten-Aufzuchtstation Europas“ geschlossen.

Nach Angaben der Polizei wurden über 1.100 Schildkröten auf der Farm gesichert. Unter ihnen fanden die Beamten der europäischen Strafverfolgungsbehörde Europol zufolge 14 der 50 meist gefährdeten Schildkrötenarten der Welt.

Und diese Zahl wird noch ansteigen. Über 200 der weiblichen Schildkröten sind trächtig oder stehen kurz vor der Eiablage, so die Behörden. Neben den ausgewachsenen und neugeborenen Tieren wurden bei der Razzia auch 750 Eier gefunden.

Ein Video der spanischen Behörden zeigt, wie die Schildkröten in völlig überfüllten Plastikwannen, Tanks mit verunreinigtem Wasser und kargen Gehegen auf der Farm gezüchtet wurden.

Die Grundlagen der Ermittlungen unter dem Codenamen „Operation Coahuila“ und der anschließenden Razzia wurden bereits im Februar 2017 gelegt. Damals berichtete die Polizei von einer Lieferung illegaler Schildkröten am Flughafen von Palma de Mallorca auf der spanischen Baleareninsel. Die Schildkröten, die in dieser Lieferung gefunden wurden, entsprachen nicht dem, was auf der Verpackung deklariert war, so die Polizei.

Viele der Schildkröten aus der Februar-Lieferung waren vom Aussterben bedrohte und durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES geschützte Arten. Nach langwierigen Ermittlungen stieß die Guardia Civil dann auf die illegale Schildkrötenfarm.

Bisher wurden drei Personen festgenommen, darunter zwei Deutsche. Der dritte Verdächtige ist der Inhaber einer exotischen Tierhandlung in Barcelona. Drei weitere Personen werden befragt. Sind die Häftlinge nicht in der Lage, sich durch offizielle Dokumente als rechtmäßige Eigentümer der Tiere auszuweisen, werden sie sich wegen des Schmuggels geschützter Arten verantworten müssen. Darüber hinaus werden sie der Geldwäsche beschuldigt.

Unter den 1.100 Schildkröten wurden 62 Arten gezählt. Die BBC berichtet, dass auf der Farm unter anderem Strahlenschildkröten (Astrochelys radiata) gefunden wurden, die in Madagaskar zu Hause sind und von der IUCN, der internationalen Union zur Bewahrung der Natur und natürlicher Ressourcen, als stark gefährdet eingestuft wurde. Sie befinden sich ebenfalls im Anhang I des CITES, der stark bedrohte Tiere aufführt.

In Gefangenschaft geborene Strahlenschildkröten und andere Arten im Anhang I des CITES dürfen weltweit nur für gewerbliche Zwecke verkauft werden, wenn sie aus einer von CITES zugelassenen und registrierten Aufzuchtstation stammen. Die Farm in Mallorca ist nicht in diesem Verzeichnis aufgeführt.

Unter den Arten fanden sich ebenfalls Dosenschildkröten, die in Südostasien als stark vom Aussterben bedroht gelten. Darüber hinaus wurden Angaben der Guardia Civil zufolge Arten gesichert, die in Mexiko, den USA und Kanada heimisch sind.

Schildkröten werden vor allem wegen ihres Panzers, Fleischs und Leders gehandelt. Darüber hinaus werden sie für den Verkauf als Haustier gezüchtet.

„Der Handel mit Schildkröten ist einer der entscheidenden Faktoren für den Rückgang ihrer weltweiten Populationszahlen und das Aussterben vieler Arten“, so Max Maurer, Direktor für Mitglieder und Öffentlichkeitsarbeit der Organisation Turtle Conservancy. Er fügt hinzu, dass es ihm jedoch nicht zustehe, ein Urteil über die Verdächtigen zu fällen, die einen fairen Prozess vor Gericht verdienen.

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

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