Jurazeit: Dinos hatten Erkältungen mit Fieber und Husten

Vögel können Krankheiten übertragen – und das offenbar schon seit 145 Millionen Jahren. Paläontologen haben zum ersten Mal einen aviären Atemwegsinfekt bei Nichtvogeldinosauriern festgestellt.

Veröffentlicht am 14. Feb. 2022, 13:51 MEZ
Hypothetische Wiederherstellung des Lebens von MOR 7029, eines Sauropoden. Man beachte, dass die Lungenerkrankung dieses Tieres ...

Hypothetische Wiederherstellung des Lebens von MOR 7029, eines Sauropoden. Man beachte, dass die Lungenerkrankung dieses Tieres äußerlich nicht erkennbar war, dennoch möglicherweise pneumonie-ähnliche Symptome auslöste.

Foto von Copyright Corbin Rainbolt

Mit Sicherheit ein Hustenanfall, bei dem kein Stein auf dem anderen blieb: Schon Dinosaurier hatten mit Fieber, Schnupfen und Husten zu tun. Das haben Wissenschaftler aus den USA nun herausgefunden. In einer neuen Studie stellten Paläontologen am Great Plains Dinosaur Museum in Malta Montana fest, dass Diplodociden, die Dinosaurier mit dem langen Hals, unter Atemwegsinfekten litten. 

Dazu untersuchten sie die Überreste eines pflanzenfressenden Sauropoden, der bereits 1990 im Südwesten Montanas ausgegraben wurde – und wahrscheinlich aus der Jurazeit stammt. Das Paläontologen-Team um Cary Woodruff berichtet in ihrer aktuellen Studie, die im Fachmagazin Scientific Report erschienen ist, erstmals von einer Luftsackentzündung, der Übertragung einer Vogelerkrankung (Sacci pneumatici) auf den Nichtvogeldinosaurier.

Wie kommt eine Vogelkrankheit in einen Sauropoden

Ähnlich wie die heutigen Vögel hatten Sauropoden ein Luftsacksystem im postcranialen Skelett, die einzelnen Knochen der Wirbelsäule wurden von luftgefüllten Gewebeblasen ausgehöhlt. Dabei funktionierten die großen Luftsäcke wie ein Blasebalg und ermöglichten eine gleichmäßige Sauerstoffzufuhr in alle Regionen des Körpers. 

Das Luftsacksystem war durch die effektive Ventilation ebenfalls ein bedeutender Faktor für die extreme Körpergröße der Tiere, da die Luftzirkulation eine deutliche Gewichtsreduzierung schaffte. Laut Studie konnte sich der Vogelinfekt bei dem Sauropoden aufgrund seiner "vogelähnlichen" Form der Atmung ansiedeln und war somit ein potenzieller Nährboden für die aviäre Lungenentzündung.

Skelettrekonstruktion des Diplodocinus Galeamopus pabsti von MOR 7029, einem Sauropodenfund. Der menschliche Maßstab ist übrigens der Virenexperte Dr. Anthony Fauci mit seinen 170 cm.

Foto von Copyright Francisco Bruñén Alfaro

Husten, Fieber und Nasenausfluss

Die Luftsackentzündung ist eine extrem verbreitete Atemwegserkrankung bei Vögeln, die bis heute sowohl durch E.Choli-Bakterien, Chlamydien als auch durch Pilze verursacht werden kann. Der spezifischen Erreger, der die Sacci pneumatici verursacht hat, konnte mit den ersten Forschungsergebnissen noch nicht nachgewiesen werden.

Während Vögel, die an der Luftsackentzündung erkranken, nicht Husten können, haben sie deutliche Anzeichen von Atemnot, Lethargie und Appetitlosigkeit. Bei den Sauropoden konnten im Rahmen der Studie ebenfalls Gewichtsverlust, Lethargie und Atemnot festgestellt werden – obendrein kamen aber noch Husten, Fieber, Nasenausfluss und Durchfall hinzu.

Der Fund ermöglicht einen völlig neuen Einblick in die Erkrankungsgeschichte der Dinosaurier und gibt neue Hinweise auf die Entwicklungsgeschichte der Riesenechsen im Laufe der Evolution.

Warum Forscher noch immer über das Aussterben der Dinosaurier rätseln
Die Dinosaurier beherrschten die Welt rund 140 Millionen Jahre lang – bis sie plötzlich verschwanden. Heute wissen wir, dass der Asteroideneinschlag im Chicxulub-Krater das Ende der Herrschaft der Dinosaurier vor 66 Millionen Jahren einläutete. Aber jahrzehntelang waren sich die Forscher nicht sicher, was mit diesen faszinierenden Kreaturen geschah. Die Wissenschaftler arbeiten noch immer an dem großen Puzzle, das uns offenbart, was den Dinosauriern widerfuhr.
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