Zehn Fakten über Kühe

Etwa 5 Millionen Milchkühe werden in Deutschland gehalten. Zeit, die friedlichen Wiederkäuer genauer unter die Lupe zu nehmen.

Von Melissa Holland-Moritz
Kuh

Geschlechtsreife weibliche Hausrinder werden erst nach dem Kalben als Kuh bezeichnet. Als Milchkühe werden die Tiere bezeichnet, die zur Milch- oder Fleischgewinnung gehalten werden. 

Der Unterschied zwischen Tag und Nacht

Kühe, die nachts gemolken werden, geben eine andere Milch ab als tagsüber. Nachtmilch enthält erheblich mehr Melatonin und Tryptophan. Bei einem Versuch an Mäusen konnte nach Verabreichung von Nachtmilch ein ähnlich beruhigender Effekt wie durch den Arzneistoff Diazepam nachgewiesen werden, der früher unter dem Namen Valium vermarktet wurde. Nachtmilchkristalle werden zwar bereits als Schlafhilfe angeboten, jedoch fehlen aussagekräftige wissenschaftliche Studien zur Wirkung beim Menschen.

Ein Magen, nicht vier

Kühe sind Wiederkäuer und haben einen Magen, der genau darauf ausgelegt ist. Richtig gelesen: einen Magen. Die verbreitete Annahme, eine Kuh hätte vier Mägen, ist falsch. Die Zahl vier ist jedoch nicht an den Haaren herbeigezogen: Der Kuhmagen ist in vier Kammern aufgeteilt, die beim Wiederkäuen und der Verdauung beteiligt sind.

Kuhschubsen: Alter Mythos, schlechte Idee

Unter Dorfkindern ist der Mythos des „Kuhschubsens“ weit verbreitet: Seit Generationen kursiert das Gerücht, dass sich schlafende Kühe, die nachts auf der Weide stehen, ganz einfach umschubsen ließen. Hier verstecken sich allerdings zwei große Irrtümer: Zum einen schlafen Kühe nicht im Stehen. Zum anderen kann von „einfach“ nicht die Rede sein. Je nach Art schwankt das Gewicht von Kühen stark, doch selbst ein verhältnismäßig leichtes Tier wiegt etwa 500 Kilogramm. Außerdem:  Kühe sind Fluchttiere und würden bei einem derartigen Annäherungsversuch entweder weglaufen oder sogar mit einer Angriffsreaktion reagieren. Fernab von der Umsetzbarkeit ist Kuhschubsen keine witzige Abendbeschäftigung, sondern bedeutet unnötigen Stress für die Tiere. 

Wer noch daran zweifelt, dass Menschen sich zu derartigen Dummheiten hinreißen lassen, wird von der aktuellen „Kulikitaka-Challenge“ eines Besseren belehrt: Unter dem entsprechenden Hashtag posten User vermeintlich witzige Aufnahmen auf TikTok, in denen sie Kühe erschrecken. Musikalisch untermalt wurde das ganze mit dem Lied „Kulikitaka“ des Merenguemusikers Toño Rosario, was den Namen der Challenge erklärt. Genau wie das Kuhschubsen, gefährdet diese Aktion sowohl die Gesundheit der Tiere als auch die eigene. Aus diesem Grund werden die Videos unter dem entsprechenden Hashtag mittlerweile auch von dem sozialen Netzwerk gelöscht.

Die Kuh macht Muh?

Die Frage „Wie macht die Kuh?“ bestimmt den Großteil der Konversationen zwischen Eltern und Kleinkind. Doch die Antwort darauf ist genau genommen nicht nur „Muh“. Tatsächlich konnte der deutsche Forscher Dr. Gerhard Jahns zehn Laute identifizieren, die für Laien zwar alle nach „Muh“ klingen, mit denen Kühe jedoch verschiedene Bedürfnisse ausdrücken. Der pensionierte Agrarwissenschaftler entwickelte ein „Wörterbuch“ für Kuhsprache, in dem ca. 700 Lautäußerungen von 39 Kühen verzeichnet sind (Stand: 2010).

Auf Niederländisch macht die Kuh „Boe“, auf Türkisch „Möö“ und auf Französisch „Meuh“.Auf Niederländisch macht die Kuh „Boe“, auf Türkisch „Möö“ und auf Französisch „Meuh“.

Der Kompass der Kühe

Forscher der Universität Duisburg-Essen fanden heraus, dass das unsichtbare Magnetfeld der Erde einen Einfluss auf die Positionierung von Rindern auf der ganzen Welt hat. Sie konnten beobachten, dass die Tiere sich auf der Weide oder im Stall, sofern andere Umwelteinflüsse ausgeschlossen werden konnten, bevorzugt in Nord-Süd-Richtung ausrichten.

Ein natürlich langes Leben

Milchkühe können unter natürlichen Bedingungen bis zu 25 Jahre alt werden. In der Nutztierhaltung werden die meisten nach etwa fünf bis sechs Jahren geschlachtet. Damit leben sie im Vergleich mit anderen Nutzrindern am längsten: Kälber, die zur Fleischproduktion dienen, werden etwa drei bis fünf Monate alt. Rinder und Ochsen müssen mit 14-20 Monaten zum Schlachter, Stiere im Alter von 12-17 Monaten.

Alles im Blick

Kühe haben ein fast vollständiges Blickfeld von 360 Grad. Damit haben sie ihre Umgebung immer gut im Auge – wenn auch etwas verschwommen: Im Vergleich zum Menschen beträgt die Sehschärfe von Kühen bloß 30 Prozent. Außerdem haben sie durch ihre seitlich liegenden Augen ein eingeschränktes 3D-Sehvermögen. Dafür sind sie uns in Sachen Bewegungssehen einen Schritt voraus. Die Tiere nehmen 40 bis 60 Bilder die Sekunde wahr – wir Menschen hingegen nur etwa 25. Kühe sind außerdem sogenannte Dichromaten und können Rottöne schlecht erkennen.

Kühe stoppen Kriminelle
Eine Verfolgungsjagd in Florida endete auf einer Kuhweide.

Der Ehrentag der Kuh

Jedes Jahr reiht sich am zweiten Dienstag des Monats Juli der Cow Appretiation Day (dt.: Ehrentag der Kuh) in die kuriosen Feiertage des Jahres. Zurückzuführen ist der Tag der Kuh auf eine Marketingaktion der US-amerikanischen Fastfood-Kette Chick-fil-A. Sie sollte zum Hähnchenkonsum motivieren, um Kühe an diesem Tag zu verschonen. In Hinblick auf Tierwohl ein fragliches Konzept.

Trennungsschmerz bei Kalb und Milchkuh

Frischgeborene Kälber werden in der Regel unmittelbar nach der Geburt von der Milchkuh getrennt. Findet dies später statt, zeigen Kälber allerdings noch heftigere Reaktionen auf die Trennung als ohnehin: Forscher konnten beobachten, dass die Kälber vermehrt Laute von sich gaben, sich mehr bewegten und ihre Köpfe häufiger aus dem Stall streckten. Die Trennung von der Mutter hat in beiden Fällen Auswirkungen auf die Gesundheit und das Sozialverhalten der Tiere. So scheinen Kälber, die bei ihrer Mutter aufwachsen, Stresssituationen besser bewältigen zu können und geselliger zu sein.

Kühe können schwimmen

Der Irrglaube, Kühe könnten nicht schwimmen, zieht sich erschreckenderweise durch die deutsche Medienlandschaft. Begründet wird es damit, dass die Tiere aufgrund ihres fehlenden Schließmuskels mit Wasser volllaufen und anschließend ertrinken würden. Diese Behauptung ist schlichtweg falsch. Zurückzuführen ist dieser Mythos auf den Artikel „Deutsche Kühe gehen unter“ aus einer satirischen Rubrik der Zeitung taz.

 

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