Hitzewelle: Wie überstehen Wildtiere die Hundstage?

Körpereigene Klimaanlagen und anrüchige Kühlsysteme: Viele Wildtiere in Deutschland setzen auf raffinierte Strategien, um mit der Sommerhitze fertig zu werden.Montag, 24. Juni 2019

Wolfswelpe in Brandenburg: Die brütende Sommerhitze macht auch Wildtieren zu schaffen.
Wolfswelpe in Brandenburg: Die brütende Sommerhitze macht auch Wildtieren zu schaffen.
bild Heiko Anders

Die brütende Sommerhitze macht nicht nur vielen Menschen zu schaffen. Auch manche Wildtiere in Deutschland leiden unter tropischen Temperaturen. Fell und Federn sind nicht optimal, um Hitze abzuleiten. Und nur wenige Arten können ihre Körpertemperatur über Schwitzen regulieren. Um die Hundstage schadlos zu überstehen, machen einige Tiere deshalb genau das, was auch wir Menschen am liebsten tun, wenn das Quecksilber über 30 Grad Celsius steigt: Sie halten Siesta oder gehen baden, wie Julian Heiermann erklärt.

„Rothirsche und Wildschweine suchen sich mit Wasser gefüllte Gruben – man spricht hier vom Suhlen“, sagt der Wildtierexperte beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Rehe hingegen würden selbst bei allergrößter Hitze das Wasser meiden. Stattdessen ziehe es sie in die Tiefen des schattigen Waldes, wo sie sich dann tagsüber wenig bewegen.

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Ohren als Hitzeableiter

Was aber, wenn weit und breit kein schattiges Plätzchen in Sicht ist? Heiermann: „Der Feldhase hat eine körpereigene Klimaanlage, die über die langen Ohren funktioniert. Er benutzt seine Löffel als Hitzeableiter.“ Zwei seiner ärgsten natürlichen Feinde, Fuchs und Wolf, hingegen hecheln – wie übrigens auch einige Vogelarten. „Amseln oder Rabenkrähen sitzen häufig mit weit geöffnetem Schnabel da und atmen schnell ein und aus“, ergänzt Stefan Bosch, Vogelexperte beim Nabu. „Das ist das so genannte Kehlsackhecheln, ein besonderes Verfahren zur Wärmeabgabe.“

Manche Vögel nutzen außerdem gezielt kühlende Luftströmungen, indem sie Flügel und Beine in den Luftzug stellen, weiß Bosch. Wie die meisten Tiere ziehen sich auch Vögel während der stärksten Hitze gern an schattige Orte zurück. Dann schrauben sie ihre Aktivitäten auf ein Minimum herunter. Denn wer sich nicht bewegt, heizt den Körper nicht zusätzlich auf.

Ein recht anrüchiges Sonnenschutz-System hat der Weißstorch entwickelt: Er beschmiert seine langen Beine gern mit seinen Ausscheidungen. Deshalb erscheinen Storchenbeine an heißen Sommertagen oft weiß.

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