Urzeit-Gigant im Garten: Sensationsfund von Europas womöglich größtem Dinosaurier

Bei Ausgrabungen in einem Garten in Portugal entdeckten Forschende die Überreste eines zu Lebzeiten vermutlich 25 Meter langen Sauropoden. Er wäre somit der größte bisher in Europa entdeckte Dinosaurier.

Von Lisa Lamm
Veröffentlicht am 30. Aug. 2022, 10:18 MESZ
Drei Archäologen stehen um die sichtbaren fossilen Überreste des Dinosauriers herum.

Ein Teil des versteinerten Skeletts des Sauropoden in Monte Agudo. Sowohl die Größe der Wirbel und der Rippen als auch ihr Erhaltungszustand sind laut Forschenden beeindruckend – und rekordverdächtig.

Foto von Instituto Dom Luiz / Faculty of Sciences of the University of Lisbon

Als ein portugiesischer Mann 2017 begann, sein Haus zu renovieren und dabei Knochenfragmente fand, ahnte er wohl nicht, dass sein Fund nur wenige Jahre später womöglich Geschichte schreiben würde. Der Mann aus Pombal, einer Kleinstadt in Portugal, meldete seinen Fund damals Forschenden der Universität in Lissabon – die daraufhin aufwendige Ausgrabungsarbeiten auf dem Grundstück des Mannes starteten.

Anfang August 2022 folgte dann die Sensation: Die Forschenden fanden Wirbel und Rippen eines ungeahnt großen Dinosauriers: einem möglicherweise um die 25 Meter langen Sauropoden aus der Gruppe der Brachiosauridae. Damit wäre er der größte Dinosaurier, den man je in Europa gefunden hat.

Ein besonderes Fossil

Neben der Größe macht auch der gerade für einen Dinosaurier aus der Gruppe der Brachiosauridae – der beispielsweise Brachiosaurus, Abydosaurus oder Cedarosaurus angehören – gute Erhaltungszustand das Fossil besonders. „Es ist sehr unüblich, dass alle Rippen eines Tieres in dieser Form gefunden werden, geschweige denn in einer Position, in der sie die ursprüngliche anatomische Lage beibehalten“, sagt Elisabete Malafaia von der Fakultät für Naturwissenschaften der Universität Lissabon. 

Die Forschenden hoffen nun, dass die Fundstelle Monte Agudo noch weitere Überraschungen birgt. Laut ihnen ist es gerade aufgrund der Lage des bisherigen Fundes wahrscheinlich, dass sie an dem Ort noch weitere Teile des Skeletts entdecken werden.

“Es ist sehr unüblich, dass alle Rippen eines Tieres in dieser Form gefunden werden, geschweige denn in einer Position, in der sie die ursprüngliche anatomische Lage beibehalten.”

von Elisabete Malafaia
Fakultät für Naturwissenschaften an der Universität Lissabon. 

Durch die Vervollständigung des Skeletts könnte auch die bisherige Annahme der Forschenden, dass es sich um einen Dinosaurier aus der Gruppe der Brachiosauridae handelt, bestätigt werden. Trotz fehlender Teile kann man die Größe des Tieres durch die bisher gefundenen Überreste jedoch bereits erahnen. Aktuell bilden den Großteil der Ausgrabungsfunde Wirbel und Rippen aus dem Achsenskelett, also Teile der Längsachse des Dinosauriers.

Brachiosauridae in der Oberjura

Doch ungeachtet der finalen Bestimmung des Dinosauriers, ist der Fund bereits jetzt bedeutend. „Die Untersuchungen an der paläontologischen Fundstelle Monte Agudo bestätigen, dass die Region Pombal über einen bedeutenden Fossilienbestand an Wirbeltieren aus der Oberjura verfügt“, sagt Malafaia. Die Oberjura umfasst etwa die Zeit von vor 160 bis 145 Millionen Jahren. Die Brachiosauridae lebten von vor etwa 160 Millionen bis 100 Millionen Jahren, also von der Oberjura bis zur frühen Kreidezeit. 

Malafaia betont, dass in den letzten Jahrzehnten immer wieder Überreste in der Region gefunden wurden, die dabei helfen können, das tierische  Leben auf der Iberischen Halbinsel zu dieser Zeit zu verstehen. Der aktuelle Fossilienfund lässt hoffen, die bisherigen Informationen zu erweitern. 

Um welchen Dinosaurier es sich genau handelt, soll nun in weiteren Untersuchungen und während der fortlaufenden Ausgrabungen bestimmt werden. Spätestens dann wird wohl auch klar, ob der Dino aus dem portugiesischen Garten einer der ganz großen seiner Zeit war.

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