Tiere

Kein Märchen: Einhorn erlegt.

Jeder Waidmann kennt Rehböcke mit Geweih-Abnormitäten, doch ein echtes Einhorn bekommen sicher die wenigsten zu Gesicht. Nun schoss ein Jäger so ein Tier – im August im Wald nahe des Orts Celje in Slowenien.

Von Eva Klevska
Bilder Von Eva Klevska
Kein Märchen: Einhorn erlegt.

Skurrile Rarität: Schädel eines Rehbocks mit „Einhorn“. Ein Jäger bekam das Tier im August in Slowenien vor die Flinte.

Jeder Waidmann kennt Rehböcke mit Geweih-Abnormitäten, doch ein echtes Einhorn bekommen sicher die wenigsten zu Gesicht. Nun schoss ein Jäger so ein Tier – im August im Wald nahe des Orts Celje in Slowenien. Der Wildtierbiologe Bošjtan Pokorny vom ökologischen Forschungsinstitut Erico bestätigte die Echtheit.

Bei männlichen Rehen und Hirschen wächst das Geweih jedes Jahr neu, sie imponieren damit Artgenossen und setzen es im Kampf um die Vormachtstellung im Rudel ein. Nach der Brunft im Herbst oder Winter werfen sie das Geweih ab. Im Frühjahr sprießt es erneut aus den sogenannten Rosenstöcken auf der Stirn. Wenn sich ein Reh nun in der ersten Phase des Wachstums am Kopf verletzt, kann
es zu Deformationen kommen. Manchmal ragt eine Geweihstange dann nach vorn oder seitwärts, statt symmetrisch zur anderen in die Höhe. Bei diesem Rehbock verschmolzen beide Geweihstangen zu einer Einheit. Durch einen ähnlich seltenen Vorfall entstand in alten Zeiten vermutlich der Mythos vom Einhorn.

In Slowenien zählen Rehe – wie in den meisten waldreichen europäischen Ländern – zu den häufigsten Tieren. Ihre Anzahl wird durch Abschussquoten reguliert, die Jäger sind angehalten, vor allem alte und missgebildete Rehe aus dem Bestand zu nehmen. Diesen Bock hätte der Grünrock aber wohl nicht geschossen, wenn er seine Einmaligkeit erkannt hätte. „Aus der üblichen Schussdistanz hatte er dazu aber keine Chance“, sagt Pokorny.

(NG, Heft 01 / 2015, Seite(n) 38)

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