Umwelt

Antarktis-Karten zeigen jahrzehntelangen Verfall des Larsen-Schelfeises

In der letzten Woche brach einer der größten je verzeichneten Eisberge vom Larsen-C-Schelfeis ab. Dienstag, 7 November

Von Hannah Lang

Einer der größten Eisberge der Welt ist vom Larsen-C-Schelfeis abgebrochen und hat weltweit Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Der Verfall des Larsen-Schelfeises schreitet jedoch schon seit Jahrzehnten voran. Der dramatische Rückgang des Eises wird durch die Bilder der aufeinanderfolgenden Editionen des Großen National Geographic Weltatlas deutlich.

Große Teile des Schleifeises verschwinden nacheinander von den Karten aus den Editionen der Jahre 1990, 2005 und 2015.

Der Verfall schritt voran, als in der letzten Woche ein 175 Kilometer langer Eisberg vom Larsen-C-Schelfeis abbrach. Er gehört zu den größten Eisbergen, die je von dem Kontinent abgebrochen sind.

Die nächste Edition des Großen National Geographic Weltatlas soll 2019 erscheinen und wird die aktuellste Form des zerbrochenen Larsen-C-Schelfeises zeigen.

Ein Schelfeis ist eine dicke, schwimmende Eisplatte, die mit einer Landmasse verbunden ist. Schelfeis umgibt etwa 75 Prozent der antarktischen Küstenlinie. Das Larsen-Schelfeis, das nach dem norwegischen Entdecker Carl Anton Larsen benannt wurde, liegt an der Nordostküste der antarktischen Halbinsel, entlang des Weddell-Meers.

Obwohl es keine endgültigen Beweise dafür gibt, dass der Klimawandel für das jüngste Ereignis verantwortlich ist, macht die wärmere Temperatur des Meeres das Schelfeis zunehmend anfälliger für Kalbungen und Zerfall.

Als die NASA in den 1960ern die ersten Fotos des Larsen-Schelfeises machte, war der fatale Riss, der diesen Eisberg von Larsen C trennte, bereits sichtbar.

Prozesse wie das Kalben von Gletschern sind für Schelfeis ganz natürlich. Aber der Eisberg des Larsen-C-Schelfeises ist der größte, der seit 1995 abgebrochen ist – und dieses Tempo löst bei einigen Wissenschaftlern Besorgnis aus.

LARSEN ABC

Im Januar 1995 verlor Larsen A – der nördlichste Bereich des Larsen-Schelfeises – etwa 2.000 Quadratkilometer Eis durch einen Sturm, bei dem weiter südlich ein großer Eisberg abbrach. 1999 fügte der National Geographic Weltatlas einen Hinweis zum Schelfeis hinzu und erwähnte erstmals den beschleunigten Zerfall.

2002 brach dann der Großteil von Larsen B ab – das sich südlich von Larsen A befindet – und zerfiel in wenig mehr als einem Monat. Damit war das Schelf um weitere 3.200 Quadratkilometer geschrumpft.

Wissenschaftler schrieben den Bruch der beiden Eisberge einer Reihe ungewöhnlich warmer Sommer zu – und dem besonders warmen Sommer im Jahr 2002. Die Forscher beobachteten während dieser Zeit ein beträchtliches Abtauen. Sie bemerkten, dass die getauten Bereiche wie Keile wirkten und die bereits vorhandenen Risse noch vertieften.

2005 erhielt der National Geographic Weltatlas ein Update, um den Zerfall des Larsen-B-Schelfeises darzustellen.

Die Überreste des Eisschelfs, das auf ein Alter von mindestens 10.000 Jahren geschätzt wird, zerfallen rapide und werden bis zum Ende dieses Jahrzehnts vermutlich vollständig verschwunden sein.

Der neue Larsen-C-Eisberg, der eine Trillion Tonnen wiegt, wird wahrscheinlich in kleinere Stücke zerbrechen. Einige könnten jahrzehntelang im Weddell-Meer verbleiben, während andere in den Weddell-Wirbel gezogen werden könnten, einen Wirbel in der Meeresströmung.

Das würde die entsprechenden Fragmente nach Norden in Richtung Südamerika schieben, westlich vorbei an Südgeorgien und den Südlichen Sandwichinseln, sagte Helen Amanda Fricker der „Washington Post“. Sie ist eine Antarktisexpertin von der Scripps Institution of Oceanography.

UMSCHREIBEN DER KARTEN

In der aktuellsten Ausgabe des Großen National Geographic Weltatlas von 2005 wurde die Bemerkung zum Larsen-Schelfeis noch ergänzt. Sie enthält Informationen über Larsen B und schrieb dessen Kollaps außergewöhnlich warmen Sommern zu.

„Es ist schwierig, diese Veränderungen einzufangen“, sagt Ted Sickley, der Direktor der Kartografie-Datenbanken von National Geographic. „Die Geschwindigkeit, mit der sich die Umwelt verändert, scheint zuzunehmen. Aber gleichzeitig profitieren wir auch von verbesserten Satellitenbildern und anderer Technologie, die uns dabei hilft, diese Veränderungen zu identifizieren und zu unseren Karten hinzuzufügen.“

Da so große Teile des Larsen-Eisschelfs abgebrochen sind, sind Wissenschaftler nun besorgt, dass es instabiler sein könnte, was zu weiterem Zerfall führen könnte. Die verbleibenden Eisschichten verlieren mit einer Rate von 1,8 bis 2,7 Meter pro Jahr außerdem an Dicke.

Wenn der neue Larsen-C-Eisberg vollständig schmelzen würde, würde der Meeresspiegel laut einer Aussage des NASA-Klimawissenschaftlers Gavin Schmidt gegenüber „Climate Central“ um 0,1 Millimeter ansteigen.

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